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Stralsund Über drei Jahrzehnte prägte Erdöl die Region
Vorpommern Stralsund Über drei Jahrzehnte prägte Erdöl die Region
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00:01 26.05.2015
Der erste Kesselwagen voller Erdöl, das in Reinkenhagen gefördert wurde, steht auf dem Bahnhof in Miltzow. 1961 war man hier fündig geworden. Die Aufschrift brachte dem Betrieb Ärger. Fotos (4): privat
Grimmen

Vom 1. September 1961 bis 30. Juni 1997 war Dieter Landes für den Grimmener Erdölbetrieb tätig. Die Bezeichnung seines Jobs änderte sich in den Jahren häufig. „Mal war ich Abteilungsleiter, mal Distriktleiter. Zum Schluss nannte ich mich Direktor für Lagerstätten“, sagt der heute fast 77-Jährige.

Lange schon ist Dieter Landes Rentner. Im Erdölmuseum Reinkenhagen kümmert er sich mit anderen Mitstreitern darum, dass die Erinnerung an die Förderung des Öls, die über viele Jahre die kleine Stadt und die Region geprägt hat, nicht verloren geht. Hin und wieder kommt er auch auf das alte Betriebsgelände an der Stoltenhäger Straße, das heute ein Gewerbegebiet ist, und erinnert sich.

„Jahrelang war das hier eine Barackenstadt“, sagt der Diplom-Ingenieur, der einst in Leipzig Gastechnik studiert hat. Sie wuchs und wuchs und beherbergte zum Schluss alles, was für einen Großbetrieb wichtig war: Verwaltung, Werkstatt, Labore, Fuhrpark. Auch eine Arztstation gab es. Das Haus steht heute noch. Aber was ist sonst geblieben? Die Erinnerung.

36 000 Tonnen Erdöl wurden in der DDR in besten Zeiten pro Jahr gefördert. Auch wenn man in Nahost über diese geringe Zahl nur lachen würde — für den devisenschwachen sozialistischen Staat war das Erdöl wichtig. Und für Grimmen ein großer Gewinn.

Ohne Erdöl wäre die kleine Ackerbürgerstadt heute in Höhe des „Treffpunkts“ zu Ende. Mit der Förderung des schwarzen Goldes entstanden viele Wohnungen. Südwest wurde gebaut, später die Neubauten an der Straße der Befreiung. Weitere Betriebe siedelten sich an, in denen auch Familienangehörige der Erdölkumpel Arbeit fanden. Nach der Wende kam der einstige VEB Erdöl-Erdgas wie so viele ehemalige DDR-Betriebe unter die Regie der Treuhand..

Dieter Landes erinnert sich, dass alles, was irgendwie ging, damals aus dem Unternehmen ausgegliedert wurde, um wenigstens ein paar Arbeitsplätze zu retten. Er zählt die Küche, die Werkstatt und den Fuhrpark auf. Manche Nachfolgebetriebe haben überlebt. Auch an der Stoltenhäger Straße.

Das Speditionsunternehmen „Spezitrans“, das heute von dort aus Laster auf die Reise schickt, ist ein Beispiel. Die damalige Raupenwerkstatt ein weiteres. Sie gehört heute zur Straßenbaufirma Papenburg. Andere Betriebsgebäude wurden vermietet. In die beiden 1979 und 1981 entstandenen Plattenbauten, die das Gewerbegebiet noch heute prägen, zogen kleinere Büros ein. Auch wenn noch eine Menge Schilder die Wände zieren — voll ausgelastet sind die Räume nicht mehr.

Reiner Wulf kümmert sich im Auftrag eines privaten Unternehmens als Hausverwalter um die Gebäude. Von 1964 bis 1994 war er auch im Erdölbetrieb tätig, war Leiter der allgemeinen Verwaltung. „Ich hatte nach der Wende Glück. Denn mit der Übergabe der beiden Plattenbauten verband die Treuhand die Auflage, für jedes der beiden Häuser einen Verwalter einzustellen.“ Wulf macht das heute noch, wenn auch nur noch stundenweise. „Es war eine schlimme Zeit, als nach der Wende alle gehen mussten“, erinnert er sich. Für die meisten Leute war die Zukunft ja ungewiss.

Dieter Landes bedauert es sehr, dass die Erdölförderung 1996 endgültig eingestellt wurde, zumal Deutschland einer der größten Ölverbraucher ist. Inzwischen sind die Rohölpreise nämlich wieder in die Höhe geklettert. Es würde sich also lohnen, selbst wenn der Förderaufwand hoch ist. Große Hoffnung hatte er noch, als die Central European Petroleum GmbH (CEP) Interesse anmeldete. Mittlerweile hat Gaz de France aber alle Bohrlöcher voll saniert, erzählt Landes. Da ein Engagement von CEP nur über die Franzosen laufe, sieht er wenig Hoffnung für eine Wiederbelebung der Förderung. Auch weil es heute zu viele Widerstände gebe.

Kurze Chronologie des VEB Erdöl-Erdgas Grimmen
1. Oktober 1962: Gründung des VEB Erdöl- und Erdgaserkundung Grimmen.

30. Januar 1963: Erste Wohnungen in Grimmen-Südwest werden bezogen.

27. Dezember 1979: Das Sozialgebäude an der Stoltenhäger Straße wird übergeben.

3. Juni 1981: Das zweite Verwaltungsgebäude (Produktionsgebäude Geologie) an der Stoltenhäger Straße wird übergeben.

2. Juli 1990: Letzte Dienstberatung von Betriebs- und Fachdirektoren des VEB Erdöl-Erdgas. Die Umwandlung in eine GmbH wird vollzogen.

22. Juni 1992: Das Unternehmen wird von der Treuhand zum Verkauf ausgeschrieben.

1. Januar 1994: Verkauf an Gaz de France durch die Treuhand.

30. Juni 1996: Die Erdölförderung in Reinkenhagen wird endgültig eingestellt.



Reinhard Amler

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