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Heringssaison bereits in vollem Gange

Barth Heringssaison bereits in vollem Gange

Fischer André Grählert aus Barth freut sich über die vollen Netze / Ruhetage sind bei ihm jetzt selten

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Alle helfen mit: André Grählert (v.l.), David Graf, Marko und Sybille Grählert beim täglichen Heringspuken unter freiem Himmel.

Quelle: Volker Stephan

Barth. Obwohl die Heringssaison bereits seit Februar andauert und sich bei vorteilhaften Bedingungen bis in den Mai hineinziehen kann, freuen sich Fischer André Grählert, seine Familie und Mitarbeiter täglich aufs Neue über die gut gefüllten Netze. Auch das tägliche Heringspuken unter freiem Himmel, die wohl unangenehmste Aufgabe einer Fischerfamilie im Verlaufe des Jahres, kann die gute Stimmung nicht verderben.

„Der Hering ist in diesem Jahr frühzeitig in die Bodden gezogen, die ersten Schwärme kamen noch unter dem Eis herein“, berichtet der Fischer. Bemerkt hatte er das schon beim „Zanderklappern“. Die unter dem Eis gefangenen Zander waren allesamt gut genährt — denn sie hatten sich an den ersten Heringen satt fressen können.

Ruhetage will André Grählert so selten wie möglich einlegen. Wenn die Wassertemperatur um einige Grad ansteigt, könnte der Hering nämlich schnell wieder weg sein. Täglich macht die Besatzung des Kutters gegen 4 Uhr die Leinen los und nimmt Kurs auf die Grabow. Dort stehen in drei Reihen 15 Fünfzigmeternetze. Wenn es gut läuft, sind die innerhalb von 30 Minuten an Bord und mit ihnen etwa eine Tonne frischer Frühjahrsheringe.

Wenn der Kutter zwischen 6 und 6.30 Uhr wieder zurück an seinem Liegeplatz ist, rufen auch schon die Zwischenhändler an, um die zu erwartende Fangmenge zu erfragen. Nun beginnt das langwierige und eintönige Heringspuken, bei dem die ganze Familie Grählert mitmacht.

Immer wieder wirft Fischer David Graf die Netzwinde an und befördert etliche Netzmeter mit den in den Maschen verfangenen Heringen vom Kutter auf den Arbeitstisch. Sowohl im Kutter als auch auf dem Tisch liegen die Fische in einer glitschigen, klebrigen und trüben Flüssigkeit aus Wasser, Heringsschleim und Schuppen. Einer Landratte würde es wohl viel Überwindung abverlangen, dort hineinzugreifen. Die gepukten Heringe wandern sofort in bereitstehende Kisten und Kästen, in denen sie bald darauf die Reise zu den Händlern oder Verarbeitern antreten.

Trotzdem der Bescheid über die zugeteilte Quote noch nicht eingetroffen ist, geht André Grählert von 60 Tonnen aus. Ein Drittel davon hat er abgefischt, einen gewissen Teil will er für das Jahresende aufheben. „Dann bewegen sich die Aufkaufpreise vielleicht wieder im normalen Rahmen“, hofft der 41-Jährige. Preise von 30 Cent proKilogramm beim Fischverarbeitungswerk verderben ihm nämlich die Freude über die gestiegene Quote.

Dazu gesellt sich der Ärger über die frechen Fischräuber, die beim Erbeuten der gefangenen Heringe nicht zimperlich sind und gleich noch die Netze zerreißen. Gemeint sind die berüchtigten Kormorane, die aufgrund langjährigen Schutzes vielerorts zu einer Plage geworden seien. „Schießen dürfte man sie ja, doch niemand hat Lust, anschließend im Wasser nach den Kadavern zu suchen und diese vorschriftsmäßig zu entsorgen.“ Also hat der Fischer beschlossen, die Räuber zu überlisten. Gewöhnlich werden nach dem morgendlichen Aufnehmen der Netze auch gleich die neuen Netze ausgelegt. Die Kormorane hätten also einen ganzen Tag Zeit, sich dem schmackhaften Inhalt zu widmen. Deshalb fahren die Fischer am späten Nachmittag noch einmal mit dem schnellen Motorboot auf die Grabow, um den fehlenden Arbeitsschritt jetzt erst nachzuholen. Weil es bald darauf dunkel wird, haben die Kormorane viel weniger Zeit, die Netze zu kontrollieren.

Natürlich schlaucht der lange Arbeitstag an der kalten Luft und macht müde. „Abends fallen einem dann vor der Kaffeetasse schon mal die Augen zu“, gesteht André Grählert. „Oder im Stehen auf dem Kutter während der Überfahrt“, kennt David Graf eine weitere Variante.

Von Volker Stephan

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