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„Werftarbeiter sollten einen Plan B in der Tasche haben“

Stralsund „Werftarbeiter sollten einen Plan B in der Tasche haben“

Arbeitsagentur-Chef: Die Belegschaft muss sich auf alle Eventualitäten vorbereiten.

Stralsund. „Die Nachricht, dass es Interessenten für die insolvente Volkswerft gibt und jetzt ein Bieterverfahren läuft, freut alle Stralsunder und natürlich auch die Agentur für Arbeit“, meint Gunther Gerner. Der operative Geschäftsführer empfiehlt trotzdem allen Kollegen, einen Plan B in der Tasche zu haben. Denn dass unter einem neuen Eigentümer wieder 1200 Männer und Frauen Beschäftigung finden, sei wohl kaum zu erwarten.

Weil Ende Oktober die Zeit der Transfergesellschaft endgültig vorbei ist, mussten sich ab Anfang August alle Kollegen schon einmal bei der Agentur arbeitssuchend melden. Da der Ansturm von 1200 Leuten nicht mit einem Schlag bewältigt werden konnte, wurde ein Team mit fünf Mitarbeitern gebildet, die extra für die Gespräche mit den Werftarbeitern zuständig sind. Das werde sich wohl alles bis Mitte Oktober hinziehen. „Wir hoffen natürlich, dass so viele wie möglich wieder auf der Werft arbeiten können“, sagt Gerner.

Er konnte gestern für den Agenturbezirk eine erfreuliche Entwicklung verkünden. Die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis Vorpommern-Rügen sei im August zwar nur um 236 auf 12 404 Männer und Frauen gesunken, das „bescherte uns aber mit 10,8 Prozent noch einmal die niedrigste Arbeitslosenquote seit der Wiedervereinigung“, erklärte er. Ohne arbeitsmarktpolitische Instrumente, wie Weiterbildung oder Ein-Euro-Jobs, läge die Quote bei 14,5 Prozent. Gern hätte Gerner zum ersten Mal einen einstelligen Wert für den Bezirk vermeldet, aber da hoffe man dann auf das nächste Jahr.

In der Hansestadt Stralsund werden aktuell 3987 Jobsuchende registriert, sieben weniger als im Juli. Damit sank die Arbeitslosenquote auf 14,1 Prozent. Nachbar Greifswald vermeldet dagegen 12,3 Prozent. Immerhin verringerte sich die Differenz zwischen den beiden Städten im Vergleich zum Sommer vergangenen Jahres von 2,9 auf 1,8 Prozent.

Wie der Agenturchef weiter mitteilte, gibt es in der Region derzeit 1051 offene Stellen — die meisten in den Bereichen kaufmännische Dienstleistungen, Handel und Tourismus (270), Produktion und Fertigung (215), Gesundheit und Soziales (171) sowie Bauwesen und Architektur (116). Das Missverhältnis zwischen Arbeitslosen und Jobangeboten ist im Bereich Land- und Forstwirtschaft sowie Gartenbau am größten. Dort stehen den 874 Männern und Frauen ohne Beschäftigung nur 23 Stellen gegenüber.

744 Lehrstellen unbesetzt
Kurz vor dem Start ins neue Ausbildungsjahr sind noch 744 Lehrstellen unbesetzt. Allerdings waren nur 213 Jugendliche noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Grund für das Missverhältnis ist die demografische Entwicklung.

Die Arbeitsagentur empfiehlt Unternehmen als Alternative, auf die vielen gut ausgebildeten Arbeitslosen zurückzugreifen.

 

Andreas Lindenberg

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