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Neue Fremdenverkehrsabgabe spaltet Altefähr

Stralsund Neue Fremdenverkehrsabgabe spaltet Altefähr

Stralsunds Stadtverwaltung hat das vor, was in der Gemeinde Altefähr schon seit Jahresanfang Realität ist: die Fremdenverkehrsabgabe.

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Altefährs Kurdirektor Christopher Fetting verteidigt die Fremdenverkehrsabgabe als demokratische getroffene Entscheidung durch die Gemeindevertreter und möchte diese Gebühr jedoch gerecht verteilen. FOTOS(2): CHRISTIAN RÖDEL

Stralsund. /Altefähr. Die Fremdenverkehrsabgabe ist ein heißes Eisen, an der die Stralsunder Stadtverwaltung noch schmiedet, wohingegen die Gemeinde Altefähr diese schon per Gebührensatzung einziehen darf. Die Reaktionen bei den Gastronomen, Händlern und Ferienwohnungsvermietern sind zweigeteilt. „Wenn die Fremdenverkehrsabgabe wirklich ausschließlich für die effiziente Vermarktung von Altefähr als Seebad genutzt wird, ist das für mich in Ordnung“, sagt Stefan Beyer, Betreiber vom Hafen-Imbiss „Hol über“ in Altefähr.

 

OZ-Bild

„Ich sehe für diese Abgabe keine Gegenleistung von der Gemeinde. Bis heute gibt es in Altefähr keinen EC-Kartenschalter und auch keine Arztpraxis.Mohammad Sheikh, Chef des Cafés am Altefährer Hafen

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Ganz anders sieht das Mohammad Sheikh, Chef des Cafés am Altefährer Hafen im Haus Putbus. Der aus Pakistan stammende Gewerbetreibende meint: „Ich sehe für diese Abgabe keine Gegenleistung von der Gemeinde, bis heute gibt es keinen EC-Kartenschalter und auch keine Arztpraxis“, ereifert sich Sheikh und holt wie zum Beweis das Gästebuch des Cafés hervor. In der Tat bemängeln einige Gäste, neben gleichfalls vielen lobenden Worten für Altefähr, das Fehlen eines Geldautomaten und auch die schlechte Qualität der Bahnhofstraße. Sheikhs 29-jähriger Sohn Hammad führt den kleinen Lebensmittelladen „Dit&Dat“ in der Bahnhofstraße und merkt an, dass die Einzelhändler schon zu kämpfen haben, ihre Geschäfte halbwegs rentabel zu betreiben. Ein Friseurgeschäft musste, laut Sheikh, schon aufgeben, weil die Umsätze für einen Weiterbetrieb nicht mehr ausreichten.

„Wir haben einen klaren Auftrag von der Gemeindevertretung für die Fremdenverkehrsabgabe bekommen, das war eine demokratische Entscheidung, die so beschlossen wurde“, hält Kurdirektor Christopher Fetting dagegen. Laut Fetting beträgt das jährliche Budget für Vermarktungsaktivitäten des Seebades 48 000 Euro. „Von dieser Gesamtsumme steuern wir aus unserem Kernhaushalt 25 000 Euro bei, und die restliche Differenz von 23 000 Euro müssen wir auf möglichst breite Schultern verteilen“, stellt Fetting klar. Der Status als staatlich anerkanntes Seebad sei nach seiner Ansicht nicht zum Nulltarif zu haben. Selbst die Nennung in einschlägigen Portalen koste richtig Geld, so Fetting.

Die Fremdenverkehrsabgabe sieht unter anderem vor, dass pro vermietetem Bett genau 20 Euro zu berappen sind und für jeden gastronomischen Sitzplatz 4,90 Euro. Zudem wird bei den Einzelhändlern nach einem so genannten 10-Stufen-Modell die Abgabe berechnet. So müssen beispielsweise Geschäftsinhaber mit einem Verkaufsraum bis 100 Quadratmeter jährlich 325 Euro bezahlen.

„Von 90 Vermietern, vier gastronomischen Betrieben und etwa 25 Gewerbetreibenden wie Physiotherapie, Kosmetiksalon, Energieberatung oder Architekturbüro verlangen wir die Fremdenverkehrsabgabe“, umreißt Fetting, der auch Chef der Altefährer Hafen- und Tourismuswirtschaft ist, den Kreis der Abgabepflichtigen. Bis zum 1. Juli werden die Bemessungen der Gebühren für die Abgabepflichtigen abgeschlossen sein, und wenig später werden die Bescheide herausgeschickt. „Wenn sich jemand ungerecht behandelt fühlen sollte, sind wir gesprächsbereit und schauen uns gemeinsam noch einmal die Bemessungsgrundlage an“, meint Fetting. Altefährs Bürgermeister Ingulf Donig (SPD) hofft, dass in diesem Jahr noch ein Arzt oder eine Ärztin eine Praxis im Seebad eröffnet. „Wir bleiben dran und können eventuell in diesem Jahr noch eine Praxiseröffnung verkünden“, gibt sich Donig optimistisch. Übrigens wird zum 1. Mai die neue Touristeninformation bis zum Saisonende täglich geöffnet sein - ohne Fremdenverkehrsabgabe wäre dieser Service nicht möglich.

Touristische Abgaben

Über eine Fremdenverkehrsabgabe wird auch in der Hansestadt Stralsund bereits seit Monaten diskutiert. Während die Industrie- und Handelskammer sie strikt ablehnt, weil die Abgabenlast für die Firmen bereits jetzt als zu hoch angesehen wird, halten Hoteliers und Gastronomen eine Fremdenverkehrsabgabe für sinnvoll, wenn sie zum Beispiel für das Marketing eingesetzt wird, um Stralsund als Urlaubsziel in Deutschland und darüber hinaus noch bekannter zu machen.

Eike Sadewater , der Geschäftsführer des Scheelehofs in Stralsund, hatte in diesem Zusammenhang gefordert, dass jede Firma im Erholungsgebiet der Stadt zur Kasse gebeten werden soll. Er begründete dies damit, dass jeder Betrieb auf irgendeine Weise mit Tourismus Geld verdient. Im Unterschied zur Kurtaxe, die von den Touristen selbst bezahlt wird, muss die Fremdenverkehrsabgabe von den Firmen und Einrichtungen bezahlt werden, die mit den Gästen Geld verdienen.

Christian Rödel

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