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Sassnitz sperrt Seesteg wegen Baufälligkeit

Sassnitz Sassnitz sperrt Seesteg wegen Baufälligkeit

Experten führen gegenwärtig eine Brückenprüfung durch und haben am Bauwerk gravierende Schäden festgestellt

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Hinweisschilder warnen und Ketten verwehren den Zugang – auf dem Seesteg am Fuße der Altstadt in Sassnitz können Passanten nicht mehr ein Stück über die Ostsee laufen. Die Stadt hat das Bauwerk wegen Baufälligkeit gesperrt.

Quelle: Udo Burwitz

Sassnitz. Auf ein Vergnügen müssen Sassnitz-Besucher ab sofort verzichten: Sie können nicht mehr über das Wasser gehen. Zumindest am Fuße der Altstadt ist dies der Fall.

Dort ragt der etwa 105 Meter lange Seesteg wie ein „Finger in die Ostsee“ und lädt zu dem vergnügen ein. Doch der 100-Meter-Lauf über das Wasser ist tabu. Die Stadt hat die Brücke gesperrt. „Am Bauwerk sind gravierende Mängel festgestellt worden. Die Sicherheit ist nicht mehr gewährleistet“, begründet Bauamtsmitarbeiterin Elke Schmeling.

Die gravierenden Mängel haben Experten des Ingenieurbüros Grassl aus Greifswald festgestellt. „Sie nehmen das Bauwerk seit dieser Woche genau unter die Lupe und führen eine Brückenprüfung durch“, sagt Siegfried Adelsberger, Geschäftsführer der Hafenbetriebs- und Entwicklungsgesellschaft Sassnitz (HBEG). Die kümmert sich im Auftrag der Stadt und auf der Grundlage eines geschlossenen Betreuungsvertrages um den Unterhalt des Seesteges. Obwohl die Prüfung noch nicht abgeschlossen ist, sind die ersten Untersuchungsergebnisse alarmierend. „Bodenbelag und Unterkonstruktion weisen Pilzbefall auf. Die Längshölzer, auf denen die Oberkonstruktion aus Holz montiert ist, sind teilweise so schwach, dass sie ausgetauscht werden müssen“, gibt der HBEG-Chef wieder, was die Experten festgestellt haben. Um diese Schäden zu beseitigen, müsste der gesamte Oberbau erst einmal abgenommen werden. Doch damit nicht genug: Auch die Betonstützen der Brücke sind teilweise marode. Sie weisen Risse auf. An diesen Stellen korrodiert der Bewährungsstahl. Die Experten haben die Notbremse gezogen und attestieren dem Seesteg, „dass die Stand- und Verkehrssicherheit wegen der massiven Schäden nicht mehr gewährleistet ist“, bringt Siegfried Adelsberger das Ergebnis auf den Punkt. Deshalb sei die sofortige Sperrung vorgenommen worden.

„So weit hätte es nicht kommen müssen“, erhebt Stadtvertreter Steffen Schröers den Vorwurf mangelnder Pflege. Für den Unterhalt des Seesteges sei ein Fonds gebildet worden, in dem jährlich ein Betrag eingestellt werde. „Doch dieser Fonds wurde in der Vergangenheit nicht immer ausgeschöpft“, erinnert der Kommunalpolitiker, dass die Alternative Freie Wählergemeinschaft (AFW), der er angehört, bereits 2012 sogar schon Geld für das Brückenbauwerk gesammelt hat und an den Bürgermeister damals einen Scheck über 770 Euro übergeben konnte.

„Wir führen kontinuierlich Reparaturen durch, wenn zum Beispiel am Geländer oder Laufsteg schadhafte Balken und Bohlen ausgetauscht werden müssen“, widerspricht Siegfried Adelsberger. Die ersten und jetzt vorliegenden Untersuchungsergebnisse stuft er als „nicht überraschend“ ein, denn die „Alterungsschäden“ an den Betonstützen seien bereits vor Jahren festgestellt worden und auch den Stadtvertretern bekannt. „Ein Gutachter sollte die Schäden schon damals genauer unter die Lupe nehmen. Doch es fehlte das Geld dafür.“ Laut HBEG-Geschäftsführer kostet so eine Tiefenprüfung am Brückenbauwerk immerhin zwischen 10000 bis 12000 Euro.

Diese Prüfungen sind turnusmäßig für Seebrücken zum Anlegen von Schiffen vorgeschrieben, erläutert Adelsberger. „Nur leider können keine Schiffe an unserem Seesteg anlegen“, beschreibt er das Dilemma. Für diesen Zweck wurde der rund 105 Meter lange „Finger“ in den 1990er Jahren aber eigentlich in die Ostsee gebaut. Weil das Gewässer am Steg aber zu flach ist, können ihn zum Beispiel Ausflugsdampfer nicht ansteuern.

Der Seesteg avanciert damit – zumindest seiner Zweckbestimmung nach – zu einer Fehlinvestition. Die Brücke dient nur Spaziergängern zum Flanieren und Möwen als Schlafplatz. Ein zeimlich kostspieliges Vergnügen, für die Stadt, die andere, dringende Großbaustellen wie den Umbau und die Erweiterung der Schulen oder die Tierparkgestaltung hat. Vor diesem Hintergrund werde selbst in der Kommunalpoltik schon über die Frage nach dem Erhalt oder dem Abriss des Stegs gestritten, räumt Steffen Schröers ein. „Die Stadtvertretung ist gespalten.“

Freigegeben haben die Volksvertreter zumindest erst einmal das Geld für die laufende Brückenprüfung. Dazu gehöre auch, dass eine Kostenschätzung für zu beseitigenden Schäden erarbeitet wird, erläutert Siegfried Adelsberger. Die werde der Kommunalpoltik vorgelegt. „Dann müssen sich die Stadtvertreter dazu positionieren.“

Auf dem „Finger“ ins Meer übers Wasser

105 Meter lang ist die Sassnitzer Seebrücke in etwa. Errichtet wurde sie im Zuge des allgemeinen Seebrückenbaus in den 1990er Jahren auf der Insel Rügen. Im Unterschied zu ihren „Schwestern“ kann an der Sassnitzer Brücke aber kein Schiff anlegen, weil das Wasser zu flach ist. Damit avanciert der Seesteg zu einer Fehlinvestition. Hoch im Kurs steht die Brücke dennoch bei Besuchern für einen Spaziergang über dem Wasser.

Udo Burwitz

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