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Elmenhorst/Krummenhagen Jeder Tag ein Mohntag

Experiment und Wagnis: Die Felder mit der Blume des Jahres von Biobäuerin Claudia Resthöft aus Elmenhorst sind eine Augenweide.

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Naturschützer, Biobauern und Mitglieder der Loki-Schmidt-Stiftung bestaunen die Klatschmohnfelder bei Krummenhagen. FOTOS (2): CLAUDIA NOATNICK

Elmenhorst/Krummenhagen. Leuchtend rote Blumenmeere ziehen in Krummenhagen die Blicke auf sich. Mohnblumenfelder erstrecken sich hier über knapp 17 Hektar. Ein wunderschönes Fotomotiv für Vorbeifahrende. Ein Dorado für Naturliebhaber und -schützer. Ein Experiment und Wagnis für Claudia Resthöft.

OZ-Bild

Experiment und Wagnis: Die Felder mit der Blume des Jahres von Biobäuerin Claudia Resthöft aus Elmenhorst sind eine Augenweide.

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Die Biobäuerin des Alten Pfarrhofs in Elmenhorst bestellt diese Flächen bei Krummenhagen. Normalerweise wachsen Dinkel und Kleegras darauf. Doch in diesem Jahr müssen sich Getreide und Futterpflanze den Acker teilen mit tausenden Mohn- und Kornblumen. „Das ist eine wunderbare Fläche, herzlichen Glückwunsch“, sagte Axel Jahn, Geschäftsführer der Loki-Schmidt-Stiftung während eines Vor-Ort-Termins. Die Hamburger Organisation hat sich den Erhalt seltener Pflanzen und Tiere auf die Fahnen geschrieben und den Klatschmohn in diesem Jahr zur Blume des Jahres erkoren. Damit wolle man, so Jahn, auf die Gefährdung und den Verlust von Ackerwildpflanzen hinweisen und sich für die Förderung der bunten Vielfalt im Landbau einsetzen.

Genau hier sieht auch Claudia Resthöft ihre Verantwortung für die Natur. In der Loki-Schmidt-Stiftung, ihrem Getreideabnehmer und einem Wildblumensamenhandel hat sie Partner gefunden, die gemeinsam mit ihr das Wagnis eingehen wollen, den Mohn auf der Fläche zu ernten. „Es ist eine mutige Entscheidung, dieses Feld so zu belassen“, meint Detlef Hack, selbst Biobauer aus Panten in Schleswig-Holstein. Und dass die Elmenhorsterin ein Beispiel dafür sei, dass man Landwirtschaft auch aus Sicht des Artenschutzes erfolgreich und somit anders denken kann. Seit Jahren arbeitet er mit Resthöft zusammen. So wird etwa das auf ihren vorpommerschen Feldern geerntete Getreide auf seinem Hof getrocknet, aufbereitet und an Biobäckereien im Norden abgegeben.

Als Hack, der sich selbst dem Naturschutz und dem Erhalt alter Getreidearten verschrieben hat, in diesem Frühjahr bei einem Besuch den Acker in Krummenhagen sah, konnte er seine Kollegin Claudia Resthöft schnell überzeugen, jene Ackerbegleitpflanzen stehen zu lassen und später abzuernten. Die Samen von Klatschmohn und Kornblume werden zusammen mit Dinkel und anderen Samen geerntet, getrocknet und herausgesiebt. Abnehmer ist die Firma Rieger-Hofmann, die Blühmischungen aus Regio-Saatgut auch für Mecklenburg-Vorpommern verkauft, und somit den Absatz der wertvollen Vielfalt dieses einmaligen Feldes sichert.

„Solche Flächen, wie es sie hier in Krummenhagen gibt, sind einzigartig, es müsste sie in jedem einzelnen Landkreis geben“, schwärmt Burkhard Roloff vom BUND. In ganz Mecklenburg-Vorpommern gebe es in dieser Größenordnung kein vergleichbares Areal. Dabei helfen solche Felder, die Artenvielfalt zu erhalten.

