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Stralsund Wie viel Platz ist fürs Kreiseln vor der Schleusenbrücke nötig?
Vorpommern Stralsund Wie viel Platz ist fürs Kreiseln vor der Schleusenbrücke nötig?
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07:26 23.06.2016
Bis zu 14500 Fahrzeuge am Tag müssen hier in Spitzenzeiten durch – ob mit Ampel oder im Kreisverkehr. Quelle: Alexander Müller

Rote Striche auf dem Asphalt machten deutlich: Auf der großen Kreuzung Tribseer Damm/Carl-Heydemann-Ring ist nicht viel Platz für einen Kreisverkehr. Mitglieder des Bauausschusses der Bürgerschaft gingen am Dienstagnachmittag vor Ort der Frage nach: moderne Kreuzung oder Kreisverkehr? Stephan Bogusch, Abteilungsleiter Straßen und Stadtgrün der Stadtverwaltung, hatte mit den roten Strichen versucht, die Platzverhältnisse zu visualisieren.

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Bauausschuss der Bürgerschaft informierte sich vor Ort über die räumliche Situation

Hintergrund des Vor-Ort-Termins: Die Hansestadt will den Tribseer Damm ab 2017 von den Bahnschranken bis einschließlich der Kreuzung am Carl-HeydemannRing sanieren. Das Land hat für das Vorhaben bereits 2,2 Millionen Euro Fördermittel in Aussicht gestellt. Allerdings favorisiert die Stadt die Modernisierung der Ampelkreuzung, während die Bürgerschaft auf ihren Beschluss verweist, der besagt, dass bei der Neugestaltung von Kreuzungen in der Stadt immer zuerst die Errichtung eines Kreisverkehrs zu prüfen ist.

Stephan Bogusch hatte bei der Diskussion im Bauausschuss bereits auf Gutachten von Ingenieurbüros verwiesen, die trotz des großen Kreuzungsraumes auf Platzprobleme für einen Kreisverkehr verwiesen.

Ferner war das erhöhte Fußgängeraufkommen, etwa durch die Arbeitsagentur, angesprochen worden. Nötige Querungshilfen wie Zebrastreifen würden zudem die Durchlassfähigkeit eines Kreisels für Autos einschränken. Für seine Visualisierung hatte Bogusch einen Kreisel von 30 Metern Durchmesser angenommen. Seine aufgesprühten roten Markierungen ließen erkennen, dass es auf der Seite Schleusenbrücke eng würde, Kreisverkehr und Radweg unterzubringen. Schräg gegenüber würde der Kreisel mit dem Erhalt des bisherigen Bypasses für Rechtsabbieger bis dicht an den Wohnblock rücken.

Deutlich wurde beim Rundgang um die Kreuzung auch, dass vor dem Kreisverkehr auf dem Tribseer Damm mehrere Fahrspuren in einer zusammengeführt werden müssen.

Für Jan Gottschling, sachkundiger Einwohner für die Fraktion Linke offene Liste, eine schwierige Situation. „Ich sehe nicht, wie das hier mit einem Kreisel funktionieren soll“, so sein Kommentar.

Thomas Haack, Bürger für Stralsund, hingegen blieb optimistisch: „Natürlich muss das Gehörte jetzt sacken. Doch ich denke, wenn nicht mit 30 Meter Durchmesser, kämen wir hier vielleicht mit einem 28 Meter-Kreisel hin.“ Thomas Lewing (CDU) verwies auf den Vorschlag seiner Fraktion, einen Kreisel an dieser Stelle testen zu lassen. „Ein Kreisverkehr ist in den Kosten einfach günstiger“, betonte er.

Stephan Bogusch will den Probekreisel noch in diesem Sommer einrichten. Für ihn wird die Zeit knapp: „Wir müssen bis Oktober eigentlich genehmigungsfähige Unterlagen beim Landesförderinstitut einreichen.“ Das Kostenargument will er jedoch nicht so stehen lassen: „Nicht die Kosten, sondern die Sicherheit an dieser verkehrsreichen Stelle muss im Mittelpunkt der Überlegungen stehen.“

Kreisel oder Ampel: Taxifahrer reden mit

Stralsund Die geplante neue Verkehrslösung am Tribseer Damm wird heiß diskutiert. Auch unter den Taxifahrern. „Man sollte doch mal die Leute fragen, die hier täglich unterwegs sind“, sagt Hartmut Heidrich, der seit 2002 mit seinem Wagen Gäste von einem Ort zum anderen bringt. Und die wollen vor allem eins: „Schnell und sicher ankommen.“ Deshalb ist Heidrich eindeutig für einen Kreisel. „Das geht einfach zügiger“, ist der gebürtige Rüganer und Wahlstralsunder überzeugt.

Sein Kollege Andreas Pannwitt, Taxifahrer seit der Wende, kann ihm da nur zustimmen. „Wenn ich was zu sagen hätte, würde ich um die ganze Innenstadt einen Kreisverkehr legen, so wie in Neubrandenburg“, geht der 62-Jährige gleich noch einen Schritt weiter. „Dann hätten wir die Verkehrsprobleme in der Innenstadt nicht“, ist der Stralsunder überzeugt. Genügend Beispiele, dass Kreisverkehre gut funktionieren, gebe es in Stralsund. Anfangs sei das auch umstritten gewesen.

Ebenso plädieren die Taxichauffeure Ingo Borchardt (53) und Eric Schöll (27) für einen Kreisel. „Weil man dann einfach schneller ist“, so Schöll. Nur Gunnar Martens (47), seit Mai 1990 im Taxi-Geschäft, verteidigt eine Ampel-Lösung. „Die muss aber vernünftig geschaltet sein“ sagt er. Nicht wie jetzt, wo in Richtung Feldstraße oft nur zwei Autos bei Grün rüberkommen würden. Martens kann den Argumenten der Stadtverwaltung folgen. Der Leiter der Abteilung Straßen und Stadtgrün, Stephan Bogusch, begründet die favorisierte Ampel zum einen mit dem fehlenden Platz. Zum anderen mit der Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern an dieser hochfrequentierten Kreuzung.

Ähnlich sieht es Dietmar Grotzky, der Leiter des Polizeihauptreviers Stralsund, der in dem Fall nicht für die Polizei, sondern als privater Autofahrer spricht. „Generell beruhigt ein Kreisverkehr vieles und ist wesentlich angenehmer als eine Ampel. In diesem speziellen Fall muss man aber sehr genau abwägen. Ob die Fläche ausreicht, kann ich nicht beurteilen“, sagt Grotzky.

Das meint auch Gebäudereiniger Michael Wolter (40). Sein Vorschlag: „Man müsste das einfach mal testen.“

600 Euro Stromkosten für eine moderne Ampel

14 500 Fahrzeuge pro Tag sind in Spitzenzeiten an der Kreuzung Tribseer Damm/Heydemann-Ring unterwegs. Zum Vergleich: Am Werftkreisel wurden Werte von 14700 und am neuen Frankenwall-Kreisel von bis zu 21000 Autos ermittelt.

2300 Euro pro Jahr kostet die Wartung einer modernen Ampelanlage, wie sie derzeit an der Kreuzung Frankenwall/Tribseer Damm/Knieperwall vor der Deutschen Bank in Betrieb ist. Für diesen Zeitraum fallen zudem noch Stromkosten von etwa 600 Euro an.

Jörg Mattern

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