Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Stralsund Was sagen junge Muttis zu den Kosten?
Vorpommern Stralsund Was sagen junge Muttis zu den Kosten?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 03.04.2014
2056 Kinder in ganz Vorpommern-Rügen werden in der Krippe betreut — so wie hier die Kleinen in der neuen Kita Zwergenhaus an der Karl-MarxStraße, die gerade die Affenschaukel in Beschlag genommen haben. Quelle: Wenke Büssow-Krämer

Im 447 Seiten umfassenden Haushaltsplan des Kreises schockt ein Fakt aus dem Jugendbereich besonders: 60 Prozent der Eltern können sich den Kita-Platz gar nicht oder nur zum Teil leisten. 2731 Lütte unter drei Jahren und 6588 Vorschulkinder sind davon betroffen. Für sie springt der Landkreis ein — und zahlt sechs Millionen Euro.

„Diese Dimension muss man sich mal vor Augen führen. Das heißt ja, zwei Drittel der Mütter und Väter verdienen so wenig, dass sie die Kosten nicht allein tragen können. Das ist doch Wahnsinn“, sagt Frank Hunger, Chef des Kreisdiakonischen Werkes, während der Etat-Diskussion im Jugendhilfeausschuss.

Amtsleiterin Dörte Heinrich, die den Zahlenwälzer für den Teilhaushalt Jugend in einer Präsentation für Otto Normalverbraucher „übersetzte“, unterstreicht die Dramatik der Situation mit der Information, dass allein für 5250 Betroffene der volle Elternbeitrag aus der Kreiskasse gezahlt werden müsse.

Und so ist es nicht verwunderlich, dass die 160 Kindertagesstätten und 212 Tagespflegestellen im Kreis mit 10,6 Millionen Euro zu den größten Zuschussgeschäften zählen. Hier werden von Sassnitz bis Saal 13 143 Mädchen und Jungen betreut. Im Vorjahr waren es 144 Kitas, für die 9,9 Millionen ausgegeben wurden. Zwar gibt das Land für pädagogische Mittel bis zur Verpflegung 24,6 Millionen Euro dazu, den stolzen Rest hat Vorpommern-Rügen zu schultern.

Für die viel diskutierte Jugend- und Schulsozialarbeit gibt Vorpommern-Rügen 1,18 Millionen aus, das sind 846 000 mehr als 2013. Ein Grund dafür: Aus Brüssel fließt knapp eine Million weniger.

Erschreckend hoch sind auch die Ausgaben im Bereich Hilfen zur Erziehung. Da schlägt die Familienförderung mit 486 000 Euro zu Buche (Vorjahr 412 000). Für Erziehungsbeistand, Schulwerkstatt und pädagogische Familienhilfe muss der Kreis 14,9 Millionen Euro auf den Tisch legen, das sind 800 000 Euro mehr als im letzten Jahr. Allein die Heimunterbringung von 205 Kindern und die Vollzeitpflege in 264 Fällen verschlingen 7,7 Millionen.

Dagegen steht der Bereich der freiwilligen Ausgaben wie ein Zwerg. Und doch sind alle Engagierten dieses Fachs froh, dass hier im Zuge der Haushaltskonsolidierung keine Null steht. So gibt der Kreis in diesem Jahr für Projekte in der Kinder- und Jugendarbeit samt Personal- und Sachkosten rund 278 000 Euro zu 154 000 Euro Landesmitteln dazu. Allerdings übersteigt das Volumen der eingereichten 134 Anträge mit 442 000 Euro schon jetzt den Etat-Ansatz. Darüber wird im nächsten Jugendhilfeausschuss noch zu reden sein, betont Jugendplanerin Antje Post.

Betrachtet man alle Positionen des Jugendamtes, so summiert sich der erforderliche Zuschuss auf 33 Millionen Euro für die gesamte Kinder- und Jugendarbeit. „Wir sind froh, dass wir alle Projekte von 2013 fortführen können. Die Förderungen sind gleich. Das ist angesichts des Millionen-Defizits im Kreishaushalt eine gute Nachricht für uns“, sagt Ausschussvorsitzende Kathrin Meyer (CDU).

