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Stralsund Wer kauft den Rügendammbahnhof?
Vorpommern Stralsund Wer kauft den Rügendammbahnhof?
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00:05 11.05.2018
Das alte Bahnhofsgebäude am Rügendamm sucht einen neuen Besitzer. FOTOS (2): MARLIES WALTHER
Stralsund

Der Stralsunder Rügendammbahnhof sucht einen neuen Besitzer. „Kauf mich“ – steht auf Werbeplakaten eines Immobilienbüros von der Insel Rügen, die an dem denkmalgeschützten Gebäude aus dem Jahr 1937 angebracht sind. Für 325000 Euro ist der Bahnhof zu haben. Die Gesamtfläche beträgt 1754 Quadratmeter.

Die denkmalgeschützte Immobilie aus dem Jahr 1937 wird für einen Preis von 325 000 Euro angeboten

Bereits im Jahr 2015 hatte die Deutsche Bahn den Komplex an einen Privatbesitzer verkauft. Damit gingen laut Gisbert Gahler vom Regionalbüro Kommunikation der Bahn aus Berlin auch alle „Rechte und Pflichten“ an den Käufer über. Sprich – für die Reisenden änderte sich nichts. Die können weiter auf dem Bahnsteig des Haltepunktes ein- und aussteigen und durch einen kahlen Gang das Gebäude verlassen. Dort stellt einzig ein Schaukasten die Verbindung zur Deutschen Bahn her.

Die Bahn selbst hatte das Gebäude, in dem sich früher eine Schalterhalle und mehrere Wohnungen befanden und außerdem Büros untergebracht waren, bereits seit 2006 nicht mehr für ihre Zwecke genutzt und lange vergeblich versucht, die Immobilie abzustoßen. Bei dem Käufer, der sich dann endlich gefunden hatte, soll es sich nach OZ-Informationen um einen türkischen Investor gehandelt haben, der aber aus der Region stammt. Das Gebäude steht seitdem jedoch weiter leer und rottete mehr denn je vor sich hin.

Mehrere Brände hatten dem maroden Haus in der Zwischenzeit arg zugesetzt. Das schwerste Feuer hatte sich im Jahr 2014 ereignet, als ein Teil des Daches in Flammen aufgegangen war. Dadurch wurde der halbe Dachstuhl zerstört und die Decke des darunter liegenden Geschosses beschädigt. Der Sachschaden wurde damals von der Polizei mit rund 250000 Euro angegeben. Wie durch ein Wunder wurde die Familie, die zu der Zeit noch in einer der Wohnungen lebte, nicht verletzt. Im Jahr 2016 waren die letzten Mieter dann schließlich ausgezogen.

Das Dach wurde notdürftig geflickt. Die Türen sind vergittert, die Fenster vernagelt, das Mauerwerk bröckelt. Der verwahrloste Anblick am Tor zur Insel Rügen ist allerdings seit Jahren immer wieder Anstoß zu Diskussionen und Nachfragen – auch in der Bürgerschaft.

Bereits vor einem Jahr hat die Stadt den Eigentümer aufgefordert, die Sanierung der Immobilie nach dem letzten Brand durchführen zu lassen, um weiteren Schaden von dem Haus abzuwenden.

Damals hatte die Stralsunder Stadtverwaltung festgestellt, dass von dem Gebäude keine Gefahr ausgehe. Es sei augenscheinlich ungenutzt, verschlossen, aber gesichert. Daran habe sich bis heute nichts geändert, hieß es am Mittwoch aus der Stadtverwaltung. Wenn es einen Kaufinteressenten gebe und ein entsprechender Kaufantrag gestellt wird, dann müssten zunächst alle bauplanungs- und denkmalrechtlichen Belange geprüft werden. Davon hänge dann auch letztendlich die mögliche weitere Nutzung des historischen Bahnhofsgebäudes ab.

Chronist schwärmt im Jahr 1937 von Glanz und Behaglichkeit

Fertiggestellt und übergeben wurde der Bahnhof als eines der letzten größeren Bauwerke im Zuge der Rügendammarbeiten im Jahr 1937. Die Eröffnung fand ein breites Presse-Echo, so berichteten das „Stralsunder Tageblatt“ und die „Pommersche Zeitung“. Dort war unter anderem zu lesen, dass die Bahn „mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bemüht ist, den Dienst am Reisenden auszuüben“.

Die Architektur wurde hochgelobt. So ist von klaren schlichten Formen die Rede. „Eisenschmelzerklinker“ würden dem Bau einen „gewissen Glanz“ verleihen, ohne aufdringlich zu wirken. Der Gemeinschaftsraum war „in braungetöntem deutschen Limba-Holz gehalten“, erfuhren die Leser. Besonders hatte es dem Zeitchronisten die „behagliche Bahnhofsgaststätte“ samt Veranda angetan, „die mit Blumen und lebenden Bäumen geschmückt auch den Spaziergänger und Autofahrer zum Verweilen einladet“. Außerdem gab es ein „altdeutsches Weinzimmer“ im flämischen Stil.

Marlies Walther

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