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Bootswerft mit gutem Ruf und Tradition

Stralsund Bootswerft mit gutem Ruf und Tradition

Bei einer Parade von Traditionsschiffen in Greifswald war die Pommern-Jolle aus dem Hause Thomzik sogar der Publikums-Liebling.

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Liegeplätze mit Bootsschuppen der Thomzik-Werft am Langenkanal in Stralsund. Fotos (2): Peer Schmidt-Walther

Stralsund. Maschinenbauingenieur und Bootsbaumeister Hans-Jürgen Thomzik war Bauleiter auf der Stralsunder Volkswerft, als er 1978 die kleine Werft übernahm, die seit dem 1. Oktober 1913 dem gebürtigen Pommern Richard Dinse gehörte.

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Bei einer Parade von Traditionsschiffen in Greifswald war die Pommern-Jolle aus dem Hause Thomzik sogar der Publikums-Liebling.

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Vor zwei Jahren hat Sohn Thilo Thomzik, gelernter Seemann und Zimmerer, die Werft von seinem Vater übernommen. Auch die drei langjährigen Mitarbeiter sind allesamt gestandene Fachleute.

In Erinnerung bleibt unter anderem die Motorbarkasse „Satellit“ des Schauspielers Armin Müller-Stahl, die über Jahre am Langenkanal beheimatet war, schließlich sank und von Thomzik und seinen Männern gehoben und abgewrackt wurde.

Fischer von Hiddensee bis Greifswald sowie Freizeitkapitäne aus der Region brachten ihre Kutter und Boote zur Reparatur oder Überholung und holten sie zufrieden wieder ab. Das sprach sich schnell herum, wodurch neue Aufträge generiert werden konnten. Ebenso zum Geschäft gehört die Vermietung von Liegeplätzen.

Erste größere Arbeit, die nach mehr als einem Jahr erfolgreich abgeschlossen werden konnte, war 1980 die Generalüberholung des 50iger-Seekreuzers „Stoltera“ der Universität Rostock. Bemerkenswert war auch der Bau des Zeesenbootes „Stralsund 9“ für das Stralsunder Meeresmuseum. Mit Material und Werkzeug wie 1879 wurde das traditionelle Fischerboot gebaut. Jeder Nagel für diese Zeese wurde handgeschmiedet. Das Meeresmuseum baute extra für sie eine Halle im Nautineum auf dem Dänholm, wo man sie aufgetakelt besichtigen kann. Nach der Wende, als Thomzik die Bootsmessen in Düsseldorf, Hamburg, Berlin, Rostock und Bremen besuchte, verkaufte er mehrere Dutzend seiner hölzernen Dingis, die sich außerdem gut transportieren ließen.

1998 wurde nach eigenen Plänen die erste Pommern-Jolle auf Kiel gelegt, natürlich in traditioneller Holzbauweise. Ein Typ für das richtige Wassergefühl, der immer noch als Netzboot auf den Boddengewässern verwendet wird. Damit ist sie ein Klassiker. Ein traditionelles Gaffelrigg – das laufende und stehende Gut aus Hanf mit Holzblöcken – von 12,5 Quadratmetern Segelfläche sorgt für optimale Segeleigenschaften. Bei Flaute und zum Manövrieren hilft ein 9 PS-Yanmar-Diesel, der im geschlossenen Motorraum hinter dem Schwertkasten liegt. Der 0,6 Tonnen schwere offene Rumpf mit den Maßen 5,55 Meter Länge, 1,85 x 0,35 Meter Breite und 1 Meter Tiefgang ist Eiche auf Eiche geklinkert mit einer Scheuerleiste aus Teak und einem Kambala-Deck. Dazu gehören Sprungdecks, Boden- und Sitzbretter sowie eine Backskiste. Eine schützende Persenning kann bei Bedarf angefertigt werden.

Je nach Wunsch des Kunden wird ein Boot zwar nach dem ursprünglichen Riss, aber in unterschiedlichen Größen gebaut, womit jede Pommern-Jolle ein Einzelstück ist. Bei der letzten Traditionsschiffs-Parade in Greifswald wurde die Pommern-Jolle sogar zum Publikums-Liebling erklärt.

Einst 14 Werften

Schiffe wurden in Stralsund seit dem späten Mittelalter gebaut. Für das Jahr 1421 sind immerhin 14 Werften nachgewiesen.

Neben der Volkswerft , die nach der Pleite der P+S Werften und dem Scheitern von Nordic Yards vom malayischen Konzern Genting übernommen wurde, gibt es heute nur noch die Thomzik-Werft.

Die kleine Firma pflegt den Bootsbau als Handwerk.

Peer Schmidt-Walther

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