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Stralsund Wenn der Sohn der Chef ist

Juwelier Thomas Schulz legt das Familienunternehmen in junge Hände und sichert damit die Zukunft des Geschäftes

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Manchmal greift der Goldschmied auch zum Hammer: In diesem Fall zu einem Ziselierhammer zur Schmuckbearbeitung. Marcus (r.) und Thomas Schulz in ihrer Werkstatt in der Mühlenstraße. FOTOS (3): MARLIES WALTHER

Stralsund. Ein Schulz ist immer da. Lachend erzählt Goldschmiedemeister Thomas Schulz, dass Kunden manchmal schon etwas verdutzt auf den Mann hinter dem Ladentisch schauen: Der Ältere war gestern doch noch jünger. Heute sieht der Jüngere aber älter aus...

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Juwelier Thomas Schulz legt das Familienunternehmen in junge Hände und sichert damit die Zukunft des Geschäftes

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Seit Januar 2015 ist der Sohn der Chef. Thomas Schulz hat sein Familienunternehmen, zu dem ein zweiter Laden gehört, in die Hände von Marcus gegeben. „Das war genau die richtige Entscheidung. Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen an Erfahrungen und neuen Ideen“, meint der 55-Jährige. „Ich bin jetzt der Angestellte“, sagt Thomas Schulz, der im Stadtparlament sitzt (Bürger für Stralsund) und Vize-Bürgerschaftspräsident ist.

Der Juwelier hatte sich mit der Wende selbstständig gemacht und sein Geschäft 1993 in dem traditionsreichen Stralsunder Giebelhaus in der Mühlenstraße 8 eröffnet. Gekauft hat es der Hansestädter von der Stadterneuerungsgesellschaft (SES), die das Gebäude zuvor sanierte hatte. Für Sohn Marcus stand schon ziemlich früh fest, dass er genau das machen möchte, was, sein Vater tut. „Bereits nach einem Praktikum in einer anderen Goldschmiede wusste ich, das ist es“, erzählt der 32-Jährige. Weil es einfach ein „faszinierendes, schönes, traditionsreiches Handwerk“ ist, wie er findet, während er eines der Unikate aus dem Glasschrank holt. Das filigrane, kleinteilige Arbeiten gefalle ihm, sagt Marcus Schulz. Einen besonderen Namen machte sich die Goldschmiede mit Stralsund-Schmuck in allen Variationen . „Man muss viel Geduld haben. Aber auch ein gewisses Talent“, findet der Junior-Chef. Da habe ihm der Vater wohl eine gehörige Portion vererbt. „Und man sollte seinen Beruf lieben. Sonst wird das nichts“, ist Marcus Schulz überzeugt. Das Beste aber: „Das Ergebnis unserer Arbeit ist hundertprozentig selbst gemacht.“

Gelernt hat er bei seinem Vater. Seinen Meister als Gold- und Silberschmied machte der Stralsunder in der Goldstadt Pforzheim. Das Meisterstück war eine Brille aus Silber mit Bügeln aus Holz.

Anschließend ist er nach Hamburg gegangen und war Werkstattleiter bei dem namhaften Juwelier Dwenger. „Aber auf lange Sicht stand fest, dass ich wieder in die Heimat zurückkehren wollte.“

Da hat die junge Familie genau den richtigen Zeitpunkt gewählt. Marcus Schulz wurde Vater. Die kleine Anna ist inzwischen 16 Monate alt. „So kann sie hier gleich in die Kita gehen und muss sich nicht erst umgewöhnen.“ Auch seine Frau wird künftig im Geschäft mitarbeiten. So wie seine Mutter, die den zweiten Laden in er Stadt führt. „Das ganze Umfeld passt“, freut sich der junge Unternehmer über den gelungenen Neustart.

Der wird nun noch mit einem Neubau untermauert. Auf dem Hof zwischen Mühlen- und Schillstraße entsteht ein Wohnhaus. Dort wird die junge Familie einziehen. Eine weitere Wohnung soll vermietet werden.

Der Weg zur Enkelin ist für Oma und Opa Schulz, die über dem Geschäft in der Mühlenstraße wohnen, nicht weit. Von der Werkstatt aus schauen Schulz und Schulz auf das neue Haus, das auf historischem Grund wächst. Und das kann sie wirklich freuen.

Wo Bäcker, Schneider, Tagelöhner und ein Korbmacher wohnten

Das dreigeschossige Giebelhaus Mühlenstraße 8, das noch einen Kern aus dem 14. Jahrhundert besitzt, wurde laut Denkmalliste im 17. und 19. Jahrhundert erneuert. Erste schriftliche Nachrichten gibt es im 18. Jahrhundert, wie der Historiker Dr. Andreas Neumerkel berichtet.

1706 wird das Haus in der schwedischen Matrikel detailreich beschrieben: „Die unterste Wohnung. Hat vorn nach der Straßen an der Ostseyten eine kleine helle Stube mit einem schwartzen Kachelofen, dahinter eine kleine mit Brettern abgeschaurte Küche, und eine mittelmäßige Diele...“ Schneider und Kaufleute wohnten dort.

Ab 1883 befand sich in dem Haus eine Bäckerei, die Bäckermeister Rudolf Sandhop eröffnet hatte. Gebacken wurde in einem Anbau am hinteren Giebel. Zwei Jahre später übernahm Bäckermeister August Wilhelm Carl Hartwig das Geschäft. Er ließ ein neues Backhaus errichten, das bis an die Schillstraße heranreichte und 1916 fertig wurde, wie August Hartwig junior vermeldete. Sein Sohn Karl-Heinz führte die Bäckerei schließlich weiter bis zum Ende der 1960er Jahre.

Das Backhaus wurde zusammen mit dem Gebäude Schillstraße 4 im Jahr 1975 abgerissen.

In dem sehr kleinen Haus Schillstraße 4, das um 1700 zwei Geschosse hatte, wohnten arme Handwerker und Tagelöhner. 1775 hatte der Korbmacher Jakob Weiermann die „Hütte“ erworben.

Zimmermann Schoodt zahlte 1862 für das Gebäude 735 Taler.

Marlies Walther

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