Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Der letzte Schlepphaken auf dem Sund

Stralsund Der letzte Schlepphaken auf dem Sund

Mit der „Delphin“ hat Achim Stuhr sich seinen Arbeitsplatz selbst gekauft

Voriger Artikel
Weg zum Strandbad voll gesperrt
Nächster Artikel
E-Mails zur P+S-Pleite: Staatsanwaltschaft prüft Hinweise

Achim Stuhr (r.) erläutert OB Alexander Badrow (CDU) bei einer Ausfahrt auf dem Sund den Alltag auf einem Schlepper.

Quelle: Jörg Mattern

Stralsund. Im Maschinenraum wummern 800 Pferdestärken. Genug, um mit der 28 Meter langen und 6,20 Meter breiten „Delphin“ eine Zugkraft von 12 Tonnen zu entfalten. Der Eigner von Stralsunds derzeit einzigem Schlepper ist Achim Stuhr. Im Januar 2014 hat er mit ihm auf dem Dänholm angelegt und sich damit einen Wunsch erfüllt. „Andere haben sich ein Haus gekauft, ich hab‘ mir meinen Arbeitsplatz gekauft“, sagt Stuhr, als Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) gestern zum Firmenbesuch an Bord ging.

Achim Stuhr war Steuermann auf dem Schlepper „Sund“. Doch als der aus Stralsund abgezogen wurde, wollte er, der ein Patent für die Fahrt in nationalen Gewässern in der Tasche hat, hier bleiben und hatte eine Idee. „Die war gar nicht so leicht umzusetzen“, sagt sein Unternehmensberater Ralf-Dieter Strasen. „Da gab es schon bei der Bank Schwierigkeiten mit der Verständigung“erinnert sich der Berater. Hatten die Banker doch an eine Zugmaschine auf der Straße gedacht und nicht an ein Schiff.

Vom ursprünglichen Gedanken, sich einen Neubau zu leisten, musste Achim Stuhr bald Abschied nehmen — zu teuer. In Amsterdam stieß er bei der Suche nach einem Gebrauchten auf die „Delphin“. Der Schlepper war 1960 für die Flusspioniere der Bundeswehr in Dienst gestellt worden. Nach einem Werftaufenthalt in Antwerpen konnte Achim Stuhr seinen schwimmenden Arbeitsplatz in Empfang nehmen.

„Dies vor allem, weil Sparkasse, Kfw-Förderbank und die Bürgschaftsbank MV an den Schlepp & Offshore-Service von Stuhr glaubten“, sagt Strasen.

Der kleine Schlepper mit seinem Tiefgang von 1,60 Meter erwies sich als Glücksgriff für die Arbeit auf dem seichten Sund. „Da können die anderen mit ihren großen Geräten nicht mithalten,“berichtet Achim Stuhr dem OB. „Da bin ich der einzige Schlepphaken zwischen Stralsund und Wolgast.“ Dennoch bekommen die Großen oft den Zuschlag, weil Wasserbauprojekte europaweit ausgeschrieben werden müssen.

„Da habe ich oft nur die Chance, mich als Subunternehmer mit an den Auftrag zu hängen, wenn ich rechtzeitig davon erfahre“, erklärt der Eigner.

Eigentlich hatte er auf die Werft gehofft. Doch mit deren Pleite brach eine Hoffnung weg. Vorerst. Denn auch Alexander Badrow setzt auf den Neuanfang auf der Volkswerft. Doch wie der aussieht, ist derzeit noch offen. So macht Stuhr mit seinem Schlepper alles, was anfällt: Pontons schleppen oder die Tanne für den letzten Weihnachtsmarkt vom Dänholm zum Stadthafen oder Eis aufbrechen, wie zuletzt im Januar zwischen Lauterbach und Vilm, damit die Mitarbeiter der Naturschutzakademie zur Arbeit auf die Insel kamen.

Der OB ist sichtlich beeindruckt von dem Engagement, mit dem hier versucht wird, ein traditionelles maritimes Gewerbe gegen etliche Widerstände am Sund zu halten. „So etwas gehört unbedingt nach Stralsund“, sagt Badrow.

Und auch, dass er Macher wie Stuhr gerne unterstützen will. Aber: Badrow sagt auch, dass die Kommunalpolitik nur versuchen kann, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Und deren Spielraum ist bei einem solchen Geschäft, wie der Schlepp & Offshore Service es betreibt, nicht sehr groß.

Arbeitspferd zur See mit 800 PS

Schlepper verfügen über eine leistungsstarke Antriebsanlage. Die Schiffe werden zum Ziehen und Schieben anderer Schiffe oder Pontons eingesetzt.

12 Tonnen Zugkraft kann die „Delphin“ entwickeln. Der Schiffstyp wurde Ende der 1950er-Jahre als Pionierschlepper für die Flusspioniere der Bundeswehr entwickelt.

800 Pferdestärken kommen aus zwei Zwölf-Zylinder-Dieseln. Sie können den Schlepper bis auf etwa 21 Km/h beschleunigen.

85 Betriebe und Unternehmen der Hansestadt hat Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) seit Mai 2009 besucht.

Mit Amtsantritt hatte der OB die Wirtschaftsförderung in Stralsund zur Chefsache erklärt und eine entsprechende Abteilung im Rathaus eingerichtet.

Die Firmenbesuche werden dabei als Instrument genutzt, mit der örtlichen Wirtschaft im Gespräch zu bleiben und bei Problemen nach Lösungen zu suchen.

Von Jörg Mattern

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Bad Doberan

In der Münsterstadt ziehen Geschäfte um: Elektronikfachgeschäft und Brillenhof vergrößern sich, Blumenladen ist kleiner geworden. Möbelhaus schließt.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Wirtschaft
Verlagshaus Stralsund

Apollonienmarkt 16
18439 Stralsund

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
10.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Benjamin Fischer
Telefon: 0 38 31 / 20 67 40
E-Mail:  stralsund@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.