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Nach der Werftpleite Schulbank gedrückt

Stralsund Nach der Werftpleite Schulbank gedrückt

Eigentlich sollte die Techniker-Ausbildung vom Unternehmen bezahlt werden, doch dann kam die Insolvenz

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Die Klasse der letzten Werft-Techniker: Eike-Nils Albrecht (Klassenlehrer), Tommy Ronneberger, Martina Sieratzki (Schulleiterin), Enrico Bensmann, Sven Mockschan, Ralf Lohse, Ronny Jonscher, Mathias Döbbert, Alexander Sterning, Gert Quaas, Ralf Burmeister (v. l.).

Quelle: privat

Stralsund. Die P + S Werften wollten sie zu staatlich geprüften Technikern ausbilden lassen und so Fachkräfte an sich binden. Das war 2011. 30 junge Schiffbauer ergriffen die Chance. Im Jahr darauf sollten es noch einmal so viele sein. An der privaten Fachschule für Technik auf dem Dänholm in Stralsund, die zur Technischen Akademie Nord gehört, begannen sie ihre insgesamt dreieinhalbjährige berufsbegleitende Ausbildung. Doch dann kam etwas, womit niemand gerechnet hatte. Die Pleite des Werftenverbundes, zu dem neben der Stralsunder Volkswerft auch die Peene-Werft in Wolgast gehörte.

Einer von jenen, die damals erst voller Hoffnung in ihre berufliche Zukunft geblickt haben und dann von der Pleite auf den Boden existenzbedrohender Tatsachen gestürzt sind, ist Ralf Lohse. Der heute 30-Jährige damals, im Sommer 2012, noch voller Enthusiasmus, glücklich darüber, die Chance für die Qualifikation bekommen zu haben. „Wir waren knapp 30 Kollegen, die sich auf die Ausbildung vorbereitet haben, die schließlich im Oktober beginnen sollte“, erinnert er sich. „Als dann Ende August die Pleite kam, wusste niemand, wie es weitergehen sollte.“ Aber letztlich sei er davon überzeugt gewesen, die Technikerausbildung auf eigene Kosten durchzuziehen. „Wir waren elf Leute, als dann der Kurs begann, zwei haben dann später noch aufgegeben.“

Parallel zu der Ausbildung hat Ralf Lohse Bewerbungen geschrieben. Es dauerte nicht lange, da hatte der Sassnitzer Erfolg. Die Chefs einer Sagarder Spezialmetallfirma erkannten, dass sie mit Lohse eine Fachkraft an der Angel hatten, stellten ihn ein und sorgten auch dafür, dass er Freitags auf dem Dänholm die Schulbank drücken konnte.

Jetzt hat Ralf Lohse seine Ausbildung endlich beendet. Aus eigener Kraft. Gemeinsam mit acht Mitstreitern seines Jahrgangs. Seit vergangenen Mittwoch hält es eine Urkunde in der Hand, die ihn als staatlich geprüften Maschinentechniker ausweist. „Da ist man schon stolz“, sagt der junge Mann, der in einigen Wochen zudem Vater wird. Von den 30 jungen Leuten, die im Jahr zuvor mit der Ausbildung begonnen hatten, erreichten im Frühjahr 2015 immerhin 24 das Ziel.

Martina Sieratzki, Leiterin der Fachschule für Technik auf dem Dänholm, kann sich noch gut an den Herbst 2012 erinnern, als für jene Schüler, die eigentlich bei der Werft in Lohn und Brot standen, eine Welt zusammen brach. „Die Motivation war ganz unten“, sagt sie. Klassenlehrer Eike Albrecht ergänzt: „Der Unterricht war ganz schwierig, viele sahen anfangs keinen Sinn mehr darin, ihre Ausbildung fortzusetzen.“

Wer an seiner Techniker-Ausbildung auf dem Dänholm festhalten wollte, musste vor allem eine finanzielle Entscheidung treffen. Denn eigentlich wollten die P + S-Werften ja den Kurs bezahlen. Doch das Unternehmen war pleite. Martina Sieratzki: „Eine Lösung des Problems war mit Hilfe des so genannten Meister-Bafögs möglich.“ Auf diese Weise hätten die meisten das Schulgeld in Höhe von gut 5000 Euro jährlich bezahlen können.

Tatsächlich hat sich diese Investition für viele der frisch gebackenen Techniker bezahlt gemacht. „Sieben von den aktuell neun Absolventen haben bereits einen festen Job“, betont Martina Sieratzki.

Im Jahrgang zuvor sei die Quote ähnlich hoch gewesen. Ein Beweis dafür, dass Fachkräfte wirklich knapp sind? Die Schulleiterin ist bei der Beantwortung dieser Frage vorsichtig. „Unsere Region ist industriell wenig geprägt. Da ist das Arbeitsplätze-Angebot für staatlich geprüfte Techniker eher überschaubar.“ Sicher ist sie sich dennoch, dass eine fundierte Fachausbildung ein Pfund ist, mit dem jeder auf dem Arbeitsmarkt wuchern kann.

Tag der offenen Tür

Die Fachschule für Technik in Stralsund gehört zur Technischen Akademie Nord in Kiel, die außerdem Standorte in Hamburg und Rostock hat.

Staatlich geprüfte Techniker werden in Stralsund in den Fachrichtungen Maschinenbau und Elektrotechnik ausgebildet. Die Qualifikation kann man zwischen Meister und Ingenieur einordnen.

Interessenten können sich am Donnerstag von 14 bis 17 Uhr bei einem Tag der offenen Tür in der Fachschule auf dem Dänholm, Ummanzer Straße 4, näher über die Ausbildungsmöglichkeiten informieren.

Von Jens-Peter Woldt

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