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Wie sicher ist Rügens Küste?

Sassnitz Wie sicher ist Rügens Küste?

Nach dem Absturz wird diskutiert, wie Unfälle verhindert werden könnten

Sassnitz. Nach dem tödlichen Unglück am Sonnabend, bei dem eine 20-Jährige Hamburgerin von den Kreidefelsen rund 60 Meter in die Tiefe stürzte, herrscht auf Rügen große Betroffenheit sowohl bei Einheimischen als auch bei Gästen. Klaus Franke aus Berlin ging am Sonntagvormittag mit seiner Frau den Hochuferweg entlang. Er kam auch an der Stelle vorbei, wo die 20-Jährige vermutlich ums Leben kam. Sie war nicht auf den Wegen geblieben, sondern bis an die Kliffkante vorgelaufen. „Es ist unglaublich,was sich gestern hier zugetragen haben muss. Vor allem für die Hinterbliebenen ist es ein schwerer Schock“, sagt der Senior aus der Bundeshauptstadt, der nun noch vorsichtiger an der Steilküste entlangwandern will.

In die Trauer über den tragischen Unfall mischt sich aber auch Ratlosigkeit und Frustration. Immer wieder verlassen Wanderer die ausgewiesenen Wege, ignorieren aufgestellte Gefahrenschilder. „Wir haben im Nationalpark rund zehn Kilometer Küste, acht davon Steilküste. Wir können diesen Bereich unmöglich durch Zäune oder Ähnliches sichern“, sagt Ingolf Stodian vom Nationalpark Jasmund. An der Ernst-Moritz-Arndt-Sicht mit der spektakulären Buche ist die Situation besonders augenfällig. Hier führen ausgetretene Trampelpfade direkt an die Kliffkante – unmittelbar an den aufgestellten Warnschildern vorbei. „Wir haben bereits versucht, solche Trampelpfade mit Totholz zu blockieren oder hölzerne Absperrungen zu installieren“, berichtet Stodian und ergänzt frustriert: „Das Totholz wird weggeräumt und die Absperrung wird umgangen.“ Nationalpark-Ranger Harald Thomas war am Sonntag mit einer dreiköpfigen Wandergruppe vom Sassnitzer Wedding aus zu den Wissower Klinken gestartet.

„Ich mache die Teilnehmer immer darauf aufmerksam, dass die Randbereiche unterhöhlt sind und das Betreten viele Gefahren mit sich bringt“, sagt der Mitarbeiter der Nationalparkwacht. „So schön wie die Kreideküste auch ist, jeder sollte sich im Klaren darüber sein, dass es sich um ein aktives Kliff handelt“, meint der Mitarbeiter des Nationalparkamtes.

Auch bei der Tourismuszentrale Rügen (TZR) setzt man auf Information der Gäste über das richtige Verhalten an der Steilküste. „Wir haben Hinweise, die vor dem Betreten der Steilküsten warnen in alle unsere Apps eingebaut“, erläutert Kai Gardeja, Geschäftsführer der TZR. „Auch in unseren Publikationen, beispielsweise zu den Wanderangeboten wird immer zur Vorsicht gemahnt.“ Kai Gardeja will sich in der kommenden Woche noch einmal mit dem Nationalparkamt zusammensetzen und über eine mögliche Verbesserung der Sicherungen sprechen. Aber eine hundertprozentige Sicherheit für diesen Naturraum gebe es einfach nicht, meint auch Gardeja.

Das findet auch der Landtagsabgeordnete Wolfgang Weiß (Die Linke), der bis 2016 am Lehrstuhl für Regionale Geographie der Universität Greifswald tätig war. „Wir können nicht alles regeln und sichern.

Natur ist Natur und soll es auch bleiben. Deshalb ist das Gebiet ja auch ein Nationalpark“, sagt er. „Wenn dort ein großes Schild vor den Gefahren warnt, muss das auch mal ausreichen.“ Eine Sicherung durch Zäune findet er unsinnig. „Auch wenn man die Küste absperren würde, heißt das noch lange nicht, dass der Zaun in drei Monaten noch da ist. Wir haben durchschnittliche Küstenabbrüche von bis zu drei Metern im Jahr“, so Weiß.

„Es ist ein trauriger Anlass. Aber ich hoffe sehr, dass die Menschen durch diesen schrecklichen Unfall ein Stück weit sensibilisiert werden für die Gefahren der Steilküste“, so Stodian.

Anne Ziebarth und Christian Niemann

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