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Aus Angst vor dem Aus: Schiffbauer planen Proteste

Stralsund Aus Angst vor dem Aus: Schiffbauer planen Proteste

Am Montag um 17 Uhr verlangen die Beschäftigten der Volkswerft auf dem Alten Markt Antworten von Ministerpräsident Erwin Sellering und Wirtschaftsminister Harry Glawe.

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Die für Scandlines gebauten Schiffe am Ausrüstungskai der Volkswerft. Dazwischen liegt eine der beiden DFDS-Fähren.

Quelle: Stefan Sauer

Stralsund. Nachdem gestern bekannt wurde, dass der insolventen Stralsunder Volkswerft bereits in diesem Monat das endgültige Aus droht, verschärfen die Schiffbauer ihre Gangart: Am Montag wollen sich hunderte Werftarbeiter erstmals in der Insolvenzphase an einer Protestveranstaltung auf dem Alten Markt beteiligen.

Die Veranstaltung, zu der die IG Metall aufruft, steht unter der Überschrift: Stralsund braucht die Werft. Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) und Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) wollen sich dort den Arbeitern stellen. Viel Beifall werden Sellering und Glawe für ihr Management der Werftenpleite nicht erwarten dürfen. „Die Landesregierung hat uns bei der letzten Mitarbeiterversammlung versprochen, dass sie bis 31. März ein Konzept hat, wie‘s weitergeht“, sagt der Stralsunder IG-Metall-Bevollmächtigte Guido Fröschke.

Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann strebt indes einen vorzeitigen Ausstieg aus dem Vertrag mit der dänischen Reederei DFDS über den Bau von zwei Transportschiffen an. Damit rückt das Ende des Schiffbaus in Stralsund in greifbare Nähe. Gewerkschaft und Betriebsrat haben ihre Kooperation mit der Landesregierung jetzt aufgekündigt. Betriebsratschef Jürgen Kräplin: „Die Politik muss Antworten geben, wie es auf der Werft weitergeht. Die Alternative ist eine Deindustrialisierung Vorpommerns.“

Sollten Sellering und Glawe keinen Notfallplan in der Tasche haben, ist am Mittwoch eine weitere Demonstration vor dem Schweriner Landtag geplant. Zurzeit sind auf der Werft noch 274 Schiffbauer von 500 zu Beginn der Insolvenzphase beschäftigt. Hinzu kommen etwa 100 Ingenieure und Mitarbeiter in anderen Bereichen.

Alle noch gültigen Arbeitsverträge sind bis zum 30. April befristet. Bis dahin wird weiter an den beiden DFDS-Fähren gearbeitet. Sie wären dann die letzten Neubauten der Werft. Ab Mai soll die dänische Reederei auf ihren Schiffen die Hoheit über die endgültige Fertigstellung übernehmen.

Beim Verkauf der Volkswerft gibt es offenbar keinen neuen Stand. „Wir führen Gespräche auf verschiedenen Ebenen“, sagt Brinkmann. Bislang hatten die Nordic-Werften in Rostock und die Hamburger Windkraftinvestmentfirma NGW Angebote abgegeben, die aber nicht den Erwartungen des Gläubigerausschusses entsprachen und nachverhandelt werden sollten. Auch die tatarischen Bieter, die im November 2013 aus den Verhandlungen ausgestiegen waren, sollten nochmals in Boot geholt werden.

Sellering hatte bei der Mitarbeiterversammlung Anfang Februar angekündigt, die Werft als Ganzes erhalten zu wollen. Auf der Protestveranstaltung am Montag werden auch die Stralsunder SPD-Bundestagsabgeordnete Sonja Steffen und Marien-Pastor Christoph Lehnert ans Mikrofon treten. Die Volkswerft war im Sommer 2012 in die Pleite gerutscht.

Protestveranstaltung:

Montag, 17 Uhr, Alter Markt

 



Benjamin Fischer und Martina Rathke

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