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Stralsunder Pionierhaus steht kurz vor dem Abriss

Stralsund Stralsunder Pionierhaus steht kurz vor dem Abriss

Noch in diesem Jahr soll das Denkmal verschwinden / Behörden haben grünes Licht gegeben / Grüne werfen Stadtverwaltung Versagen vor

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Pionierhaus steht kurz vor dem Abriss

Seit Jahren steht das ehemalige Pionierhaus am Knieperdamm leer.

Quelle: Foto: Marlies Walther

Stralsund. Das Pionierhaus, für dessen Erhalt viele Stralsunder lange gekämpft hatten, steht kurz vor dem Abriss. „Wir wollen das noch dieses Jahr machen. Wir befinden uns in den letzten Abstimmungen“, sagt Udo Waitschies, einer der beiden Investoren, die auf dem Areal am Knieperdamm ein Fitnesscenter und ein Sanitätshaus bauen wollen. Waitschies geht davon aus, dass im nächsten Jahr mit dem Neubau begonnen werden kann. Im vergangenen Jahr hatte die Stralsunder Bürgerschaft sich dafür entschieden, das städtische Areal am Knieperdamm, auf dem das völlig verfallene Pionierhaus steht, an die zwei Investoren zu verkaufen.

Die zuständigen Behörden von Stadtverwaltung und Landkreis bestätigen, dass alle nötigen Genehmigungen für den Abriss erteilt wurden. Das geht auch aus einer kleinen Anfrage der Bürgerschaftsfraktion der Grünen hervor. Laut Stadtsprecher Peter Koslik hat die Bauaufsicht Mitte September grünes Licht gegeben. Da es sich beim Pionierhaus um ein Denkmal handelt, gibt es jedoch zwei Bedingungen: Der Eigentümer muss eine fotografische Gebäudedokumentation an die Denkmalschutzbehörde übergeben sowie den Beginn der Abrissarbeiten rechtzeitig mitteilen. Ursprünglich hatte der Investor für den Abriss schon diese Woche ins Auge gefasst. Der Termin ist aber laut Udo Waitschies nicht zu halten.

Auch der Landkreis Vorpommern-Rügen hat den Abriss befürwortet. „Aus artenschutzrechtlicher Sicht steht dem nichts entgegen“, sagt Kreissprecher Olaf Manzke. Der Bauherr habe dazu ein schlüssiges Gutachten abgeliefert. Er ist nun dazu verpflichtet, eine sogenannte ökologische Baubetreuung bereitzustellen. „Die soll darauf achten, dass keine Tiere gestört werden, die etwa dort bereits ihr Winterquartier bezogen haben“, erklärt Manzke. Naturschützer hatten im Frühjahr darauf hingewiesen, dass eine Waldkauz-Familie in einem Baum in der Nähe des Pionierhauses lebt. Die würde laut Manzke aber nicht gefährdet.

Für die Vize-Fraktionschefin der Grünen in der Stralsunder Bürgerschaft, Anett Kindler, ist der Umgang der Stadtverwaltung mit dem Denkmal Pionierhaus ein „Armutszeugnis“. „Der Abriss ist besiegelt.

Damit reiht sich das ehemalige Pionierhaus in die unrühmliche Liste der Denkmäler ein, deren Geschichte durch die Passivität der Eigentümer mit dem Abbruch endet“, sagt sie. Der Grundsatz Eigentum verpflichtet sei von der Stadtverwaltung offenbar missachtet worden. „Die Stadt sollte im Umgang mit den ihr anvertrauten Denkmälern Vorbildfunktion haben. Davon kann bezogen auf das ehemalige Pionierhaus keine Rede sein“, so Kindler weiter.

Nun gehe es darum, die beabsichtigte Fällung zahlreicher Bäume im Zuge des Neubaus nach Möglichkeit zu verhindern. Zu diesem Zweck soll das Thema auch in den Kreistag gebracht werden. Bereits bei der Kreistagssitzung am vergangenen Montag hat Dieter Curschmann vom Naturschutzbund Stralsund 600 Unterschriften gegen die Fällung der Bäume an Landrat Ralf Drescher (CDU) übergeben. Curschmann fragte den Landrat, wie der sich für den Erhalt der Bäume einsetzen könne. Darauf antwortete Drescher: „Demokratie heißt nicht, dass jeder Recht bekommt. Aber jeder hat das Recht, Recht zu bekommen. Wir müssen uns das jetzt anschauen und auf Grundlage der Gesetze prüfen, ob das Vorhaben genehmigungsfähig ist.“

Ausflugsgaststätte des 19. und 20. Jahrhunderts

1850 ist das heute als Pionierhaus bekannte Gebäude in Stralsund errichtet worden. Damals war es allerdings noch das Vereinsgebäude der Stralsunder Bürger-Ressource-Gesellschaft. Erst ab 1950 wurde es als Pionierhaus genutzt. Gebäude und Park sind laut dem Stralsunder Restaurator Wolf Thormeier seit der Erbauungszeit fast überhaupt nicht verändert worden, so dass es „sich hier um ein seltenes Zeugnis einer Ausflugsgaststätte des 19. und 20. Jahrhunderts im Vorstadtgebiet Stralsunds handelt“.

Alexander Müller

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