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Der Pferdemeister und das Holz

Velgast Der Pferdemeister und das Holz

Hartmut Bischoff ist einer der letzten Pferderücker in ganz MV. Mit seinem Handwerk schützt er den Wald.

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Hartmut Bischoff und sein Pferd Edda ziehen einen schweren Eichenstamm aus dem Unterholz.

Quelle: Fotos: Alexander Müller

Velgast. Wer an den Arbeitsplatz von Hartmut Bischoff gelangen will, muss etwa 20 Minuten mit dem Geländewagen über einsame Wege rumpeln und dann noch ein paar hundert Meter durch das Unterholz stiefeln. Dort, inmitten des Forstes Schuenhagen bei Velgast, wird das Rauschen der Blätter nur durch das Schnaufen von Pferd Edda unterbrochen und den Befehlen, die ihr der 65-Jährige zuruft. „Einen Schritt zurück. Halt! Und vorwärts.“ Das Tier und sein Meister ziehen einen Baumstamm nach dem anderen aus dem Dickicht. Gleichzeitig gehören sie zu den wichtigsten Beschützern des Waldes.

OZ-Bild

Hartmut Bischoff ist einer der letzten Pferderücker in ganz MV. Mit seinem Handwerk schützt er den Wald.

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Hartmut Bischoff ist einer der letzten sogenannten Pferderücker in Mecklenburg-Vorpommern. Er gehört damit zu Vertretern einer alten Tradition, bei der das Holz im Wald nur mit Tieren und ohne schweres Gerät transportiert wird. Laut Landwirtschaftsministerium gibt es schätzungsweise nur noch 20 Unternehmen im Land, die diese Arbeit anbieten. Bei der Landesforstanstalt selbst sind nur noch acht Pferde im Einsatz. Umweltminister Till Backhaus (SPD) hat deswegen gestern 2500 Euro Fördermittel an Hartmut Bischoff übergeben, um dieses alte Handwerk zu unterstützen. „Wenn wir nicht aufpassen, dann stirbt dieses Wissen weg“, sagte Backhaus. Ohne staatliche Unterstützung ließe sich die Arbeit nicht wirtschaftlich betreiben.

Pferderücker sind wichtig für eine umweltschonende Bewirtschaftung des Waldes. Im Forstamt Schuenhagen sind 75 Prozent der insgesamt 20000 Hektar Wald von Staunässe oder starkem Grundwassereinfluss geprägt. Das heißt, die Böden sind sehr feucht, sodass jedes schwere Gerät starke Verwüstungen im Untergrund hinterlässt. „Wir müssen den feuchten Boden aber auf jeden Fall erhalten, damit der Wald vital bleibt – das hat oberste Priorität“, sagte Andreas Baumgart, Leiter des Forstamtes Schuenhagen.

Der Pferderücker Hartmut Bischoff kennt die Wälder in der Region vermutlich so gut wie nur wenige andere Menschen. Der gebürtige Barther arbeitet seit 1984 als Forstwirt, im Jahr 1997 hat er begonnen, mit Pferden loszuziehen. Als er 2012 in den Ruhestand ging, hatte er die Idee, sich selbst ein paar Tiere zu besorgen. Edda und Hans, zwei Schwarzwälder Füchse, die robust und leichtfüßig zugleich sind. Oft stecken sie bei der Arbeit enorm tief im Schlamm und müssen deswegen immer in der Lage sein, sich selbst zu befreien. „Eigentlich wollte ich nur ein- bis zweimal pro Jahr aushelfen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so viel zum Einsatz komme“, sagte Bischoff. Jede Wintersaison holt er 800 bis 900 Festmeter Holz aus dem Wald.

Der Forst ist mit sogenannten Rückegassen durchzogen, ein Netz aus unbefestigten Wegen, auf denen das Holz abtransportiert werden kann. Normalerweise besteht zwischen diesen Gassen jeweils ein Abstand von 20 Metern. Die Forwarder, eine Art forstwirtschaftlicher Bagger mit langem Greifarm, kommen bei dieser Einteilung gerade so überall heran.

Durch den Einsatz des Pferderückers konnten die Abstände zwischen den Wegen auf 40 Meter erhöht werden. Wo die Maschinen nicht hinkommen, haben Hartmut Bischoff und seine Edda keine Probleme. So wird der Boden geschont und nebenbei noch jede Menge Diesel eingespart.

Pferde sind effektiv

5 Prozent der Holzernte erfolgt im Forstamt Schuenhagen im sogenannten „Abtshagener Laubholzernteverfahren“, bei die Holzernte per Motorsäge mit dem Spezialforwarder und den Rückepferden kombiniert wird. Hierbei sorgt das Pferd für eine hohe Effektivität, da das Holz durch den Pferderücker für die Maschinen bereits vorsortiert wird.

Wegen der hohen Anforderungen an die Körperkraft der Tiere werden im professionellen Einsatz überwiegend Kaltblutrassen mit einem Körpergewicht ab 700 Kilogramm eingesetzt. Es werden allerdings nicht nur schwerste Rassen genutzt, da in schwierigen Lagen auch eine gewisse Wendigkeit erforderlich ist. Das Pferd sollte in Hinblick auf die ständig wechselnde Geräuschkulisse durch beispielsweise brechendes Reisig einen möglichst ruhigen Charakter zeigen.

Alexander Müller

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