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Restaurator warnt vor Pionierhaus-Abriss

Stralsund Restaurator warnt vor Pionierhaus-Abriss

Wolf Thormeier hat vor zehn Jahren das Gebäude untersucht / Er hält es für ein wertvolles Zeugnis der Stadtgeschichte

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Das ehemalige Pionierhaus an der Stralsunder Brunnenaue ist in einem schlechten Zustand. Der Restaurator Wolf Thormeier hält es dennoch für schützenswert. Bei einer Untersuchung vor zehn Jahren ist er auf kostbare Details gestoßen.

Quelle: Stefan Sauer

Stralsund. Der geplante Abriss des ehemaligen Pionierhauses in Stralsund hat für einen Aufschrei in der Bevölkerung gesorgt. Auch der Restaurator Wolf Thormeier schreibt in einem Brief, er habe „mit Bestürzung“ den OZ-Artikel über die Pläne der Stadtverwaltung gelesen. Der Experte hatte nach eigenen Angaben vor zehn Jahren eine restauratorische Voruntersuchung in dem Gebäude durchgeführt. Auf Grundlage seiner Feststellungen fordert er die Verantwortlichen auf, den Abriss noch einmal zu überdenken. „Ich bin natürlich einige Jahre nicht im Gebäude gewesen und kenne auch nicht den jetzigen Zustand, weiß aber doch, dass die Denkmalpflege auch bei Gebäuden in schlimmerem Zustand eine Sanierung unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten forderte“, meint Thormeier.

OZ-Bild

Wolf Thormeier hat vor zehn Jahren das Gebäude untersucht / Er hält es für ein wertvolles Zeugnis der Stadtgeschichte

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Die Stadtverwaltung sieht das anders und will das Grundstück im Sommer verkaufen — und zwar mit der Erlaubnis, das Pionierhaus abzureißen. Wie das Rathaus mitteilt, wurde bereits ein sogenannter Bauvorbescheid erteilt, der einen Neubau grundsätzlich ermöglicht. Es gebe zwei potenzielle Käufer, die ihr Interesse aber an einen Abriss des Pionierhauses knüpfen. Nach OZ-Informationen plant Hendrik Lastovka, Sohn des früheren Oberbürgermeisters Harald Lastovka und CDU-Bürgerschaftsmitglied, einen Neubau auf dem Gelände mit Räumen für ein Fitnesscenter und ein Sanitätsgeschäft (die OZ berichtete).

Der Bescheid sei im Einvernehmen mit der Denkmalschutzbehörde des Landes erteilt worden, heißt es aus dem Rathaus. „In den zurückliegenden eineinhalb Jahren wurde gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Gutachtern untersucht, inwieweit zumindest Teile davon erhalten werden könnten. Die Sanierung würde einem weitgehenden Neubau gleichkommen“, heißt es in einer Stellungnahme der Stadt.

Restaurator Wolf Thormeier betont hingegen die Fülle von historischen Zeugnissen, die er in dem 1850 errichteten Haus gefunden habe. Damals war es das Vereinsgebäude der Stralsunder Bürger-Ressource-Gesellschaft, ab 1950 wurde es als Pionierhaus genutzt. Unter einer später verkleideten Decke entdeckte Thormeier beispielsweise Landschaftsmalereien und schablonierte Friese. Auch Treppen und Innentüren aus der Erbauungszeit sowie die Fachwerkkonstruktion mit verschiedenfarbiger Ziegelausmauerung seien bemerkenswert. Gebäude und Park seien seit der Erbauungszeit fast überhaupt nicht verändert worden, so dass es „sich hier um ein seltenes Zeugnis einer Ausflugsgaststätte des 19. und 20. Jahrhunderts im Vorstadtgebiet Stralsunds handelt“.

