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Stralsund Alter Marstall aufwändig saniert
Vorpommern Stralsund Alter Marstall aufwändig saniert
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08:00 29.03.2014
In den einstigen Marstall in der Mühlenstraße zog ein Restaurant ein. Quelle: Bernd Hinkeldey

Über viele Jahre lang bot der alte Marstall in der Mühlenstraße ein ziemlich marodes Bild. „Drinnen waren nur noch Holzbalken“, beschreiben die neuen Stralsunder Eigentümer den Zustand der historischen Ruine vor der Sanierung.

Seit knapp vier Wochen bereichert nun ein kleines Lokal die gastronomische Szene in der Altstadt. Wo einst Pferde untergebracht waren, finden die Gäste ein einladendes Ambiente mit Sonnenterrasse und Blick auf die Stadtmauer.

In dem sanierten Gebäude bleibt aber auch ein Stück ungewöhnliche Stadtgeschichte erhalten. Denn lange Zeit haben hier Pferde die Geschicke des Quartiers bestimmt.

Nach dem gewaltigen Stadtbrand von 1680, der eine verheerende Schneise vom Blauturm auf der Frankenseite quer durch die Stadt bis zur Mühlenstraße schlug, wurde an dieser Stelle 1690 die königlich-schwedische Rossmühle errichtet. Vorher sollen dort ärmliche Behausungen — fünf „Buden“ und elf „Keller“ — gestanden haben. Der Staude-Plan von 1647 zeigt zwischen Mühlenstraße und Stadtmauer vor dem Hospitäler Tor ein Giebelhaus samt Kemladen.

Die schwedischen Matrikel beschrieben 1706 ein Haus zwischen „wüsten“ (zerstörten und brachliegenden) Stellen. Bewohnt wurde es vom Commandanten und Obristen Schultz. Dazu kam ein Stall für sechs Pferde, ein kleinerer für weitere drei sowie ein Mühlenbetrieb in Nähe der Stadtmauer. Wichtig war für die Steuerakte: Als königliche Ross- und Kornmühle galt für das Haus „steuhr frey ist itzo nicht im Gange“.

Gegen Mitte des 18. Jahrhunderts gab es durch das Kloster St. Annen und Brigitten, das zuvor in direkter Nachbarschaft ein Grundstück als Schenkung erhielt, Pläne zum Abriss der Rossmühle, die aber nie ausgeführt wurden. Davor entstand ein Garten mit Obstbäumen, der von Klosterdienern bewirtschaftet wurde. Noch 1801 waren an der Ecke Mönch-/Mühlenstraße die Rossmühle und Ställe für neun und zwölf Pferde vermerkt, ebenso der Garten.

Doch schon 1802 plante und realisierte der schwedische Generalgouverneur den Bau einer Reithalle auf dem Nachbargrundstück. 1866 wurden die Ställe und die Reithalle zur Unterbringung von Kriegsgefangenen genutzt. Ein Jahr später war das Gelände ganz in Händen des Militärs.

1872 gab es die Absicht, einen neuen Artilleriepferdestall zu errichten. Wenige Monate stand an Ort und Stelle ein massives Stallgebäude aus Ziegelsteinen. In den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts wurde der Stall von der Schutzpolizei übernommen, darauf von einem Reitinstitut. Doch nach der Aufbahrung von Bombenopfern 1944 endete endgültig die Zeit der Pferdenutzung.

Volkseigene Betriebe zogen ein. Nach der Wende stand das Gebäude lange leer und verfiel. Nun erstrahlt der Marstall wieder in früherer Schönheit.

Fürstliche Gebäude für Pferde, Wagen, Kutschen und Geschirr in prunkvoller Architektur
Der Begriff Marstall kommt aus dem Althochdeutschen. Marahstal setzt sich zusammen aus marah‚ Pferd (Mähre), und stal (Stall).
Ursprünglich war es eine allgemeine Bezeichnung für einen Pferdestall.
Im heutigen Sprachgebrauch wird der Begriff für Stallbauten in fürstlichen Residenzen gebraucht, die bis ins 19. Jahrhundert in repräsentativer Architektur ausgeführt wurden.
Die fürstlichen Marställe umfassten die Gebäude für Pferde, Wagen, Kutschen und Geschirr. Vor allem in der Zeit des Barocks wurden die Stallbauten prunkvoll ausgeführt.
Viele historische Marstallgebäude wurden in Deutschland ab dem 19. und 20. Jahrhundert für eine neue Nutzung umgebaut, nachdem ihre ursprüngliche Funktion als Teil einer fürstlichen Hofhaltung hinfällig geworden war. Repräsentative Architektur, Gebäudegröße und zentrale Lage machten viele Marstallgebäude als Sitz für öffentliche Institutionen geeignet.



Bernd Hinkeldey

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