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Stralsund Vom Alten Markt ins Weiße Haus

Bei Heringshäppchen, Popcorn und Marshmallows feiert Stralsund mit dem US-Botschaftsrat im Löwenschen Saal 200 Jahre diplomatische Beziehungen zu den USA

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Stralsund zeigt Flagge: Der US-Gesandte- Botschaftsrat David Mike Reinert (2.v.l.) wurde vom Präsidenten der Bürgerschaft Peter Paul (l.), Oberbürgermeister Alexander Badrow sowie seinem 1. Stellvertreter, Dieter Hartlieb (r.) vor dem Rathaus begrüßt.

Stralsund. Er war nie in Stralsund, und kaum ein Hansestädter hatte wohl bisher seinen Namen auf dem Schirm: John M. Forbes. Und doch widmeten die Stadt, das Hamburger US-Generalkonsulat und die Historische Kommission für Pommern diesem Mann am Mittwoch einen ganzen Festakt im Rathaus.

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Bei Heringshäppchen, Popcorn und Marshmallows feiert Stralsund mit dem US-Botschaftsrat im Löwenschen Saal 200 Jahre diplomatische Beziehungen zu den USA

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Denn er war es, auf den der Beginn der diplomatischen Beziehungen zwischen Stralsund und Amerika vor 200 Jahren zurückgeht. Herausgefunden hat das „zweifelsfrei“ der Historiker Dr. Wolf Karge aus Schwerin. Als Ehrengast nahm an der Veranstaltung der US-Gesandte-Botschaftsrat David Mike Reinert aus Berlin teil. Der sagte am Ende des Tages mit Stadtbummel und Museumsbesuch: „Ich werde sicher wiederkommen.“

Bevor jedoch die 90 geladenen Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur bei Heringshäppchen, Popcorn und Marshmallows mit dem Botschaftsrat darüber plaudern konnten, was Stralsund und Amerika denn so verbindet, weihte Karge die Gäste erst einmal auf recht unterhaltsame Art in Forbes Leben und den Weg der Diplomatie vom Alten Markt bis ins Weiße Haus ein.

Der hochgelobte Gentleman Forbes war recht umtriebig zwischen Hamburg, Tönning, Kiel und Kopenhagen unterwegs, wie die Zuhörer erfuhren. Der Kaufmann wusste offenbar ganz gute – wenn auch nicht immer legale – Geschäfte zu machen. Mit Tee, Kaffee, Zucker und Tabak. 1816 ernannte US-Präsident James Madison den Kaufmann zum ersten US-Konsul für den preußischen Hafen Stralsund, Stettin und das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin. Sein Dienstsitz befand sich in Kopenhagen. Als er für das Amt des Konsuls nominiert wurde, war Forbes gar nicht in Europa. Und doch gab es im Gegensatz zu Mecklenburg in Pommern sogar Aktivitäten für seine Akkreditierung, wie Stralsunds Archivdirektor Dirk Schleinert erforscht hat. Nur gesehen hat Forbes hier niemand. 1818 war sein Amt auch schon wieder beendet.

Heute gibt es „weitaus mehr Berührungspunkte“ zwischen Stralsund und den USA, als man auf den ersten Blick vermuten würde, sagte Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU). Erst vor wenigen Wochen habe die Hamburger Generalkonsulin Nancy Corbett das Ozeaneum besichtigt – allerdings inkognito, quasi bei einem Betriebsausflug der Botschaft. Die Öffentlichkeit bekam das gar nicht mit. Kein Vergleich zu dem Rummel, den der 13. Juli vor zehn Jahren ausgelöst hatte. Damals besuchte US-Präsident George W. Bush mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Stadt. Stralsund wurde für einen Tag „zur Bühne der Weltdiplomatie“, so Badrow. Er selbst saß da noch nicht im Chefsessel, sondern war für den Verkehr zuständig. Badrow erinnerte weiter daran, dass die damalige First Lady Laura Bush 300 Kinder- und Jugendbücher für die Stadtbibliothek mitgebracht hatte – Grundstock für die Abteilung fremdsprachiger Literatur für junge Leute. Auch die Fachhochschule habe viele Kontakte nach Amerika, und das Stadtarchiv erhalte immer wieder Anfragen von US-Bürgern zur Familienforschung.

Vor acht Jahren kam der Amerikaner Al Hoffmann nach Stralsund. Früher war er auf dem Finanzmarkt an der Wallstreet tätig, erzählt er. Im Andenken an seine Tochter, die vor mehr als 20 Jahren bei einem Deutschland-Besuch tödlich verunglückte, hat Hoffmann mit seiner Frau eine Stiftung für junge Musiker gegründet. Heute feiert er in der Hansestadt seinen 83. Geburtstag und sagt über seine neue Heimatstadt: „Es war eine gute Entscheidung.“

Von einem, der auszog, in Amerika Musik zu machen

Als „vielseitig gebildeter deutscher Tonkünstler“ wurde er im 19. Jahrhundert in Amerika geschätzt: Der Komponist, Dirigent, Geigenvirtuose und Gründer eines Konservatoriums in Philadelphia: Carl Gaertner.

Weniger bekannt dürfte sein, dass dieser Musiker am 5. November 1823 vermutlich im heutigen Gasthaus zur Fähre in Stralsund geboren wurde. Erforscht hat das die Historikerin Renate Schaarschuh. Gaertner begann 1845 sein Studium in Leipzig. Sechs Jahre später ging er auf Konzertreisen. Laut Passagierliste des Schiffes „Elbe“ erreichte er am 30. November 1852 New York. Er wirkte unter anderem in Boston, ließ sich letztendlich aber in Philadelphia (Pennsylvania) nieder.

1892mit fast 70 Jahren besuchte Gaertner Greifswald, um dort mit anderen Musikern ein Konzert zu geben. Ob er wieder nach Philadelphia ging oder in Deutschland blieb, ist unbekannt.

Marlies Walther

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