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Stralsund Warum wohnt hier keiner?
Vorpommern Stralsund Warum wohnt hier keiner?
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00:05 20.10.2017
Nachher: So sieht es heute an der gleichen Stelle in der Mühlenstraße aus.

Eine der bekanntesten Prestige-Immobilien in Stralsund steht zu großen Teilen leer. Auf etlichen Klingelschildern der Wohnungen am Kütertor herrscht seit Monaten gähnende Leere. Die Frage, warum ein mithilfe von Fördermitteln errichtetes Gebäude in bester Lage so vor sich hin dämmert, hat auch schon den städtischen Bauausschuss beschäftigt. Antworten gab es jedoch nicht – das sei Sache des Eigentümers, hieß es dazu aus der Verwaltung.

Der Komplex am Stralsunder Kütertor sollte eigentlich ein Vorbild für Stadtentwicklung werden. Doch erst wurde er lange nicht fertig, und nun stehen etliche Wohnungen leer.

Die OZ hat sich deshalb mit Oliver Görner getroffen. Der 47-Jährige ist Immobilienverwalter im Auftrag des Petruswerkes, das Teil der Berliner Avila-Gruppe ist. Dem Konzern gehört das Areal am Kütertor. Wir stehen in der obersten Wohnung im Wasserturm des Komplexes, von wo man einen weiten Ausblick auf den Knieperteich hat.

Oliver Görner bestätigt, dass derzeit lediglich zwölf der 24 Wohnungen vermietet sind. Ein Grund dafür seien technische Probleme, die dazu geführt hätten, das erst im Januar die erste Wohnung bauordnungsrechtlich freigegeben werden konnte. Die Appartements im Wasserturm gehen sogar erst jetzt in die Vermietung.

Ein weiteres Hindernis ist der Preis, der für Stralsunder Verhältnisse vergleichsweise hoch ist. Elf bis zwölf Euro kostet hier der Quadratmeter – kalt, wohlgemerkt. Vorher wollte der Eigentümer sogar 13 Euro haben, ist aber runtergegangen, als die Nachfrage sich in Grenzen hielt. Zum Vergleich: Der offizielle Mietspiegel der Hansestadt aus dem Jahr 2013 verzeichnet für eine top ausgestattete Wohnung in bester Lage einen Preis von durchschnittlich 8,17 Euro pro Quadratmeter. Sind die Preise also zu hoch, Herr Görner? „Wir sind überzeugt, dass es dennoch eine Zielgruppe für die Wohnungen gibt. Beamte, Lehrer, Ärzte – die Mittelschicht“, antwortet er. Niedriger könne man den Preis aufgrund der hohen Investitionskosten nicht ansetzen, sagt Görner.

Knapp 7,5 Millionen Euro hat sich die Avila-Gruppe das Projekt „Kütertor“kosten lassen. Ein Teil der Summe stammt aus öffentlichen Fördertöpfen. Wie viel genau, das sagt die Stralsunder Stadtverwaltung nicht – aus datenschutzrechtlichen Gründen, wie es auf Anfrage heißt. Das Ziel, die nachhaltige Sanierung der Außenhülle, sei aber erreicht worden. Die Baustelle war oft Gesprächsthema in der Stadt. Insbesondere als ein Jahr lang dort gar nichts passierte und Zweifel aufkamen, ob das Objekt jemals fertig wird.

Einen Plan hat Oliver Görner allerdings: Er will jetzt Werbung in alle Richtungen machen. „Bis zum ersten Quartal 2018 ist das Haus voll“, sagt er.

Wohnungen mitten in der Geschichte Stralsunds

Das Kütertor ist der südliche Abschluss der ehemaligen Jugendherberge. Das Areal gehörte im Mittelalter nach der Verleihung der Stadtrechte 1234 zu den ersten Grundstücken, die sich mit städtischer Bebauung auffüllten. Es wurde, ebenso wie das direkt nach Norden anschließende sogenannte Mauerhaus nach der Entfestung der Hansestadt im 19. Jahrhundert zu Wohnzwecken umgenutzt.

Die Wasserkunst stellt ein bedeutendes Zeugnis der technischen Entwicklung in der frühen Neuzeit ab 1600 dar. Das Gebäude diente der Wasserversorgung der Stadt und lag vor der Stadtmauer, aber hinter der barocken Wallanlage der Küterbastion. Mittels Pumpwerk und Speicher wurde der Höhensprung von etwa fünf bis sechs Metern vom Knieperteich zum Zentrum überwunden.

QUELLE: PETRUSWERK

Alexander Müller

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