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Wilderei in Wald, Wiesen und Feldern

Hohenwieden Wilderei in Wald, Wiesen und Feldern

Bei einer Wildkräuterwanderung auf Schatzsuche in Feld und Flur / Führung am SOS-Dorf Hohenwieden

Hohenwieden. Im Schein des Vollmonds leuchten die gefiederten Blätter des Gänsefingerkrauts silbern und ziehen magische Wesen an. Elfen tanzen unter den zarten Blättern, während Grillen auf ihren Geigen spielen. Das erzählt Naturführerin Irmgard Rösner auf ihrer Wildkräuterwanderung im SOSDorf Hohenwieden und entlockt ihren Zuhörern damit ein Schmunzeln. Dass das Gänsefingerkraut wertvolle Inhaltsstoffe besitzt, gehört dagegen nicht in den Bereich der Legenden. „Es wirkt unter anderem entzündungshemmend. Die Blätter können für einen Teeaufguss verwendet werden“, erklärt Irmgard Rösner.

Gut 20 Frauen und Männer waren nach Hohenwieden gekommen, manche mit Körbchen oder Papiertaschen ausgestattet, um gleich einige der Schätze vom Wegesrand sammeln und mitnehmen zu können. An den Wegen wächst Giersch, das jeden Gärtner zur Verzweiflung treibt. In Irmgard Rösners Wortschatz dagegen existiert das Wort „Unkraut“ nicht, für sie ist der Doldenblütler mit den länglichen gefiederten Blättern an einem dreikantigen Stängel ein geschätztes Wildgemüse. Skeptische Blicke. Dieses Zeug soll wertvoll sein?

„Und ob“, sagt die Kräuterkundlerin. Sie mache aus Giersch-Blättern beispielsweise Spinat. Im Geschmack sei dieser von Kulturspinat nicht zu unterscheiden. „Ich habe Giersch einmal einer Bekannten vorgesetzt. Sie fand ihn total lecker und glaubte die ganze Zeit, sie esse richtigen Spinat“, erzählt sie, während sie bereits die nächste Ranke aus dem Boden reißt.

Gundermann, der Lippenblütler mit den kleinen herzförmigen Blättern und den zartlila Blüten, ist Gärtnern wie der Giersch ein Dorn im Auge. Bei Irmgard Rösner aber darf er wuchern. „Die Blüten geben jedem Salat ein gewisses Extra. Und mit Schokolade sind die Blätter einfach ein Genuss“, sagt sie und schaut in ungläubige Gesichter. Grünzeug, Unkraut noch dazu, mit Schokolade? Und das soll auch noch schmecken? Tut es. Irmgard Rösner hat eine Kostprobe mitgebracht. Das „Wiesen-After- Eight“ zergeht auf der Zunge und ruft ein vielstimmiges „mmmmhh“ hervor. Dass diese Blättchen, getaucht in Schokolade, so köstlich sein können, hätte niemand geglaubt. Spätestens jetzt weicht die Skepsis bei den Kräuterwanderern und sie löchern Irmgard Rösner mit Fragen. Was kann ich mit Schafgarbe machen? Kann ich vom Löwenzahn alle Teile verwenden? Ist Holunder wirklich so gut gegen Erkältung? Himbeerblätter geben getrocknet wirklich einen schmackhaften Tee ab? Und immer wieder werden Blüten und Blätter verschiedener Pflanzen gepflückt und in die mitgebrachten Körbe und Taschen gelegt. Auf einen Salat aus Wildkräuter sind die Wanderer jetzt neugierig geworden. Martina Schulze hat einen Garten und kennt bereits einige der „Un“Kräuter. Die Knoblauchrauke aber ist auch ihr neu. Neugierig schnuppert sie an dem zarten Blatt, bevor sie es in den Mund steckt und darauf herumkaut.

„Tatsächlich, ein leichter Knobigeschmack“, sagt sie. Eine „Fahne“ soll man nach dem Genuss der Blätter übrigens nicht bekommen. Die Wirksamkeit eines anderen Krauts bekommt die 10-jährige Anna zu spüren. Einmal gestolpert und schon war die Haut aufgeschürft. Irmgard Rösner hat sofort ein Mittelchen aus der Naturapotheke parat. „Hier“, sagt sie und hält dem Mädchen ein schmales langes Blatt entgegen. „Ein wenig zwischen den Fingern zerreiben und auf die Haut legen“, weist sie an. „Es kühlt und wirkt zudem schmerzstillend.“

Herbert Wendland ist mit seiner Lebensgefährtin nach Hohenwieden gekommen und restlos begeistert. „Die Wanderung war toll. Sehr lehrreich. Es hat richtig Spaß gemacht“, sagt er und spricht den übrigen Kräuterwanderern damit aus dem Herzen. Dass bei dem einen oder anderen in Zukunft auch Wildkräuter auf den Tisch kommen, scheint gewiss, wenn die beschriebenen Notizzettel und vollen Körbe ein Indiz dafür sind.

Claudia Noatnick

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