Das Resümee Thormeiers ist daher eindeutig: „Ich weiß, dass viele ältere Stralsunder sich an dieses Lokal noch gut erinnern können und es wäre traurig, dieses Gebäudeensemble einem Fitnesscenter-Neubau zu opfern.“

Die Entscheidung darüber trifft am Ende die Bürgerschaft. Wenn alle erforderlichen Dokumente des Käufers im Rathaus vorliegen, wird eine entsprechende Beschlussvorlage erarbeitet. Die Stadtverwaltung rechnet damit, dass es im Sommer soweit sein wird.

FACEBOOK

Auf den OZ-Bericht „Stadt will früheres Pionierhaus am Knieperdamm abreißen“ vom 22. März gab es etliche Reaktionen auf Facebook:

Jutta Jürgens: Das ist eine Sauerei, wie ich finde. Wieder einmal wird ein Stralsunder Original dem Boden gleich gemacht und wieder haben die Stralsunder keinen Einfluss darauf. Hieß es ca. 2008 noch, es soll renoviert und zu einem Ausflugslokal ausgebaut werden, soll es nun doch abgerissen und die wunderschöne Fläche zubetoniert werden. Mal davon abgesehen, dass es doch genug Fitnessstudios in der Stadt gibt, sollte man vielleicht bedenken, dass dieses Kleinod der Natur mitten in der Stadt durchaus seine Bewohner hat, wie zum Beispiel eine Waldkauz-Familie, die in der Brunnenaue und regelmäßig Junge großzieht.

Kathleen Jawi: Wie wäre es, wenn man dort endlich mal einen schönen Spielplatz mit kleinem, gemütlichem Park inklusive Bänken bauen würde und dazu ein kleines, niedliches Café eröffnet.

Sebastian Tacke: Alle, die sich ein schönes Café oder ähnliches wünschen: Einfach mal mit der Hausbank reden, einen Finanzierungsplan aufstellen, den Kredit beantragen und schon kann es losgehen! Wer das nicht kann, der sollte sich nicht darüber aufregen, wenn andere ein Konzept haben, mit dem sie Geld verdienen können. Ich geh mal davon aus, dass die Stadt für dieses Grundstück in dieser Lage einen vernünftigen Kaufpreis erzielen kann. Im übrigen würden sich die Bewohner des angrenzenden Seniorenheimes massiv gegen eine Nutzung als Biergarten oder ähnlichem wehren.

Monika Bublitz: Das ist doch nichts Neues in Stralsund. Ob denkmalgeschütztes Haus oder Bäume, wenn es stört oder jemand mit Einfluss dort bauen will, kommt es weg. Wie viel Bäume mussten schon sterben in HST...

Petra Verhoeven: Ist doch gut wenn endlich etwas passiert. Mit einem Biergarten ist dort kein Geld zu verdienen. Zapfenstreich um 22 Uhr.

Umweltverbände wollen Bäume am Pionierhaus schützen

Die Stralsunder Ortsverbände der Naturschutzorganisationen Nabu und Bund sorgen sich um die Bäume im Park des ehemaligen Pionierhauses an der Brunnenaue. Sie befürchten, dass es bei einem Neubau auch zu Eingriffen in die Natur kommen könnte. Die Umweltschützer wollen deshalb ein Baumgutachten in Auftrag geben, das sich auf die 300 Jahre alte Eibe und zwei 120 Jahre alte Linden auf dem Grundstück fokussieren soll . „Wir wollen damit untermauern, dass der Park schützenswert ist“, sagt Fabian Czerwinski, Vorsitzender der Bund-Ortsgruppe. Er fordert, dass die Bäume in etwaige Bebauungspläne miteinbezogen werden. Die Stadtverwaltung verspricht zwar, die alte Eibe zu erhalten, schließt ansonsten aber nichts grundsätzlich aus. Auf OZ-Anfrage ist lediglich von einer „

Minimierung der Eingriffe in den vorhandenen Baumbestand“ die Rede.

Von Alexander Müller

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