Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 3 ° heiter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Volle Auftragsbücher, aber Sorgen mit dem Nachwuchs

Grimmen Volle Auftragsbücher, aber Sorgen mit dem Nachwuchs

Handwerker der Region werben bereits um Fachkräfte in Polen

Voriger Artikel
Kurt Moser: Ein Leben zwischen den Welten
Nächster Artikel
Hochschulen haben 58 Millionen auf der hohen Kante

Malte-Vitus Bathke (21) ist einer der 33 Azubis, die im März in Stralsund freigesprochen wurden. Der Junggeselle hat seit dem 1. März im Auto-Center Grimmen einen Job als Kfz.-Mechatroniker.

Grimmen. „Wir haben derzeit viele Baustellen von Grimmen bis hin nach Sundhagen“, sagt Michaela Jahns vom Baugeschäft Zinn & Jahns aus Grimmen. „Dieses Frühjahr laufe aber auch auffällig gut“, fügt sie hinzu. Von einem Hallenneubau, übers Einfamilienhaus bis hin zu Pflasterarbeiten hat die Firma unterschiedliche Aufträge. Zehn Beschäftigte arbeiten derzeit bei Zinn &

OZ-Bild

Handwerker der Region werben bereits um Fachkräfte in Polen

Zur Bildergalerie

Heute: Wie geht‘s

dem Handwerk

in der Region?

Serie

Wirtschaft vor Ort

Jahns.

Uwe Ambrosat, Chef der Kreishandwerkerschaft Rügen-Stralsund-Nordvorpommern kann diese Einschätzung für die knapp 2000 Handwerksbetriebe in der Region generell bestätigen. „Die Baubranche hat 2016 eine sehr gute Auftragslage“, sagt auch er. Sie profitiert vor allem von den billigen Zinsen.„Aber auch davon, dass wir eine Urlauberregion sind, die angesichts der weltpolitischen Lage noch mehr in den Blickpunkt der Deutschen gerät.“ Mecklenburg-Vorpommern habe bei den Übernachtungszahlen 2015 einen Zuwachs von 12 Prozent gegenüber 2014 erfahren. Davon lebt jetzt das Bauhandwerk, weil neue Übernachtungsmöglichkeiten entstehen.

Aber nicht nur das Bauhandwerk frohlockt in diesen Frühlingstagen. Eine ebenso gute Auftragslage verzeichnet auch Hans-Joachim Kampe, Inhaber des Autocenter Grimmen. Dieses ist mit vier Marken und 65 Beschäftigten das größte in der Ex-Kreisstadt.

„Nachdem es im Januar und Februar vor allem bei den Pkw-Reparaturen nicht so gut lief, sind die Auftragsbücher seit März aber wieder voll“, erklärt Kampe. Er rechnet für die Folgemonate sogar mit steigenden Zahlen. Aber nicht überall verzeichnet das Handwerk eitel Sonnenschein. Ein großes Sorgenkind - und das bestätigen alle - ist der Nachwuchs. „Wir haben massive Probleme bei der Lehrlingsgewinnung“, gibt Hans-Joachim Kampe unumwunden zu. „Auch bei uns stehen gute Leute nicht gerade Schlange“, betont Bau-Geschäftsführerin Michaela Jahns.

Uwe Ambrosat von der Kreishandwerkerschaft bestätigt auch diese Aussagen. Gab es vor sechs bis sieben Jahren noch rund 25 000 Schulabgänger in der Region, ist diese Zahl jetzt auf ein Drittel gesunken“, rechnet der Stralsunder vor und zeigt damit das Dilemma auf, in dem eigentlich alle in der Kreishandwerkerschaft vereinigten Innungen stecken. „Die meisten jungen Leute, die zu uns kommen, haben viel zu schlechte Schulnoten“, erklärt Kampe. Einige kommen sogar mit der Überzeugung ins Bewerbungsgespräch, Vieren würden reichen, fügt er hinzu.

Diese Nachwuchssorgen teilen sich die Bau- und Kfz-Branche auch mit anderen Innungen des Handwerks, erklärt Uwe Ambrosat und zählt Friseure ebenso auf, wie Elektriker, Heizungs- und Sanitärinstallateure, Bäcker und Konditoren. Letztere sind angesichts immer neuer Frischeangebote in den Supermärkten am meisten gebeutelt. Ambrosat meint, dass gerade das Bäckerhandwerk vor einem dramatischen Umbruch steht. Denn für den traditionellen Bäckerladen werde es immer schwerer. Viele Innungskollegen hätten deshalb schon aufgegeben.

