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Steinhäger Mühle mal wieder „oben ohne“

Steinhagen Steinhäger Mühle mal wieder „oben ohne“

Damit sich das Denkmal wieder richtig dreht, muss die Rollenbahn repariert werden — dazu mussten gestern die Flügel weichen / Mühlenverein investiert rund 50000 Euro

Steinhagen. Ganz nackt steht sie da, die Mühle in Steinhagen — so wie vor vielen Jahren, als das technische Denkmal gar keine Flügel hatte. Die im September 2009 angebrachten „Arme“ der Erdholländermühle mussten gestern nämlich weichen, denn nur so können Reparaturen im Inneren ausgeführt werden.

 

OZ-Bild

Nach knapp sieben Jahren als richtige Mühle steht das Steinhäger Bauwerk seit gestern ohne Flügel da — aber nur bis Pfingsten.

Quelle: Ines Sommer

Die 1752 gebaute Erdholländermühle wollte sich nicht mehr so richtig drehen. „Wir haben gemerkt, da läuft was nicht rund. Bei bestimmten Windrichtungen hat es die Flügel nach außen gedrückt“, sagt Horst Klawitter. Der Vize-Chef des Mühlenvereins Steinhagen kennt jeden Winkel der Mühle. Und deshalb war er gestern natürlich dabei, als der Kran um kurz nach sieben die Flügel behutsam abnahm. „Zum Glück bin ich Rentner und kann mir die Zeit nehmen“, grient der 67-Jährige.

Dass die Mühle nicht mehr richtig rund läuft, liegt an der Rollenbahn, und die liegt genau zwischen Mühlenkörper und Haube. Also muss die Mühle von oben quasi abgeräumt werden, damit der Mühlenbauer ans Werk gehen kann. Im ersten Schritt mussten gestern Morgen deshalb die Flügel abgenommen werden, im zweiten Schritt wird heute die Haube abgebaut. Dann folgen die Reparaturen: Die Metallschiene wird unter die Lupe genommen. Der Holzring wird ausgetauscht (die Hölzer sind schon 250 Jahre alt), die Windrose muss genau überprüft werden. Veranschlagt sind erst einmal 50000 Euro, wobei sowohl aus dem Leader-Topf als auch aus der Steinhäger Gemeindekasse Zuschüsse kommen.

„In der Zwischenzeit kommt natürlich ein Notdach drauf, damit alles geschützt ist“, sagt Martin Zecher. Der 46-Jährige hat zwar einst Maschinen- und Anlagenbau studiert, lernte dann aber bei seinem Vater, einem Mühlenbaumeister, alles über dieses Handwerk und führt es heute selbst aus. „Alle sagen Mühlenbauer, aber eigentlich gibt es den Beruf offiziell nicht“, sagt der Mann aus Harst bei Wittenburg, streift seine Arbeitsjacke über und klettert wieder in die Mühle.

Die Arbeiten dauern Wochen. „Doch bis zum Mühlentag am Pfingstmontag wollen wir fertig sein“, gibt Horst Klawitter die Marschroute bekannt. „Es wäre so schön, wenn wir endlich unser Schaumahlen anbieten könnten.“ Bisher hatten die emsigen Vereinsmitglieder immer Pech. Als die Mühle noch lief, verhinderte Flaute das Drehen der Flügel. Dabei standen schon vier Zentner Weizen zum Mahlen bereit. In den folgenden Jahren traten schon die ersten Wehwechen auf.

Auch wenn es mit dem Mahlen noch nicht so richtig geklappt hat, die Schar der Besucher ist groß. 800 kleine und große Gäste schauten letztes Jahr am Denkmal vorbei. „Da sind einerseits unsere Veranstaltungen Zugpferde. Es kommen aber auch Vereine oder Gruppen zum Betriebsausflug her. Und Schulklassen aus Steinhagen, aber auch aus Stralsund und Niepars lassen sich von uns den Weg vom Korn zum Mehl erklären. Aber ich finde, die Jugend könnte das ruhig noch mehr nutzen“, berichtet der stellvertretende Vorsitzende des Mühlenvereins. Eine neue Idee gibt es jetzt mit der Stralsunder Tourismuszentrale. Die will Radtouren anbieten nach Steinhagen, zur Rast gibt es dann eine Mühlenführung, die der Mühlenverein übernimmt.

Mühlen-Fakten

1752 wurde die Mühle gebaut. 1984 ist das Bauwerk schon mal saniert worden.

12 Jahre stand die mittlerweile unter Denkmalschutz gestellte Mühle ohne Flügel da. Ein Sturm hatte 1997 soviel Schaden angerichtet, dass das Denkmal fortan „oben ohne“ in der Landschaft stand.

Letzter Müller in der Windmühle war Max Wilde, der in Steinhagen von 1939 bis 1960 Korn zu Mehl machte und dies auch gleich in der angeschlossenen Bäckerei verarbeitete.

Die Müllerstochter Ruth Neumann wohnt noch heute nebenan. Sie sagte in einem früheren Gespräch: „Ich bin so froh, dass ich die Mühle 2004 der Gemeinde geschenkt habe, ich selbst hätte nie eine Sanierung bezahlen können.“

50 000 Euro werden jetzt investiert, Leader und Gemeinde unterstützen die Baumaßnahme.

Das neue kleine Vereinsgebäude auf dem Mühlengelände wurde 2014 eingeweiht, nachdem es zuvor in mühevoller Eigeninitiative gebaut worden war.

Veranstaltungen: am 16. Mai ist Mühlentag, am 25. Mai wird zum deutschlandweiten Mühlenfest eingeladen, am 20. Juni wird hier ein Klassentreffen gefeiert.

Von Ines Sommer

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