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Schienen und Schablonen: Zahntechnik kommt heute aus dem 3D-Drucker

Richtenberg Schienen und Schablonen: Zahntechnik kommt heute aus dem 3D-Drucker

Richtenberger Dentallabor Kock seit 25 Jahren am Markt / 54 Mitarbeiter stehen hinter rasanter Entwicklung

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Die 33-jährige Zahntechnikerin Maja Trapp — sie pendelt jeden Tag von Stralsund nach Richtenberg — zeigt uns das Modell, das der 3D-Drucker nach genauesten digitalen Daten „ausspuckt“.

Quelle: Fotos: Ines Sommer

Richtenberg. Es ist Pionierarbeit, die das Dentallabor Kock in Richtenberg leistet. Seit einem Jahr steht hier ein 3D-Drucker Sheraeco-print 30. Was für Otto Normalverbaucher einfach nur unaussprechlich scheint, ist auf der internationalen Zahntechniker-Bühne zurzeit einer der schnellsten und präzisesten Drucker. Und mit dem haben sich die Vorpommern so eingefuchst, dass sie deutschlandweit das Niveau in der modernen Zahntechnik mitbestimmen. Hinter dem Erfolg, der sich über 25 Jahre entwickelte, stehen 54 Mitarbeiter, darunter fünf Meister, viele Zahntechniker, Bürofachleute und drei Lehrlinge.

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Das 3D-Spezialistenteam im Richtenberger Dentallabor: Die Zahntechniker Danilo Beetz und Maja Trapp (vorn von rechts) sowie die beiden Meister Klaus Hensel (Mitte) und Christoph Both (r.) arbeiten seit einem Jahr mit der neuen Technik und werden dabei beraten von Martin Becker, Anwendungstechniker der Firma Shera Werkstofftechnologie.

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Was ist das Besondere an der 3D-Entwicklung? Mit dem in Richtenberg angewendeten Hightech-Verfahren lassen sich Aufbiss-Schienen (Zähneknirscher kennen das Teil), Zahnmodelle, Abdrücke oder Bohrschablonen für Zahnimplantate herstellen. Aber auch das Provisorium, das man vom Zahnarzt bekommt, bevor die „Dritten“ eingesetzt werden, spuckt der hochmoderne Drucker aus. „Der Drucker braucht natürlich im Vorfeld ganz genaue digitale Daten, die die Situation im Patientenmund exakt darstellen“, sagt Zahntechniker Danilo Beetz bei einem Labor-Rundgang. Der 31-jährige Richtenberger erklärt weiter: „Dafür macht der Zahnarzt entweder den bei Patienten unbeliebten Abdruck mit der eklig-feuchten Masse, oder er ist technikaffin und liefert die nötigen Informationen per Mundscanner.“

Die Daten aus der virtuellen Welt wandelt der Hightech-Drucker in reelle Teile um, und zwar mit flüssigem Kunststoff. Viele dünne Schichten und eine kurze Belichtung sorgen dafür, dass dann ein fertiges Modell aus dem Drucker kommt. Was Zahntechnikermeister Klaus Hensel (39) da an einem Zahnmodell erklärt, lässt den Betrachter einfach nur staunen, so unvorstellbar ist dieser technische Fortschritt. Und auch sein Kollege, Meister Christoph Both, ist begeistert. Er schätzt an dem Verfahren die besonders genauen Drucke der Bohrschablonen. „Das Material, aus dem die Schablone gedruckt ist, entspricht den sehr hohen Anforderungen an ein Medizinprodukt.“

Die 3D-Technik bietet jedoch noch ganz andere Möglichkeiten. So arbeitet das Richtenberger Dentallabor eng mit Gesichtschirurgen der Universität Greifswald zusammen. „Wir haben da für einen Krebspatienten eine neue Nase modelliert. Das war eine knifflige Aufgabe, wir mussten das Gesicht des Mannes genau vermessen. Und die Nase musste ja auch funktionieren, der Mann muss durch die Epithese atmen können“, erklärt Christoph Both. Der 49-Jährige aus Velgast ist seit 20 Jahren dabei und sagt: „Mit der 3D-Technik kann man einfach so viel machen, das ist unsere Zukunft.“

Das Unternehmen Kock hat drei Standorte in Deutschland — im niedersächsischen Wallenhorst, in Pritzwalk in Brandenburg und in Richtenberg. Warum hat sich der Firmenchef Gerd Kock gerade für den vorpommerschen Betrieb entschieden, um die 3D-Technik anzuwenden? „Ein Aspekt war die verkehrsgünstige Lage. Wir sind als Dienstleister schnell bei unseren Kunden in Greifswald, Rostock, Grimmen, auf Rügen oder per Autobahn in Berlin“, sagt Gerd Kock, der das Familienunternehmen in zweiter Generation leitet. Der 46-jährige Geschäftsführer betont aber auch: „Hier arbeiten sehr engagierte Zahntechniker. Qualität wird groß geschrieben. Und man legt Wert auf die Ausbildung junger Leute. Mehrere Bundessieger oder 2. und 3. Plätze bei den Lehrlingsvergleichen belegen das.“ Und es bestehen enge Kontakte zwischen Labor und Zahnärzten.

„Es ist doch was Schönes, wenn ich hier etwas mache für einen Patienten vor Ort, als wenn die Schiene zum Beispiel aus China kommt“, findet auch Ramona Neitzel, die im Richtenberger Labor die Fäden in der Hand hält. Sie war es auch, die nach dem Ende des Landambulatoriums 1991 in Richtenberg für die Zahntechniker einen neuen, zuverlässigen Partner suchte und mit Kock auch gefunden hat.

Labor-Fakten

8 Leute haben einst im Dentallabor angefangen. Nach dem Ende des Landambulatoriums in Richtenberg war man zunächst in Franzburg untergebracht. Das war 1991.

1993 startete Kock mit dem Neubau in Richtenberg direkt an der Landesstraße von Stralsund nach Tribsees. 1997 erfolgte hier bereits ein Anbau, weil der Mitarbeiterstab ständig gewachsen ist. In diesem Jahr wurde das Labor renoviert.

25. Geburtstag feiert das Unternehmen am 16. September mit Kunden und Gästen auf dem Firmengelände in Richtenberg.

54 Mitarbeiter zählt das Dentallabor, dazu gehören fünf Meister, fünf Fahrer, vier Verwaltungsmitarbeiter, drei Lehrlinge und über 30 Zahntechniker. Tendenz wachsend.

Viele Urkunden zeugen von der sehr guten Lehrlingsausbildung in Richtenberg. Doch es sei immer schwerer, Nachwuchs zu finden, sagt Laborleiterin Ramona Neitzel. Deshalb biete man den jungen Leuten auch immer ein Praktikum an, bevor sie sich entscheiden. Für das neue Ausbildungsjahr sind jedenfalls noch Bewerbungen gefragt...

260 Leute sind in allen drei Laboren der Firma Kock beschäftigt. Stammsitz ist das niedersächsische Wallenhorst, dazu kommen Pritzwalk in Brandenburg und das vorpommersche Richtenberg.

Weitere Infos: Dentallabor Kock, Stralsunder Straße 3, 18461 Richtenberg, ☎038322/5350.



Ines Sommer

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