„Das Handwerk muss grundsätzlich neue Wege gehen, will es die Herausforderungen, gerade bei der Nachwuchsgewinnung, schultern“, erklärt Ambrosat. Deshalb würde bereits verstärkt auch in Polen geworben, sagt er. Und das funktioniere ganz gut. „Wir zeigen uns auf Messen, gehen in Schulen und bieten jungen Polen Praktika bei uns an“, erläutert der Geschäftsführer. Insbesondere das Friseurhandwerk kann davon bereits profitieren. So mancher Haarschopf wird zwischen Rügen und dem Darß wird nämlich heute schon von einer Polin oder einem Polen frisiert.

„Wir müssen grundsätzlich noch viel mehr in die Offensive gehen, zeigt sich Ambrosat auch für die Zukunft entschlossen. Allerdings fehle vielen kleinen Betrieben dazu einfach die Kraft, schränkt der Chef der Kreishandwerkerschaft aber ein.

Der klassische Handwerksbetrieb in Nordvorpommern und auf Rügen habe drei bis sieben Beschäftigte, erklärt er, wobei der Meister in der Regel voll mitarbeitet. „Da bleibt kaum noch Zeit, sich auch noch um Marketing zu kümmern.“ Wo die Kreishandwerkerschaft helfen kann, macht sie das. Aber auch ihre Mittel seien begrenzt, so Ambrosat weiter. Anders als die Bundeswehr oder der Zoll, verfügt sie nämlich nicht über PR-Abteilungen, wo zum Beispiel professionell Messebesuche vorbereitet werden. „Wir müssen alles aus eigener Kraft stemmen und uns gleichzeitig dem Wettbewerb stellen.“

Dabei sei es aber außerordentlich wichtig, nicht nur zu zeigen, dass Handwerk attraktiv ist, sondern, dass es es hier auch gute Übernahmemöglichkeiten gibt. 54 Prozent aller Azubis erhielten 2015 nach der Lehre einen Job, sagt Ambrosat nicht ganz ohne Stolz. Vor wenigen Jahren habe diese Zahl noch bei 15 bis 16 Prozent gelegen.

Ganz oben auf der Hitliste der Lieblingsberufe im Handwerk steht nach wie vor der Kfz-Mechatroniker. 32 Jungen und zwei Mädchen wurden im März in Stralsund als Gesellen freigesprochen. Die Mädchen arbeiten jetzt im Autohaus Abraham auf Rügen und bei der Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Rügen in Ribnitz-Damgarten. Die Kfz.-Branche ist nach wie vor ein zuverlässiger und auch attraktiver Bereich.

„Aber auch sie muss um gutes Personal immer wieder kämpfen“, sagt Ambrosat und bestätigt damit die Aussage von Hans-Joachim Kampe vom Grimmener Auto-Center.

950 Azubis lernen hier

2000Handwerksbetriebe gibt es in Rügen-

Stralsund-Nordvorpommern. 555 davon sind in verschiedenen Innungen organisiert: zum Beispiel Bauhandwerk,

Kfz, Friseure, Tischler und Elektro. Die kleinste Innung bilden die Fotografen.

950 Azubis lernen in diesen Unternehmen derzeit einen Beruf. Pro Jahr erhalten 250 bis 260 junge Leute eine Lehrstelle in einem der Handwerksbetrieb zwischen der Insel Rügen, Grimmen und Ribnitz-Damgarten. Aufgrund der abnehmenden

Schülerzahl wird die Besetzung

immer schwieriger.

Von Reinhard Amler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel

Niedrige Zinsen zwingen die Sparkasse Vorpommern zum Personalabbau. Geschäftsstellen werden geschlossen. Ein Gespräch mit dem neuen Vorstandsboss Ulrich Wolff über seinen Reformkurs.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Stralsund
Verlagshaus Stralsund

Apollonienmarkt 16
18439 StralsundTelefon: 0 38 31 / 20 67 40

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
10.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Benjamin Fischer
E-Mail: lokalredaktion.stralsund@ostsee-zeitung.de

Beilagen
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.