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Stralsund Schiffbauer werden Kraftwerkstechniker

Weiterbildung macht Hoffnung: Das Haus der Wirtschaft schult 32 ehemalige Werftarbeiter um.

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Hartmut Maaß, Hartmut Vogt, Detlef Schudlik, Yvon Hentschel, Andreas Wulfgramm, Gert Quaas und Herbert Keipke (v. l.) bei der Montage des Regelventils auf ein Turbinenoberteil. Fotos (4): Wenke Büssow-Krämer

Stralsund. Ehemaligen Werftarbeitern eine Perspektive bieten — diesem Projekt haben sich das Europäische Bildungswerk für Beruf und Gesellschaft (EBG) Magdeburg, die Arbeitsagentur Stralsund und das Haus der Wirtschaft verschrieben. Daraus entstand eine Weiterbildungsmaßnahme, die Hoffnung gibt: Ausgebildet werden Fachkräfte für Kraftwerkstechnik in der Fachrichtung Turbine. Am Ende sollen die Teilnehmer über Qualifikationen verfügen, die weltweit gebraucht und gesucht werden.

Das Haus der Wirtschaft setzt hier bewusst auf die Kenntnisse des Werftpersonals. „Wir können das Knowhow der Fachkräfte nutzen und sie weiterbilden“, sagt Geschäftsführer Ralf Giebener. „Ihre Kenntnisse und Fähigkeiten mit Metall zu arbeiten, sind gefragt.“

Zu den Teilnehmern gehört Yvon Hentschel. „Metall ist Metall“, meint die Schweißermeisterin. Deshalb habe sie keinerlei Berührungsängste vor den Maschinen, mit denen man einen ganzen Stadtteil mit Strom versorgen könnte. „Hauptsache ist doch, ich werde auch weiterhin gebraucht. Denn mit 50 noch etwas anderes zu finden, wird schwierig. Da bin ich auch bereit, woanders meine Chance zu nutzen“, betont die einzige Frau zwischen 31 Männern.

Die Aussichten, in dieser Branche einen dauerhaften Arbeitsplatz zu finden, stehen mehr als gut. „Allein in Deutschland werden derzeit 300 Fachkräfte gesucht“, bestätigt Gunter Lehmann. Der Fachdozent ist für den Aufbau von Kraftwerken weltweit unterwegs und arbeitet mit den Teilnehmern an einer Dampfturbine AEG-Kanis.

Etwa 3000 Turbinen dieser Größenordnung sind in Deutschland als Antrieb von Generatoren, Verdichtern oder Pumpen im Einsatz. „Durch die Energiewende wurden viele alte Turbinen wieder auf den neuesten Stand gebracht, für die alle zwei Jahre eine Revision fällig ist. Und dafür werden diese Leute benötigt“, berichtet Lehmann. Das bringe jedoch eine Montagetätigkeit quer durch Deutschland mit sich.

Außerdem bedeutet die Arbeit an den Maschinen für die Schiffbauer durchaus eine große Umstellung. „Eine Turbine ist sensibler als jede Uhr am Handgelenk“, erklärt der Ausbilder. Turbinen dieses Typs finden ihren Einsatz in Kraftwerken, Brauereien oder Papierfabriken. In den Rostocker Stadtwerken laufen beispielsweise gleich vier dieser Exemplare. Kleinere, ähnliche Modelle findet man auch in Windrädern.

Für Hartmut Vogt ist die Arbeit an den Maschinen ein Lichtblick. „Diese Weiterbildung bietet mir eine Perspektive, wenn man nach 39 Jahren auf der Werft nach Hause geschickt wird. Wir wollen arbeiten“, sagt der 57-Jährige. Die Teilnehmer im Alter von Mitte 20 bis Mitte 50 Jahren bekommen neben den 400 Praxisstunden in der Werfthalle und 900 Theoriestunden im Haus der Wirtschaft auch in einem Praktikum von 160 Stunden das notwendige Handwerkszeug vermittelt. Um bei der Montage, Demontage, Wartung und Reparatur solcher Dampfturbinen eingesetzt werden zu können. Das Haus der Wirtschaft ist vom Erfolg dieser Maßnahme überzeugt. „Wer will, findet hierin seine Zukunft“, meint Burkhard Kremer. „Erstmalig entsteht auf der Werft wieder etwas mit Zukunft“, ist der Teamleiter überzeugt.

 



Wenke Büssow-Krämer

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