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„Wie war die Frage noch mal“

Stralsund „Wie war die Frage noch mal“

Von Unfug bis Ultraschall: Acht Landtagskandidaten diskutierten beim Forum des Mittelstandsvereins.

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Die Union ganz links: Ann Christin von Allwörden (CDU), Diethard Guse (Freier Horizont), Toralf Piper (FDP), Maria Quintana-Schmidt (Linke), Heike Carstensen (SPD), Jürgen Suhr (Grüne), Detlef Lindner (Bürger für Stralsund) und weit rechts: Ralf Borschke (AfD).

Quelle: Benjamin Fischer

Stralsund. Vier bemerkenswerte Aussagen im aufziehenden Wahlkampf: Windräder machen Kopfschmerzen und führen zu einer kollektiven Depression. Esst mehr Stralsunder Hering. Am besten Physik als Pflichtfach bis zum Abitur für alle. Und die Linke versichert auch noch: Wir sind die Volkspartei, sagt sonst aber nicht viel. Derlei politischen Auswurf mussten die Gäste der Podiumsdiskussion des Stralsunder Mittelstandsvereins (SMV) zur Landtagswahl am 4. September auch aushalten.

Zwei Wahlkreise zur Landtagswahl

Stralsund ist für die Landtagswahl in zwei Wahlkreise eingeteilt worden, in denen verschiedene Direktkandidaten antreten. Zum Wahlkreis Stralsund I gehören Andershof, Knieper Nord und Knieper West. Zum Wahlkreis Stralsund II die Stadtteile: Altstadt, Franken, Grünhufe, Kniepervorstadt, Langendorfer Berg, Lüssower Berg und die Tribseer Vorstadt.

Es gab aber zugleich Lichtblicke am Donnerstagabend im Wyndham-Hotel. Erstens: Jürgen Suhr (Grüne), der die gesamte Runde nicht nur rhetorisch in die Tasche steckte – so überzeugend, dass er als einziger Zwischenapplaus für sich verbuchen konnte, der sogar von der eher konservativ geprägten Klientel unter den 50 Gästen angestimmt worden war und nicht von den zwei weiteren Grünen-Mitgliedern im Saal.

Zweitens: Die Kandidatinnen Ann Christin von Allwörden (CDU) und Heike Carstensen (SPD). Achtbar! Insbesondere dafür, dass beide, anders als Suhr, keine Landtagserfahrung haben. Drittens: Moderator Stefan Suckow. Er befragte die acht aufgereihten Landtagskandidaten frei von der Absicht, den einen oder anderen vorführen zu wollen, warf aber trotzdem nicht mit Wattebäuschchen um sich. Suckow an von Allwörden: „Wenn man Ihren Namen googelt, kriegt man nur 4000 Treffer, bei Herrn Suhr sind’s 128 000.“

Die 37-jährige Polizistin ließ sich davon wenig beeindrucken und spulte ihr Programm, in dem sie vor allem mehr innere Sicherheit fordert, gut trainiert ab. „Die Politik muss hinter der Polizei stehen.“ Ordnungshüter könnten also besten Gewissens die CDU wählen. Zumal von Allwörden inhaltlich Seite an Seite mit CDU-Landeschef Lorenz Caffier schreitet, der 555 neue Polizisten und 100 zusätzliche Staatsanwälte einstellen will, obwohl CDU und SPD in dieser Legislaturperiode eine Gerichtsstrukturreform durchgezogen haben, der zehn der 21 Gerichtsstandorte zum Opfer fallen.

Marc Quintana-Schmidt (Linke) fragte bei von Allwörden nach, ob es nicht widersinnig sei, erst die Gerichte zu schließen und hinterher mehr Staatsanwälte einzustellen. Antwort: „Mehr Staatsanwälte an einzelnen Standorten bedeuten nicht automatisch mehr Gerichtsgebäude.“ Im Fußball würde man sagen: Elfer gehalten. Die Fragerei von Marc Quintana-Schmidt offenbarte zugleich ein grundsätzliches Problem des Abends. Der im Schick der 90er-Jahre getäfelte Raum war fast nur mit Sympathisanten und Verwandten der acht Kandidaten auf dem Podium besetzt. Deshalb durfte man annehmen, dass Marc Quintana-Schmidt mit seiner versuchten Fangfrage darauf abzielte, seiner Frau Maria Quintana-Schmidt, sie saß ebenso als Kandidatin mit oben, ein Sprungbrett vor die Füße stellen zu wollen. Eines ähnlichen Frage-Antwort-Spielchens bemächtigten sich auch die Mitglieder der FDP.

Trotz der familiär organisierten Schützenhilfe blieb Maria Quintana-Schmid inhaltlich blass. Auch als Moderator Stefan Suckow sie nach einem Kernthema der Linken fragte. Danach, wie das Verhältnis zwischen Land und Kommunen in Zukunft ausgestaltet werden müsse. Erst ein „Wie war die Frage noch mal“. Pause. Dann: „Dazu kann ich nichts sagen“.

Viel mehr sagen wollte naturgemäß Diethard Guse von der Partei Freier Horizont, der bei den Menschen allein „durch den Infraschall der Windräder“ verursachte Kopfschmerzen, Herzrhythmusstörungen und Depressionen diagnostizierte. Deshalb töte die Windkraft den Tourismus gleich mit. Daraufhin versuchte Jürgen Suhr, den Guse mit seinem Manöver treffen wollte, mit aktuellen Zahlen das Gegenteil zu belegen. Woraufhin sich AfD-Politiker Ralf Borschke erhob, das Übel bei der Wurzel zu packen und Suhr so in die Parade zu fahren: „So einen Unfug kann man nur in einem Land reden, wo in der Schule Physik abgewählt werden kann.“ Trotzdem machte Borschke den umstrittenen Infraschall zum Ultraschall, ohne zu verraten, wann er Physik abgewählt habe.

Sein Hauptplädoyer galt aber dem Siechtum der maritimen Wirtschaft, was dadurch hervorgerufen sei, dass es hier in der Region zu viel ausländischen Fisch zu kaufen gebe. Lösung à la AfD: Esst mehr Stralsunder Hering.

Benjamin Fischer

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