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Hanseyachts segelt langsam aus den roten Zahlen

Greifswald Hanseyachts segelt langsam aus den roten Zahlen

Bootsbauer schreibt nach der Wirtschaftskrise noch immer Verluste, rechnet aber mit dem zweitgrößten Umsatz seit der Gründung / Mitarbeiterzahl steigt auf 1300

Greifswald. Ein Minus auf dem Konto ist per se keine gute Nachricht: Die börsennotierte Hanseyachts AG Greifswald wird das Geschäftsjahr, das am 30. Juni endete, wieder mit einem Defizit abschließen. Vorstandschef Jens Gerhardt rechnet mit einem Verlust von etwa 1,9 Millionen Euro. „Allerdings ist es uns gelungen, einen gewaltigen Sprung nach vorn zu machen. Denn noch im Vorjahr schrieben wir einen Verlust von 6,4 Millionen Euro“, sagt er gegenüber der OSTSEE-ZEITUNG.

Während andere Firmen mit jahrelang roten Zahlen längst vom Markt verschwunden wären, boomt Hanseyachts so stark wie nie. Leisten kann sich der weltweit zweitgrößte Hersteller von Segelyachten das nur, weil der Münchner Investmentkonzern Aurelius als Mehrheitsaktionär offenbar an die Bootsbauer glaubt, eine schützende Hand über ihn hält und demnächst mit einem profitablen Geschäft rechnet.

Greifswalds größtes Wirtschaftsunternehmen ist also wieder im Aufwind. Die Finanzkrise, die Hanseyachts vor fünf, sechs Jahren in schwieriges Fahrwasser führte, scheint überwunden. „2008 war mit 125 Millionen Euro unser umsatzstärkstes Jahr. Jetzt sind wir auf gutem Weg, den wohl zweitgrößten Umsatz in der Geschichte des Unternehmens zu machen“, sagt Gerhardt ohne konkrete Daten nennen zu wollen. Nur so viel: In jüngster Vergangenheit seien jedes Jahr etwa zehn Millionen Euro Zuwachs erzielt worden.

Die Erfolgszahlen betreffen auch die Beschäftigten: „Aktuell liegen wir bei 1300 Mitarbeitern“, berichtet der 49-Jährige. Als er Hanseyachts 2012 als Vorstandschef übernommen habe, seien es 750 Mitarbeiter gewesen. Durch Neustrukturierungen sei die Zahl noch einmal auf etwa 600 gesunken, danach stetig gestiegen. Allein in Greifswald gebe es ein starkes Wachstum. An der Ladebower Chaussee würden 850 Leute arbeiten, weitere 50 am Produktionsstandort Jungfernwiese.

„Wir haben die Fertigung modernisiert und neue Produkte entwickelt“, sagt Jens Gerhardt und ist stolz darauf, dass sich die Werft zunehmend als Hersteller von Motorbooten einen Namen verschafft. In diesem Bereich wachse das Unternehmen überproportional. Dennoch erziele Hanseyachts etwa 70 Prozent des Umsatzes noch immer mit den Segelschiffen. Die Anzahl der insgesamt produzierten Boote falle mit etwa 550 Stück pro Jahr geringer aus als vor Jahren. „Doch die Schiffe sind größer geworden. Das erklärt letztlich die Umsatzsteigerung“, verdeutlicht der Chef.

Die große Hanse 675 misst 21 Meter und wiegt 40 Tonnen. Kunden legten dafür rund 1,8 Millionen Euro inklusive Steuern hin. „Doch es gibt auch das Einsteigermodell, die Hanse 315, für 72000 Euro“, sagt der passionierte Segler. Das sehr gute Preis-Leistungsverhältnis mache laut Gerhardt den Erfolg der Greifswalder aus. „Außerdem Innovation und das Design“, fügt er hinzu. Bootsbau sei bei Hanse- yachts Serienproduktion und dennoch echte Handarbeit. „In unseren Produkten stecken bis zu 15000 Arbeitsstunden“, bemerkt er. Kunden auf der ganzen Welt wüssten das zu schätzen. 85 Prozent der Schiffe gingen ins Ausland – in die USA, nach China, Japan, Australien. „Und das schaffen wir nur, weil wir mit einer Geschwindigkeit neue Boote auf den Markt bringen, wie es andere nicht können.“

Deshalb sei er auch optimistisch, dass Hanseyachts demnächst profitabel wirtschafte. „Wir wollen weiter wachsen. Deshalb werden wir auch weiter jedes Jahr drei bis vier Millionen Euro in neue Produkte und in den Maschinenpark investieren“, sagt Jens Gerhardt.

Petra Hase

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