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Neues Wohngebiet: Gärtner fürchten um ihre Lauben

Stralsund Neues Wohngebiet: Gärtner fürchten um ihre Lauben

Etwa 30 bis 40 Parzellen in der Sparte „Erholung und Frieden Stralsund“ sind bedroht / Investor plant neue Häuser an der Parower Chaussee

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Viele Kleingärtner des Vereins „Erholung und Frieden Stralsund“ fürchten um ihre Parzellen. Etliche Gärten sollen für Wohnhäuser weichen. Ingo Bars (63, v.l.), Hans Krämer (59) und Horst Kania (79) wollen sich das nicht einfach gefallen lassen.

Quelle: Foto: Alexander Müller

Stralsund. Etliche Kleingärtner an der Parower Chaussee in Stralsund fürchten um ihre Parzellen, die sie jahrelang gehegt und gepflegt haben. In der Sparte „Erholung und Frieden Stralsund“ sollen etwa 30 bis 40 Gärten platt gemacht werden, um Platz für neue Wohnhäuser zu schaffen. Bebaut werden soll nach Angaben der Stadtverwaltung eine Fläche östlich von Prohner Straße und Parower Chaussee, die früher von der Entsorgungs GmbH genutzt wurde (siehe Karte).

OZ-Bild

Etwa 30 bis 40 Parzellen in der Sparte „Erholung und Frieden Stralsund“ sind bedroht / Investor plant neue Häuser an der Parower Chaussee

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„Diese Überlegungen beziehen auch angrenzende Kleingartenflächen mit ein“, sagt Ekkehard Wohlgemuth, Leiter des Amtes für Planung und Bau. Investor ist seinen Angaben zufolge ein privater Eigentümer zweier Grundstücke. Nach OZ-Informationen handelt es sich dabei um den Stralsunder Unternehmer Volker Borbe, der auch das gleichnamige Transportunternehmen betreibt. Borbe hat sich auf OZ-Anfrage nicht zu den Plänen geäußert. Ebenfalls im Boot der Investoren sitzt die Landesgrunderwerb GmbH, an der das Land MV beteiligt ist.

Ingo Bars gehört zu den Gartenfreunden, die ihre Laube abgeben sollen – es wäre für den 63-Jährigen bereits das dritte Mal. 1981 wurde auf seinen Beeten das Heizwerk Franken errichtet. Seit 2009 verläuft der Ostseeradweg an der Schwedenschanze dort, wo vorher seine Blumen blühten. „Eigentlich sollte der dritte Garten nun der Altersruhesitz für mich und meine Frau werden. Dieser Traum ist nun geplatzt“, sagt er.

Am 31. März sind die Gartenfreunde bei einer Versammlung im Vereinshaus durch Stadtverwaltung und Investor über die Pläne informiert worden. Der Umgang mit ihnen sei harsch gewesen. „Uns wurde mehr oder weniger gedroht, wenn wir klagen, bekommen wir keine Abfindung“, erinnert sich Bars. Kleingärtner in Deutschland haben einen gesetzlichen Anspruch auf eine Entschädigung, wenn ihre Pachtverträge gekündigt werden. Ingo Bars sagt, er habe rund 12000 Euro in seinen Garten investiert. Bis zum 12. Mai sollen die Gartenfreunde eine Entscheidung treffen, ob und unter welchen Bedingungen sie ihre Gärten abgeben. Der Vorsitzende des Vereins wollte sich auf Anfrage übrigens nicht äußern. Er habe Angst vor Ärger mit dem Investor.

Michael Adomeit, Einzelmitglied in der Stralsunder Bürgerschaft, kritisiert das Schnellverfahren, mit dem die Kleingärtner abgefertigt werden. „Die Gartenfreunde sollen sich innerhalb von ein paar Wochen entscheiden. Dabei wird an dem Projekt schon viel länger rumgerührt“, sagt er. Adomeit sieht schlechte Zeiten für die Kleingärtner in der Hansestadt heraufziehen. „Der Trend geht dahin, aus den Gärten Bauland zu machen. Dabei waren die mal die grüne Lunge der Stadt.“

Stadtspecher Peter Koslik versucht derweil, die Wogen zu glätten. Die Gespräche seien noch am Anfang. „Bevor nicht alle Gremien, die in den Entscheidungsprozess einzubeziehen sind, ihr Votum abgegeben haben, passiert nichts, was den Interessen der Kleingärtner widersprechen würde.“

Stadtverwaltung erarbeitet Kleingartenkonzept

Gemeinsam mit dem Kreisverband der Gartenfreunde erarbeitet die Stralsunder Stadtverwaltung derzeit ein Kleingartenkonzept. Derzeit laufe eine Bestandserfassung, informiert Ekkehard Wohlgemuth, Leiter des Amtes für Planung und Bau.

Außerdem gebe es Gespräche mit den einzelnen Sparten. Wohlgemuth betont, dass es zwar keinen Plan gebe, Gartensparten in großem Maßstab zu verdrängen. Es würde jedoch über einzelne Standorte diskutiert, insbesondere dann, wenn konkrete Bauvorhaben anstehen.

Alexander Müller

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