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Ein ordentliches Polster schaffen

Stralsund Ein ordentliches Polster schaffen

An den Wänden hängen aufgereiht unzählige Werkzeuge, daneben lagern Stoffballen und Reißverschlüsse. Eine große Werkbank mit vielen Schubladen dominiert den kleinen Raum.

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Hans Päplow (86) packt noch immer gern mit in der Werkstatt für Polsterei und Sattlerei an.

Quelle: Fotos: Miriam Weber

Stralsund. An den Wänden hängen aufgereiht unzählige Werkzeuge, daneben lagern Stoffballen und Reißverschlüsse. Eine große Werkbank mit vielen Schubladen dominiert den kleinen Raum. In einem Ofen brennt ein Feuer, gibt der Werkstatt etwas Gemütliches, und daneben sitzt Hans Päplow. Der 86-Jährige ist Polsterer und Sattler, erzählt gern und viel und legt noch immer selbst Hand an. Das lässt er sich nicht nehmen, auch wenn das Geschäft längst von seinem Sohn Hans-Lothar geführt wird.

OZ-Bild

An den Wänden hängen aufgereiht unzählige Werkzeuge, daneben lagern Stoffballen und Reißverschlüsse. Eine große Werkbank mit vielen Schubladen dominiert den kleinen Raum.

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Das Nähross stammt noch aus dem Ersten Weltkrieg, damals wurden Sattel darauf genäht.“Hans Päplow (86)

Der arbeitet einen Raum weiter und ist gerade dabei, den Autositz eines Cabrios neu zu polstern. „Das ist nicht so selten. Liebhaber von älteren Autos lassen das machen“, erklärt der Stralsunder. Er legt den neuen Schaumstoff auf den Sitz und zieht ein Stück Fließ darüber. Zum Schluss das weiße Leder. Das zu spannen, ist ein Kraftakt. Hans-Lothar Päplow ist mit ganzem Körpereinsatz dabei.

Normaler Arbeitsalltag für den 54-Jährigen, der das Familienunternehmen in dritter Generation führt.

Früher war der Name Sattlerei und Polsterei noch Programm, doch das hat sich grundlegend geändert. „Nur allein mit der Polsterei kommt man nicht weit“, sagt Hans-Lothar Päplow. Selbst die Ausbildung nennt sich heutzutage Raumausstatter. „Das beinhaltet allerdings die Polsterei und Sattlerei.“ Auch die Päplows mussten nach Alternativen suchen, um als Firma zu überleben. „Wir fanden eine Nische im Sonnenschutz. Von Markisen bis Außenjalousien, alles, was man sich darunter so vorstellen kann.“

Von den einst vier Mitarbeitern konnte er leider keinen halten, ist nun Einzelkämpfer. Unterstützung bekommt er von seinem Vater, der kleinere Arbeiten an Taschen, Schulranzen, Koffern oder Lederjacken gern übernimmt. Dafür sitzt er an seiner uralten Nähmaschine, die er noch mit dem Fuß betreibt. „Die macht noch ihre Arbeit und ich weiß, wie ich mit ihr umzugehen habe. Schließlich habe ich daran viel selbst gebaut“, sagt Hans Päplow und seine Augen leuchten dabei. Dann zeigt er auf eine Holzkonstruktion: „Das ist ein Nähross, das ist noch aus dem Ersten Weltkrieg und damals wurden auf diesem Ding die Sattel genäht.“

Es gibt einiges an Schätzen in der Werkstatt, die noch vom ersten Sattler Päplow stammen und nach wie vor in Benutzung sind. Ein Polstererhammer oder der Lederschneider gehören seit fast 90 Jahren zum Inventar.

1927 wurde in Beggerow, in der Nähe von Demmin, die Sattlerei und Polsterei Päplow gegründet. „Damals wurden noch viele Sattel gemacht und Kutschen gepolstert“, erklärt Hans Päplow. 1961 ging es dann nach Stralsund und nach der zeitweisen Übernahme durch den Staat gelang es Hans Päplow 1978, das Unternehmen zu privatisieren. Nur zwei Jahre später stieg sein Sohn in die Firma mit ein. Doch das war nicht immer klar gewesen. „Eigentlich habe ich Rohrschlosser auf der Volkswerft gelernt“, sagt der heutige Geschäftsführer, der in seiner Freizeit in der Band „Uran“ spielt. Doch dann entschied er sich anders, sehr zur Freude seines Vaters. „Wir sind wirklich froh, dass unser Sohn das Handwerk weiter betreibt“, sagt Hans Päplow.

Und auch die nächste Polsterergeneration steht schon in den Startlöchern. Zwar ist Enkel bzw. Urenkel Alexander erst sechs Jahre alt, aber er hat schon eine eigene kleine Werkbank. „Er hat so viel handwerkliches Geschick und das Interesse an der Polsterei ist groß, dass die Nachfolge klar auf der Hand liegt“, sagt Urgroßvater Päplow und seine Augen blitzen dabei.

• Video unter www.ostsee-zeitung.de

Von Miriam Weber

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