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Nitrat im Wasser: Versorger schlagen Alarm

Lüssow Nitrat im Wasser: Versorger schlagen Alarm

Brunnen müssen aufgegeben werden / Landwirtschaft unter Kritik / Diskussion im Umweltausschuss des Kreistages

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Der Umweltausschuss des Kreistages Vorpommern-Rügen tagte am Donnerstag im Rewa-Wasserwerk Lüssow. Abteilungsleiter Thomas Zimmermann (links vorne) erläuterte beim Rundgang die neue Filtrationsanlage zur Sulfatminimierung, eine 3,4 Millionen-Euro-Investition.

Quelle: Fotos: Peter Schlag

Lüssow. Die Wasserversorger im Landkreis schlagen Alarm: Die zunehmende Nitratbelastung des Grundwassers sorgt dafür, dass immer mehr Brunnen nicht mehr genutzt werden können.

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Brunnen müssen aufgegeben werden / Landwirtschaft unter Kritik / Diskussion im Umweltausschuss des Kreistages

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Die Situation sowie die Entwicklung der Trinkwasserversorgung in Vorpommern-Rügen waren am Donnerstagabend Thema im Umweltausschuss des Kreistages. Er tagte im Wasserwerk Lüssow bei Stralsund.

Vier Wasserversorger sind im Landkreis tätig. Das sind der Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Rügen (Zwar), der Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung Grimmen (Zwag), die Regionale Wasser- und Abwassergesellschaft (Rewa) Stralsund und die Wasser- und Abwasser GmbH Boddenland (Ribnitz-Damgarten).

Dass die Sulfat- und Nitratwerte im Grundwasser steigen, zeigen Untersuchungen der Unternehmen an verschiedenen Standorten. Folge: Teils müssen Brunnen außer Betrieb genommen werden bzw. das Wasser muss mit mehr Aufwand gefiltert werden. Die Stralsunder Rewa hat in Lüssow im vergangenen Jahr eine so genannte Sulfatminimierungsanlage eingeweiht. Sie hat rund 3,4 Millionen Euro gekostet, erläuterte der Rewa-Abteilungsleiter für Wasserwerke, Thomas Zimmermann, dem Umweltausschuss. Notwendig wurde dies, weil nach der Änderung der Trinkwasserverordnung 2011, das Wasser aus Lüssow mit seinen 310 Milligramm Sulfat je Liter den Grenzwert überschritt. Seit vergangenem Herbst ist das Geschichte. Das Sulfat wird jetzt in der hochmodernen Nanofiltrationsanlage auf 190 mg/l ausgefiltert.

Ein aktuelles Problem bei der Trinkwasserversorgung betrifft das Barther Umland. Die Wasserfassung Sundischer Berg weist eine zunehmende Nitratbelastung auf. Konsequenz: Diese Entnahmestelle werde nicht zu halten sein, stellte Eugen Turnow von der Boddenland klar. Wahrscheinlich müsse man sie noch dieses Jahr aufgeben. Doch was dann? Schon jetzt holt die Boddenland Wasser aus anderen Wasserwerken, etwa aus Divitz und Martenshagen hinzu, da am Sundischen Berg nur noch Wasser aus einem der vier Brunnen unterm Grenzwert liegt. Hinzu komme, dass der Wasserverbrauch steige, auch wegen der touristischen Entwicklung und des damit verbundenen hohen Bedarfs in den Sommermonaten. „Wir blicken sorgenvoll in die Zukunft“, betonte Turnow. Westlich von Schulenberg könnte die Boddenland ein Wasservorkommen nutzen, als strategische Reserve für 3200 Kubikmeter am Tag. Dazu laufen derzeit Anträge.

Nicht nur die Boddenland musste schon Brunnen außer Betrieb nehmen, auch der Zwag. Dies betraf das Wasserwerk Reinberg, erläuterte Geschäftsführer Eckhart Zobel: „Dort mussten wir einen Brunnen aufgeben.“

Die Versorgungsunternehmen machen vor allem die Landwirtschaft für diese Entwicklung verantwortlich. Grund für Ausschussmitglied Michael Schmidt, das Spannungsfeld Landwirtschaft und Wasserversorger zu hinterfragen. „Es geht nur im Miteinander“, betonte Rewa-Geschäftsführer Jürgen Müller. Wasserschutzzonen müssen rechtlich abgesichert werden, um klare Verhältnisse zu schaffen, so Eckhart Zobel:

Genehmigungsverfahren aber dauerten zu lange, liefen teils über Jahre.

61 Wasserwerke kreisweit

120 Liter — das ist der Wasserverbrauch derzeit in Deutschland pro Einwohner und Tag.

Die Wassergewinnung belief sich in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2013 — das ist die aktuellste Erfassung — auf 93 104 000 Kubikmeter. Das Gros hiervon ist Grundwasser, mit insgesamt 78 048 000 Kubikmetern.

52 Wasserversorger sind derzeit in Mecklenburg-Vorpommern tätig, vier sind es in Vorpommern-Rügen.

61 Wasserwerke gibt es insgesamt in unserem Landkreis, die meisten auf Rügen. Zu den traditionsreichsten Standorten gehört das Rewa-Wasserwerk in Lüssow, das ursprünglich im Jahr 1894 errichtet wurde.

Von Peter Schlag

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