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Überfüllte Busse nach dem Aus der Straßenbahn

Stralsund Überfüllte Busse nach dem Aus der Straßenbahn

Das beliebte Verkehrsmittel fuhr in Stralsund vor 50 Jahren zum letzten Mal

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Die Straßenbahn fährt in der Weihnachtszeit 1961 durch die Ossenreyerstraße. Rechts das Kaufhaus.

Stralsund. Für Kinder war es immer ein großer Spaß, in Stralsund mit der Straßenbahn zu fahren. Sogar der eigentlich langweilige Besuch bei Tante Erna in der Frankensiedlung wurde zum Erlebnis, wenn die Elektrische für den Familienausflug genutzt wurde.

OZ-Bild

Das beliebte Verkehrsmittel fuhr in Stralsund vor 50 Jahren zum letzten Mal

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Von der Mönchstraße zum Bahnhof oder später zur Arbeit auf der Volkswerft — mit der Straßenbahn war alles kein Problem. Am 7. April 1966 war es damit aber für immer vorbei. Die Stralsunder Straßenbahn stellte nach 66 Jahren ihren Betrieb ein. Der gesamte innerstädtische Verkehr wurde nun mit Omnibussen geleistet. Und damit begann das Dilemma. Die Busse kamen in der Regel schon überfüllt aus Knieper West. Sich dann an den Haltestellen in den Bus zu quetschen, war kaum noch möglich.

1898 hatte das Bürgerliche Kollegium in Stralsund den Bau einer Straßenbahn beantragt. Schon im Jahr darauf war für den Oktober die Eröffnung geplant. Doch der Termin konnte nicht gehalten werden, so dass sie schließlich am 25. März 1900 den Betrieb aufnahm. Die Bürgerschaft war begeistert. Besaß man doch nun das modernste innerstädtische Verkehrsmittel. Für die „Stralsundische Zeitung“ war es „ein bemerkenswertes Ereignis“.

Aus wirtschaftlichen Gründen wurde im November 1922 erstmals der Fahrbetrieb eingestellt. Die Inflation wirkte sich auch auf die Straßenbahn aus. Für jede Fahrpreiserhöhung hätte erst eine Genehmigung des Regierungspräsidenten in Stettin eingeholt werden müssen, deren Bewilligung aber Wochen dauerte. In der Zeit wären die Geldeinnahmen schon wieder wertlos gewesen. Im August 1924 ging der Betrieb weiter und der 15-Pfennig-Tarif wurde eingeführt.

In den 1940er-Jahren gab es erneut einen Stopp. Um die Mittagszeit des 6. Oktobers 1944 erfolgte der erste Bombenangriff auf die Stadt. Auch das Straßenbahndepot in der Hafenstraße wurde schwer beschädigt. Aber es kam noch schlimmer. Im April 1945 mussten die zwei noch leidlich intakten Triebwagen in der Sarnowstraße als Panzersperre fungieren. Erst über zwei Jahre später konnte im Dezember 1947 auf beiden Linien der Straßenbahnbetrieb wieder aufgenommen werden.

Nach dem Ende vor 50 Jahren gab es noch einmal ein kurzes Comeback am 24. April 1966. Für Filmaufnahmen der DEFA befuhren zwei Triebwagen den Abschnitt zwischen Frankendamm und Kniepertor. Dann verließen sechs Triebwagen ein letztes Mal das Depot in der Hafenstraße, um vom Frankendamm in andere Orte abtransportiert zu werden.

Eine wahre Odyssee erlebte der Triebwagen 15. Im VEB Waggonbau Gotha 1959 gebaut, kam er noch im selben Jahr in Stralsund zum Einsatz und hatte im April 1966 seine letzte Fahrt. Im Mai folgte die Umsetzung nach Gera, nach 1973 fuhr der Wagen dann in Görlitz. Weitere Stationen waren Jena und Naumburg. Anlässlich des Jubiläums 100 Jahre Elektrizität und Straßenbahn kehrte er im Juni 2000 als Leihgabe für kurze Zeit an den Strelasund zurück. Danach erfolgte die Rückführung nach Jena, wo er bis 2003 fuhr.

Ein Denkmal hat man der Straßenbahn nicht gesetzt. Immerhin aber wurde bei der Sanierung des Frankendamms ein kleines Stück der Originalschienen geborgen und 2010 zur Erinnerung an ein beliebtes Verkehrsmittel der Stralsunder an der Haltestelle Gartenstraße in die Fahrbahn wieder eingebaut.

Erst von Pferden gezogen

Die erste Straßenbahn der Welt fuhr am 26. November 1832 in New York. Gezogen wurde sie von Pferden.

In Lichterfelde bei Berlin fuhr am 16. Mai 1881 die erste elektrische Straßenbahn. Den Strom nahm sie über die Schienen auf.

Am 18. Februar 1884 fuhr die erste regelmäßig in Deutschland betriebene elektrische Straßenbahn mit Oberleitung in Frankfurt/Main.

Von Harry Hardenberg

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