„Wenn man sich die Zahlen anguckt, sieht man, dass wir eigentlich nur für ein Prozent der Ausgaben Spielraum haben. Das ist erschreckend wenig“, findet Niklas Rickmann von der SPD und ergänzt: „Es kann nicht sein, dass wegen der Abwanderung junger Leute die Schlüsselzuweisungen des Landes sinken, aber das viele Geld für Problemfälle vom Kreis allein bezahlt werden muss. Wir brauchen mehr Zuschüsse vom Land.“

Frank Hunger spricht ebenfalls vielen in der Jugendarbeit Engagierten aus dem Herzen: „Bei dieser Entwicklung kriegt man doch Angst. Aber wir als Kommunen und Kreis können doch nicht alle gesellschaftlichen Probleme lösen. Da sind ganz andere gefordert. Und ich frage mich wie im letzten Jahr besorgt, wo bleibt denn die Prävention..“

Bis auf die Enthaltungen der Linken stimmte der Jugendhilfeausschuss seinem fachspezifischen Haushaltsentwurf zu.

Aus dem Haushaltsplan des Jugendamtes

2056 Kinder in Vorpommern-Rügen werden in der Krippe, 6029 im Kindergarten, 4702 im Hort und 723 in der Tagespflege betreut. Insgesamt gibt es 160 Kitas und 212Tagespflegeplätze.
Für 199 Kinder ist der Landkreis „Mama und Papa“, sprich: Er hat die Vormundschaft.
315 000 Euro gibt der Kreis für diejenigen aus, die ihren Unterhaltsverpflichtungen nicht nachkommen. Dahinter stehen 612 Fälle, die jeder der acht Mitarbeiter dieser Jugendamtsabteilung bearbeitet. Das heißt, 4896 Personen zahlen keinen Unterhalt.
Für junge Volljährige, die nicht allein zurecht kommen, muss der Kreis nach Abzug der Einnahmen rund 2,5 Millionen Euro ausgeben. Hier stehen 164 Fälle in der Statistik.
430 000 Euro werden in diesem Jahr für den Kinderschutz vorgehalten. So stehen für 22 Bereitschaftspflegestellen 118 000 Euro zur Verfügung. Die 14 Plätze für eine sofortige Inobhutnahme, wenn Kinder in Gefahr sind, plant der Kreis mit 250 000 Euro.
181 000 Euro sind für die Jugendgerichtshilfe geplant. Derzeit betreut das Jugendamt zehn Fälle.
94,7 Personalstellen mit 105 Beschäftigten hat das Jugendamt. 2013 hatte der Bereich acht unbesetzte Stellen, auch durch krankheitsbedingten Ausfall. „Sechs sind besetzt, der Rest folgt, damit wir den Rückstau abarbeiten können“, so Fachbereichsleiterin Carmen Schröter. is
Bis 350 Euro im Monat für Krippenkind
Ein Ganztags-Krippenplatz in Stralsund kostet im Monat zwischen 800 und 882 Euro. Für den Kindergarten stehen durchschnittlich 428 Euro zu Buche, für den Hort sind es bis zu 267 Euro pro Platz.
Hinter dieser Summe stehen Personalkosten ebenso wie Mittel für Miete, Nebenkosten, Spielzeug, Kinderstühle. Und weil die für jede Einrichtung und jeden Kita-Träger speziell sind (auch abhängig vom gezahlten Tarif für die Mitarbeiter), gibt es schließlich unterschiedliche Platzkosten.
Allerdings kommen die Eltern nicht allein für diese Summe auf. Etwa ein Drittel der Gesamtplatzkosten überweisen sie an den Träger der Kita, denn Land und Wohnsitzgemeinde geben jeweils auch ein Drittel dazu. So legen die Eltern für die Krippe im Kreis-Durchschnitt 250 Euro hin, wobei in Stralsund bis zu 350 Euro fällig sind, für den Kindergarten sind rund 150, für den Hort um die 90
Euro zu berappen. Natürlich nehmen viele Eltern einen Teilzeit- oder Halbtagsplatz in Anspruch und zahlen entsprechend weniger. Hierzu geben die Träger gern Auskunft.
Zwei Drittel der Eltern bekommen den Beitrag gestützt und ganz bezahlt: Das Spektrum der Unterstützten reicht dabei von Hartz-IV-Familien bis hin zu Studenten, Alleinerziehenden oder Geringverdienern. is



Ines Sommer

Zwei im letzten Herbst in Velgast gestohlene Bänke werden jetzt durch die Gemeindearbeiter wieder ersetzt.

03.04.2014

Auch Velgast muss einen Wohnblock dem Erdboden gleichmachen. Grund ist der zunehmende Leerstand.

03.04.2014

Auf den Werften und in den Bootshallen herrscht Hochbetrieb. Dank der milden Temperaturen haben es die Segler eilig, mit ihren Schiffen ins Wasser zu kommen.

03.04.2014
Anzeige