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Kreistag stimmt für Verkauf von Block 5 in Prora

Stralsund/Prora Kreistag stimmt für Verkauf von Block 5 in Prora

Privatisierung des früheren KdF-Seebads geht voraussichtlich weiter / Drescher macht Einrichtung einer Gedenkstätte zur Bedingung in Verhandlungen mit Investoren

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Der Landkreis will Block 5 in Prora an einen Investor verkaufen. Das Thema sorgte gestern für Diskussionen im Kreistag.

Quelle: Stefan Sauer/dpa

Stralsund/Prora. Der Weg ist frei für den spektakulärsten Immobilien-Deal in der Geschichte des Landkreises Vorpommern-Rügen: Der Kreistag hat gestern Abend in Stralsund dafür gestimmt, Vorbereitungen für den Verkauf von Block 5 in Prora zu treffen. Damit geht die Privatisierung des früheren KdF-Seebads der Nationalsozialisten voraussichtlich weiter. Das Vorhaben ist umstritten. In einer Online-Petition hatten sich im Vorfeld 15 000 Bürger gegen den Verkauf ausgesprochen. Im Kreistag fiel die Entscheidung jedoch mit 35 zu 19 Stimmen deutlich aus.

Landrat Ralf Drescher (CDU) betonte, dass Verkauf und historische Verantwortung einander nicht ausschließen würden. „Wir wollen dem Denkmal gerecht werden. Ich bin überzeugt, dass das auch in privater Hand möglich ist“, sagte er. Drescher bekannte sich dazu, die Errichtung einer Gedenk- und Bildungsstätte in Verhandlungen mit möglichen Investoren zur Bedingung zu machen. „Wenn die Gefahr besteht, dass das nicht realisierbar ist, würde ich umschwenken.“

Kritiker befürchten, dass mit dem Verkauf des letzten in öffentlicher Hand befindlichen Blockes der Charakter des Mahnmals zweier Diktaturen verloren gehen könnte. „Wenn wir den Block komplett verkaufen, dann bleibt vom Koloss von Prora nichts übrig. Brauchen wir wirklich noch mehr Luxuswohnungen? Ich meine, wir sollten uns unserer historischen Verantwortung stellen“, sagte Wenke Brüdgam-Pick, Kreistagsabgeordnete der Linken. Die Fraktion der Grünen scheiterte mit dem Versuch, eine Bürgerbefragung zur Zukunft von Prora anzuschieben. Für diesen Vorschlag gab es keine Mehrheit.

Vertreter von CDU und SPD verteidigten die Verkaufsabsichten. „Das ist kein Schnellschuss. Wir sind uns einig, dass endlich etwas passieren muss“, sagte Stefan Kerth, Fraktionschef der Sozialdemokraten.

Die Kreisverwaltung begründet ihr Vorhaben mit dem schlechten Zustand von Block 5. Die ansässige Jugendherberge, die eigentlich vertraglich für die Pflege des Gebäudes zuständig ist, sei mit der Aufgabe überfordert. Da der Kreis den Komplex nicht für eigene Aufgaben benötige, werde nun ein Verkauf angestrebt.

Mehrere Investoren haben nach Angaben eines Kreissprechers bereits Interesse an der denkmalgeschützten Immobilie signalisiert. Auch sei die Immobilie dem Land angeboten worden. Die Staatskanzlei bestätigte das Angebot des Landkreises. Die Prüfung sei noch nicht abgeschlossen, sagte ein Sprecher der Staatskanzlei.

Inzwischen hat es mit den kulturhistorischen Vereinen und der Landeszentrale für politische Bildung Gespräche gegeben, wie die Arbeit der Vereine in der Anlage künftig gewährleistet werden kann.

Symbolischer Euro für Block 5 in Prora

2006 hat der Kreis einen der 450 Meter langen Blöcke für den Kaufpreis von einem Euro plus der Auflage zur Erschließung erworben. Mit 16,4 Millionen Euro von Bund, Land, EU und Jugendherbergswerk entstand 2011 in einem Drittel des Blockes eine Jugendherberge.

Plan war auch, dass dort eine Gedenk- und Bildungsstätte entstehen sollte. Der Kreis sieht sich allerdings mit den Kosten in Höhe von fünf Millionen Euro überfordert. Nun will sich der Kreis von dem 300 Meter langen, unsanierten Teil trennen.

Die anderen vier Blöcke direkt am Ostseestrand waren vom Bund an Privatinvestoren veräußert worden, die dort vorrangig Ferien- und Eigentumswohnungen errichten. Prora war von den Nationalsozialisten als KdF-Seebad geplant und zu DDR-Zeiten als Großmilitärstandort ausgebaut worden.

Von Alexander Müller und Martina Rathke

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