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Streit um illegale Ferienhäuser an Vorpommerns Küsten

Prora/Zinnowitz Streit um illegale Ferienhäuser an Vorpommerns Küsten

Anwohner fühlen sich gestört, Hoteliers sehen Wettbewerbsnachteil: Rund 400 Anzeigen gingen wegen illegaler Vermietung von Ferienwohnungen in den Vorpommern-Kreisen ein

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In den meisten Fällen resultieren die Verfahren aus Anzeigen durch Nachbarn.“ Landkreissprecher Olaf Manzke

Prora/Zinnowitz. Eine zweite Wohnung im Dachgeschoss, strandnah, und die Ostsee im Blick: Wo sich Bewohner der Inseln Usedom und Rügen und der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst in den Sommermonaten mit der Vermietung einer Wohnung als Feriendomizil ein Zubrot verdienten, herrscht seit einigen Jahren statt nachbarschaftlichem Frieden Missgunst. Die illegale Ferienvermietung von Wohnungen und Häusern, die nicht als Ferienwohnungen ausgewiesen sind, nimmt Kritikern zufolge angesichts blendender Einnahmeaussichten in den Seebädern immer mehr zu.

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Anwohner fühlen sich gestört, Hoteliers sehen Wettbewerbsnachteil: Rund 400 Anzeigen gingen wegen illegaler Vermietung von Ferienwohnungen in den Vorpommern-Kreisen ein

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Im Kreis Vorpommern-Rügen wurden in den vergangenen fünf Jahren rund 200 Verfahren zu illegalen Ferienwohnungen eingeleitet. „In den allermeisten Fällen resultieren die bauaufsichtlichen Verfahren aus Anzeigen durch die Nachbarschaft“, sagte Kreissprecher Olaf Manzke. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch im Nachbarkreis Vorpommern-Greifswald. Dort konzentrieren sich die Fälle auf die Insel Usedom, wobei dort die Anzeigen nach Angaben des Kreises vermehrt von den Gemeinden kommen. Der Kreis sprach 190 Ordnungsverfügungen aus – durchaus verbunden mit einem saftigen Bußgeld, das im Extremfall 5000 Euro betragen kann. Dieser Spielraum sei aber bislang nicht ausgenutzt worden, sagte Kreissprecher Achim Froitzheim.

Einer der Hotspots ist der Binzer Ortsteil Prora. Dort entstanden allein im KdF-Block 2 rund 370 Wohnungen, davon 150 Ferien- und 220 Eigentumswohnungen. Die Prora Solitär Hotel GmbH, die dort Ferienwohnungen vermarktet, geht inzwischen juristisch gegen mehrere Immobilienbesitzer in anderen Arealen des Blockes vor, die ihre Eigentumswohnungen widerrechtlich an Urlauber vermieten. „Wir sehen darin einen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht“, sagte Rüdiger Heide, Sprecher des Unternehmens. Ein Eigentümer habe inzwischen eine Unterlassungserklärung unterschrieben. Die anderen Verfahren landen vor Gericht.

In Zinnowitz auf Usedom gibt es ebenfalls Streit. In einem 2003 beschlossenen Bebauungsgebiet um den Sanddornweg werden nach Schätzungen von Anwohnern inzwischen rund 40 Prozent der dort errichteten Häuser als reine Ferienhäuser genutzt – obwohl der B-Plan lediglich den Bau von Wohnhäusern mit maximal einer Einliegerwohnung vorsehe. Anwohner wie Barbara Schneider fühlen sich gelinkt. Die Rentnerin baute dort 2006 ein Haus, in der Annahme, dass es sich um ein Wohngebiet handele. Sie habe nichts gegen Kinder und junge Familien, betont sie. Aber die Urlauber brächten mit nächtlichen Grillpartys und wechselnden Belegungen enorm viel Unruhe in das Wohngebiet. Sie moniert, dass die Behörden untätig geblieben seien, obwohl Landkreis, Gemeinde und sogar der Bürgerbeauftragte des Landes über die Problematik informiert sei.

In den Jahren 2007 und 2014 hatte das Oberverwaltungsgericht in Greifswald in Grundsatzurteilen entschieden, dass die Umwidmung von Wohnungen zu Ferienwohnungen illegal ist, wenn diese in einem allgemeinen Wohngebiet liegen. Die Entscheidungen lösten eine Klageflut aus. Während der Landkreis Rostock in den vergangenen Jahren sogar einen Ermittlungsdienst losschickte, versucht man in Vorpommern angesichts der Brisanz der Fälle den Ball flachzuhalten. „Wir gehen nur Anzeigen nach, aber suchen selbst nicht gezielt nach rechtswidrig als Ferienwohnungen vermieteten Objekten“, sagte Manzke. Anwohner wie Schneider beklagen die Untätigkeit der Behörden, weil damit dem Wildwuchs Tür und Tor geöffnet werde.

In den Kreisen wartet man nun auf eine Klarstellung mit der Novellierung der Baunutzungsverordnung. Dem Referentenentwurf zufolge sollen Ferienwohnungen dann neu definiert werden - als „in der Regel nicht störender Gewerbebetrieb“. Damit würden sie in allgemeinen Wohngebieten „ausnahmsweise“ zulässig werden.

Kommt die Änderung, gebe es eine neue Rechtslage, sagte der Vize-Sprecher des Oberverwaltungsgerichtes, Kai Danter: Ob die Änderung der Verordnung bei bestehenden B-Plänen eine Rolle spielt, ist noch völlig offen. Fest steht: Durch die neue Verordnung werden die Konfliktfelder zwischen Anwohnern und Ferienvermietern in den Seebädern nicht behoben.

Martina Rathke

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