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Stralsund Wandgemälde ist die größte Rügen-Karte der Welt
Vorpommern Stralsund Wandgemälde ist die größte Rügen-Karte der Welt
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08:22 22.07.2013
Das berühmte Wandgemälde von Erich Kliefert in der Stralsunder Bahnhofshalle stammt aus dem Jahre 1936. Quelle: Fotos: OZ-Archiv
Stralsund

Vor 80 Jahren, als der Rügendamm gebaut wurde, war es effektiv und modern, mit der Bahn zu reisen. So stand hinter dem Gedanken zur Neugestaltung der Stralsunder Bahnhofshalle eine Forderung: Sie sollte eine erste Orientierung über das Urlaubsziel geben, aber auch von der Schönheit desselben künden. Diesen Auftrag erhielt der Maler Erich Kliefert. Während er auf der östlichen Hallenwand einen Stadtplan mit Straßen und Gebäuden der Stralsunder Altstadt darstellte, schaut der Betrachter der gegenüberliegenden Seite auf die Insel Rügen — ein einzigartiges Denkmal im Stil des Art deco.

Erich Kliefert wurde am 20. Juni 1893 als zweiter Sohn des Töpfermeisters Hugo Kliefert und dessen Frau Emma in Berlin geboren. Mit einem Abschluss der Obersekunda erlernte er ab 1909 in der Glaserwerkstatt von Gottfried Heinersdorff den Beruf eines Glasmalers und Bleiverglasers. Aufgrund seiner künstlerischen Begabung schrieb Kliefert sich bei der Unterrichtsanstalt des Königlichen Kunstgewerbemuseums Berlin für das Wintersemester 1910/11 ein. 1914 wurde Kliefert Soldat — zunächst an der Ost- und später an die Westfront. Auch während des Krieges malte und fotografierte er.

Mit dem Ziel Kunstlehrer zu werden, besuchte Erich Kliefert ab 1919 die Staatliche Kunstschule Berlin. Nach einem Jahr legte er das Examen mit sehr guten Noten ab und erwarb die Befähigung, an mehrklassigen Volks- und Mittelschulen sowie an höheren Schulen das Zeichnen zu unterrichten. Nach einem Referendariat an der Höheren Töchterschule zu Wollin kam er 1921 an die Gewerbliche Berufsschule nach Stralsund.

Bald lernte er Mathilde Gießen, eine seelenverwandte Künstlerin, kennen, die am Stralsunder Lyzeum arbeitete. Am 1. Oktober 1923 heiratete das Paar in der Stralsunder Kapelle St. Annen und Brigitten.

Die Tochter Brigitte kam am 25. September 1924 zur Welt, am 7. April 1928 Sohn Martin. Kliefert übernahm die Stelle seiner Frau am Lyzeum. Im selben Jahr wurde er zum „Oberschullehrer an einer höheren Schule“ berufen.

Während sein Malstil vom Impressionismus zur Neuen Sachlichkeit tendierte, wurde er für letzteren noch vor 1925 zum Vorreiter dieser erst dann namentlich geprägten Stilrichtung. Nachdem Kliefert 1929 zum Studienrat ernannt worden war, unternahm er mit seinem einstigen Kommilitonen und Freund Josua Leander Gampp eine Studienreise nach Süddeutschland und Italien.

1930 lernte er durch Käthe Kollwitz die Malerin Elisabeth Büchsel kennen. Diese, insbesondere durch ihre Hiddenseebilder bekannte Künstlerin verbrachte das Winterhalbjahr ebenfalls in Stralsund. Ihr Einfluss wurde in Klieferts Schaffen spürbar. Während die Familie Kliefert ihre Sommerferien anfangs schöpferisch auf Mönchgut verbrachte, war ab 1930 die Insel Hiddensee das bevorzugte Reiseziel.

Schuld daran war gewiss Elisabeth Büchsel.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der nunmehr über fünfzigjährige Kliefert eingezogen. Nach kurzer russischer Kriegsgefangenschaft kehrte er in schlechter gesundheitlicher Verfassung am 1.

September 1945 nach Stralsund zurück. Da das gesamte Schulwesen neu organisiert wurde, durfte er zunächst nicht als Lehrer arbeiten. Anfangs zeichnete er Porträts russischer Besatzer. Später war er froh, in einer Firma zu arbeiten, die künstlerische Spielsachen herstellte. Bald darauf konnte er als Kunsterzieher an der Volkskunstschule Stralsund arbeiten.

Die Gründung des Mecklenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege eröffnete Kliefert 1946 ein neues Aufgabengebiet. Dank seiner Ausbildung als Glasmaler und Bleiverglaser war er insbesondere für die Wiederherstellung von Fenstern in mittelalterlichen Sakral- und Profanbauten zuständig. Aber auch die Restaurierung von Gemälden oblag ihm. So arbeitete er an der Wiederherstellung der romanischen Chorfenster in Neukloster, an den kunsthistorisch bedeutenden bleiverglasten Fenstern der Wallfahrtskirche von Kenz sowie an den Hackertschen Wandtapeten im Herrenhaus Boldevitz auf der Insel Rügen.

In der Ausstellung „Deutsche Landschaft“ der Staatlichen Galerie Moritzburg war Erich Kliefert 1956 neben so bedeutenden deutschen Künstlern wie Otto Nagel, Otto Niemeyer-Holstein und seinem Studien- und Jugendfreund Herbert Tucholsky vertreten.

Mit einem Wunsch nach einem Altarbild für die Vitter Kirche trat der Altenkirchener Pfarrer Walter Wendland Ende der 1960er-Jahre an Erich Kliefert heran. Bereits 165 Jahre zuvor hatte sich sein legendärer Amtsvorgänger Ludwig Gotthard Kosegarten ebenfalls mit einer solchen Bitte für die von ihm damals geplante Vitter Kapelle an Caspar David Friedrich und an Philipp Otto Runge gewandt.

Runge, der den Auftrag annahm, arbeitete in den Jahren 1805/06 an dem Werk „Petrus auf dem Meer“. Finanzielle Gründe führten zum vorzeitigen Abbruch der Arbeit. Das unvollendete Ölgemälde gelangte 1872 über Runges Frau Pauline als Geschenk in staatlichen Besitz. Nun bat Pfarrer Wendland Erich Kliefert um eine Kopie des Gemäldes. Dieser fuhr nach Hamburg, um in der dortigen Kunsthalle Skizzen nach dem Original zu zeichnen, und fertigte zwei Kopien. Eine befindet sich in der Vitter Kapelle, die andere im Altenkirchener Gotteshaus.

Mit 89 Jahren stieg Kliefert nochmals auf die Rüstung, um sein Fresko in der Stralsunder Bahnhofshalle zu restaurieren. In diesem Zusammenhang übermalte er die ihm altmodisch erscheinenden Spruchbänder. Ansonsten aber malte er entspannter denn je, reiste nach Hiddensee und zu den Kindern nach Berlin.

Am 30. Januar 1994 verstarb Erich Kliefert in seiner ihm seit nunmehr 72 Jahren zur Heimat gewordenen Stadt Stralsund.

„Ein jeder Maler empfindet es wohl als eine besonders schöne Aufgabe, Wände bemalen zu dürfen. Es ist das Gefühl, mit dieser Arbeit nicht bewegliche Ware zu schaffen, sondern Bildwerk, das, verbunden mit der Mauer, die Arbeit des Baumeisters weiter- entwickelt.“Erich Kliefert am 24. April 1936 in einem Artikel der „Pommerschen Zeitung“

Ingo Gudusch

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