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Vom Meeresboden in den Garten: Binzer sammelt Anker

Binz Vom Meeresboden in den Garten: Binzer sammelt Anker

Frank Reile restauriert seltene Fundstücke von Baggerarbeiten in der Ostsee. Der Hobbytaucher kreiert zudem aus Schrott Kunstwerke und besitzt unzählige Fossilien.

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Frank Reile neben dem 3,5 Tonnen schweren Hallanker, der bei Ausbaggerungsarbeiten in Riga geborgen wurde.

Quelle: Dieter Lindemann

Binz. „Ist hier der Park der Sinne?“, fragen Urlauber oft verwirrt, wenn sie am Zaun von Frank Reile in der Pestalozzistraße 15 stehen. Der ist eigentlich ein paar Meter weiter am Schmachter See. Doch das Grundstück des Binzers ist ein wahres Freilichtmuseum und der 52-Jährige führt Neugierige gern über sein Grundstück. Frank Reile ist leidenschaftlicher Sammler. Schon 50 Anker - von einem Kilogramm bis 3,5 Tonnen Gewicht - stehen im Garten vor seinem Haus. Darunter auch Stockanker aus dem 15. und 18. Jahrhundert sowie Pilz- oder Schirmanker der Neuzeit.

Während die Besucher die vielen maritimen Gegenstände bestaunen, erzählt Reile begeistert von seinen Fundstücken und deren Geschichten.

In seiner Abwesenheit übernimmt diese „Führungen“ sein Vater Fritz Frank Reile ist seit 1996 Maschinist eines Baggers auf einem Schwimmponton, mit dem Hafenbecken und Fahrrinnen in der Ostsee ausgebaggert werden. „Da findet man schon so einiges. Diese Fundstücke, die die Schifffahrt in Jahrhunderten verloren haben, werden normalerweise mit dem Baggergut in festgelegten Bereichen in der Ostsee wieder verklappt. Damals kam ich auf die Idee, sie als Mitbringsel mit nach Hause zu nehmen, zu restaurieren und aufzustellen”, so Reile.

Der Schirmanker wurde beim Baggern für die neue Rügenbrücke aus dem Wasser geborgen. Mit solchen Ankern werden Feuerschiffe und Ansteuerungstonnen verankert. Durch die Form des Ankers werden sie mit der Zeit in den Meeresgrund eingespült und können somit nicht wieder gehoben werden. Eine seiner letzten Errungenschaften ist eine Ankerwinde, die Frank Reile in einer der Fischerhütten am Südstrand von Göhren, die inzwischen abgerissen wurden, entdeckte, erwarb und aufgearbeitet hat.

Der gelernter Schlosser hat auch eine künstlerische Ader. Aus Schrott gestaltet er Fabelwesen und fantasievolle Insekten. Ein Hingucker: supergroße Libellen, die er aus Schraubstöcken, Hufeisen, Sägeblättern und anderen Materialien zusammengeschweißt hat. Zudem „laufen“ Enten im Garten, die aus Eisenblöcken von Hebebäumen gefertigt wurden. Seine Lieblingsskulptur ist eine aus Stahlblechresten von einem Wulstbug eines Schiffes. „Meine Jungfrau“, schmunzelt Reile. Seine Frau Ramona ist ihm immer behilflich, wenn es darum geht, den richtigen Standort für einen Anker oder eine Skulptur zu finden.

Die Liebe zur Ostsee prägt den gebürtigen Binzer bis heute. Mit seinem Sohn Peter geht er regelmäßig auf Tauchgänge. Auch sammelte er unzählige Fossilien. Aber das ist eine weitere Geschichte.

Pilzanker für Feuerschiffe
Anker haben je nach Funktion verschiedene Formen. Es gibt Gewichtsanker, wie beispielsweise den klassischen Stockanker. Eine Sonderrolle spielt der Pilzanker, mit dem Feuerschiffe oder Seezeichen für längere Zeit festgemacht werden. Daneben gibt es Patentanker oder auch Leichtgewicht-Anker, die sich aufgrund ihrer Form bei Zugbelastung über die Ankerkette mit einer oder mehreren Flunken in den Boden eingraben.

 

Dieter Lindemann

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