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Stralsund Von wegen Storchenland Nr. 1: Adebar macht sich rar
Vorpommern Stralsund Von wegen Storchenland Nr. 1: Adebar macht sich rar
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00:13 15.03.2018
Ein schönes Bild: Brütende Storchenpaare, doch die Zahl der Jungtiere hat 2017 einen historischen Tiefstand erreicht. Quelle: Foto: Dpa

Zarrendorf/Langendorf. Ein Storchennest auf dem Grundstück – viele Bewohner in ländlichen Regionen wünschen sich diese Idylle. Doch das Bild wird immer seltener. Denn Adebar macht sich rar in unserem Kreis, in unserem Land. Dabei sprachen Naturschützer hier einst vom Storchenland Nummer 1. Nur 699 Brutpaare wurden 2017 im Land gezählt. 2015 waren es noch 100 Paare mehr. In Vorpommern-Rügen gab es letztes Jahr 95 Brutpaare, 80 in Nordvorpommern, 15 auf Rügen. Insgesamt wurden 166 Junge aufgezogen. 2016 waren es noch 107 Brutpaare, allerdings nur mit 134-mal Nachwuchs.

Zahl der Brutpaare geht weiter zurück – 95 sind es im Kreis / Gute Nachricht: Erste Vögel aus Winterquartier zurück / Neue Nisthilfe in Zarrendorf aufgestellt

Was tun? Auch die Dorfbewohner fragen sich, wie sie den Storch wieder anlocken können. Es reicht aber nicht, nur eine Nisthilfe anzubieten. Damit sich Adebar nieder- lässt, muss auch das Nahrungsangebot stimmen. Und das ist heutzutage meist ein Problem.

Der Storch möchte im Umkreis von zwei bis drei Kilometern einen reich gedeckten Tisch und nicht wie bei uns riesige Felder mit hochwachsenden Monokulturen, auf denen seine Nahrungstiere nicht mehr vorkommen oder nicht erreichbar sind. Eigentlich ist er Koloniebrüter. Das funktioniert aber nur in reich ausgestatteten Tal-Auen oder bei Zufütterung.

„In unserer armen Landschaft duldet er keine Nachbarn. So ist es zu erklären, dass die Hälfte der Nisthilfen in unserer Gegend ungenutzt herumsteht. Und wenn sie in Sicht- oder Hörweite stehen, stören sie sogar das Brutgeschäft der Störche, weil unnötig erbitterte Kämpfe mit den unerwünschten Nachbarn stattfinden“, sagt Eckhard Frädrich. Der 77-Jährige engagiert sich schon seit seiner Schulzeit im Naturschutz und sammelt seit 1980 alle Informationen über die Störche. 25 Nester werden durch den Naturschutzwart beobachtet. Alle Daten werden dann gemeinsam mit den anderen Storchenbeobachtern im Arbeitskreis Weißstorch des Naturschutzbundes zusammengetragen und auch veröffentlicht. Über ein Beispiel freut sich Naturschutzwart Eckhard Frädrich, von Beruf einst Landvermesser, besonders. „Bei Zarrendorf gibt es noch von Rindern beweidetes Grünland – eine gute Voraussetzung dafür, dass es die Störche mit uns Menschen aushalten.“ Bei Riecks hatten die Störche auf einem ehemaligen Antennenmast eine geeignete Stelle für ihr Nest gefunden. Inzwischen haben sie dort so viel Nistmaterial angehäuft, dass das Ganze drohte, herabzustürzen und Schäden am benachbarten Gebäude anzurichten. „Man könnte mit einem Hubsteiger den überschüssigen Teil vorsichtig abtragen. Aber irgendwann tritt die gleiche Situation ja wieder ein. Deshalb ist es nachhaltiger, einen neuen Mast an einer besser geeigneten Stelle anzubieten“, erklärt Eckhard Frädrich gegenüber der OZ.

Der Energieversorger E.dis – in diesem Falle vertreten durch die Außenstelle Bergen – hat für derartige Fälle eine Kostenstelle, mit der passende Hilfsmaßnahmen, also Material und Montage, finanziert werden können. So förderte das Unternehmen auch die Maßnahme in Zarrendorf. Dazu war ein Gutachten der Unteren Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung erforderlich. Mast und Nisthilfenrad lieferte E.dis. Ein Zusammenspiel, das in den letzten Jahren gut klappte.

Die Montage übernahm kürzlich die Firma Mecklenburgische Energie und Anlagenbau GmbH. Und Frau Rieck erfreute die Akteure bei der eisigen Kälte mit warmem Kaffee. „Seit 17 Jahren wohnen wir hier, der Storch war aber schon vor uns da. Ich hoffe und wünsche mir so sehr, dass er den neuen Platz annimmt“, sagt Karin Rieck, die das Storchennest von ihrem Küchenfenster aus gut im Blick hat und jetzt auf die Rückkehr ihres Gastes wartet.

Bis Ende März werden alle Weißstörche zurück erwartet, höchste Zeit also, solche Nisthilfen wie in Zarrendorf aufzustellen. Die Chancen stehen gut, dass die Nachbarschaft so ab Mai – nach hoffentlich erfolgreicher vierwöchiger Brutzeit – mal wieder eine komplette Storchenfamilie beobachten kann. Im Kontakt mit Frädrich sind die Anwohner übrigens wichtige Unterstützer im Naturschutz. „Wir haben überall Leute, die sich informieren und dafür interessieren. Die Nachbarn sehen das Tier als ihren Storch an.“ Auch diese Zuarbeit bedeutet wichtige Informationen, die bei der Datensammlung für die Untere Naturschutzbehörde wichtig sind.

Im vergangenen Jahr hatte Eckhard Frädrich übrigens die Aktion in Rekentin begleitet. Das Nest dort befindet sich in guter Gesellschaft zu den Storchfamilien in Nisdorf, Duvendiek, Krönnevitz oder Tribsees.

2017 war ein extremes Störungsjahr

699 Brutpaare registrierten die Mitglieder der Nabu-Landesarbeitsgruppe Weißstorchschutz 2017 in Mecklenburg-Vorpommern. Wiederum ist eine Abnahme der Störche gegenüber den Vorjahren zu verzeichnen, denn 2015 waren es noch fast 100 Paare mehr. Nie zuvor hat es in unserem Bundesland so wenige Brutstörche gegeben. Wie dramatisch die Entwicklung ist, zeigt aber besonders der langjährige Vergleich: 2004 gab es noch 1142 Storchenpaare, 1994 sogar noch 1237 Paare.

Besonders beunruhigend sind die genaueren Bestandsparameter des Storchenjahres 2017. Von den 699 Brutpaaren hatten 279 keinen Bruterfolg, das sind 40 Prozent aller Paare. Schon ab 25 Prozent jungenloser Paare sprechen Storchenexperten von Störungsjahren.

992 Storchenjunge wuchsen in den Nestern auf, 1994 waren es noch 2549 Junge. 699 Brutpaare mit nur 992 Jungen, das ergibt einen Reproduktionswert von 1,42 Jungstörchen pro Nest. Zum Erhalt einer Population sind aber mindestens zwei Junge erforderlich. Lediglich 2008 erreichten wir einen solchen Wert...

Ines Sommer

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