Roloff weist in den Himmel. Dort oben fliegt eine Feldlerche. „Und hören Sie das? Das ist eine Grauammer“, erklärt er das leise „Tücktück“. Zwei Vogelarten, die selten geworden sind in unserer Kulturlandschaft mit den sauberen Raps- und Maisfeldern. Hier, in Krummenhagen, gibt es sie noch, hier, wo unzählige Insekten die blühenden Ackerwildblumen anfliegen und zum Teil wiederum den Vögeln als Nahrung dienen.

Die Begeisterung des Naturschützers kann Claudia Resthöft teilen. Als Unternehmerin weiß sie aber auch, dass sie eine verkaufsfähige Ernte braucht. „Aus wirtschaftlicher Sicht ist das für mich ein Risiko“, sagt die Elmenhorster Biobäuerin und verweist zum einen auf ihre 40 Milchkühe, die das heranwachsende Futter und Stroh dieser Flächen eigentlich benötigen. Das Kleegras, das die Elmenhorster Biobäuerin nun nicht in vollem Maß wird abernten können, wird ihr im Winter als Futter fehlen. Auf der anderen Seite steht die Pacht an, die sie für diese Flächen zahlen muss – egal, welcher Ertrag nach der Ernte zu Buche schlägt. Und schließlich sind da ihre sieben Mitarbeiter, die auf ihren Lohn warten.

Ruhig schlafen wird die Elmenhorsterin wohl erst nach Ernte des Klatschmohns wieder können. Denn diese birgt ein hohes Risiko, wie Hack weiß. „Man hat nur ein geringes Zeitfenster“, sagt der Biobauer. Dazu brauche man am besten warmes, trockenes Wetter. Und Windstille. „Die Samenkapseln sind nämlich so beschaffen, dass sie ihre Samen weit streuen“, erklärt er. Sind diese reif, bilden sich am Deckel der Kapsel kleine Löcher, aus der bei leichtester Erschütterung die schwarzen Samenkügelchen herausgestreut werden. Hack gebraucht den Vergleich eines Pfefferstreuers.

In etwa vier Wochen wird es so weit sein, dass die Wildpflanzen geerntet werden können. „Ich hoffe auf anderthalb Tonnen Mohn- und zwei Tonnen Kornblumensaat. Wenn der Wind nicht schneller ist als wir“, sagt Hack.

Auch wenn sein Optimismus überwiegt, in Krummenhagen eine gute Wildblumenernte einfahren zu können, so sind er und Claudia Resthöft doch auch froh, zumindest auf Teilen der Flächen zwischen dem rot-blau wogenden Meer aus Mohn und Kornblumen noch Dinkel als Begleitvegetation während des Druschs einfahren zu können – um im Extremfall zumindest keinen landwirtschaftlichen Totalausfall zu haben.

Loki-Schmidt-Stiftung seit 1979

Der Klatschmohn wurde von der LokiSchmidt-Stiftung zur Blume des Jahres 2017 gewählt.

Hintergrund ist die Werbung für den Schutz der Wildblumen auf den Feldern.

Mitglieder der Loki-Schmidt-Stiftung besuchten in Krummenhagen in dieser Woche die mit 17 Hektar Größe wohl einzigartigen Felder in ganz MV.

Pächterin der Flächen ist Biobäuerin Claudia Resthöft aus Elmenhorst.

Die Samen von Klatschmohn und Kornblume werden in etwa vier Wochen geerntet und an Samenhersteller verkauft.

Felder dieser Art dienen der Artenvielfalt und bieten unter anderem vielen Tieren von Insekten über Vögel Nahrung.

Loki Schmidt (1919 – 2010), Ehefrau des einstigen Bundeskanzlers Helmut Schmidt, galt als leidenschaftliche Botanikerin sowie Natur- und Pflanzenschützerin und gründete 1979 die ihren Namen tragende Stiftung.

Mit der Aktion „Blume des Jahres“ macht die Loki-Schmidt-Stiftung seit 1980 auf gefährdete Pflanzen und ihre Lebensräume aufmerksam.

Claudia Noatnick

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