Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Stralsund Vor dem Dienst den Badeofen anfeuern
Vorpommern Stralsund Vor dem Dienst den Badeofen anfeuern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:20 07.06.2017
Adelheid Schult (2.v.r.) übergibt nun an ihre Kolleginnen Yvonne Berner (l.), Susann Lohmann (r.) und Chefin Anka Kriese. Quelle: Fotos: Wenke Büssow–krämer
Velgast

Eigentlich wollte Adelheid Schult zum Abschied noch mal alles geben und hatte sich auf ihre letzten Kunden gefreut. Doch diese Pläne der Friseurin durchkreuzten ihre Kolleginnen. Nach 46 Dienstjahren wollten sie die 63-Jährige gebührend verabschieden und bestellten deren Kundinnen stattdessen kurzerhand zu Häppchen, Torte und Sekt am letzten Arbeitstag um.

Auf 46 Jahre als Friseurin in Velgast blickt Adelheid Schult zurück / An einen Abschied für immer möchte die Rentnerin aber noch lange nicht denken

Bei solch einem unerwarteten Empfang am frühen Morgen traten der überraschten zukünftigen Rentnerin immer wieder die Tränen in die Augen. Nach so vielen Jahren als Velgaster Friseurin kommen unzählige Erinnerungen hoch. „Ich kann einfach nicht loslassen“, meint Adelheid Schult. 1970 begann sie ihre Ausbildung im Velgaster Salon bei Peter Müller und blieb dort auch bis dieser sich 2001 mit seiner Frau in den Ruhestand verabschiedete.

„Früher standen die Kunden schon vor Öffnung Schlange und haben dann den halben Tag bei uns verbracht“, erinnert sich Adelheid Schult. Zum Glück übernahm anschließend Anka Kriese, die auch in Richtenberg und Franzburg Salons betreibt, das Velgaster Geschäft. Fortan stand Heidi Mahn täglich an ihrer Seite. „Dort mussten wir bis 2001 noch jeden Morgen den Ofen heizen, damit wir es warm und für unsere Kunden warmes Wasser hatten“, blickt die Kollegin zurück.

Und genau das war die tägliche Aufgabe von Adelheid Schult, die im vier Kilometer entfernten Altenhagen wohnt. „Eine Stunde vorher musste ich da sein“, erinnert sich die Seniorin. Zum Glück bot sich in der Zeit dann die Möglichkeit, in das Gebäude von Bäcker Bartelt einzuziehen, wo sie künftig mit Yvonne Berner und Susann Lohmann die Schere und Rundbürste schwang. „Den beiden habe ich als Kindern schon die Haare geschnitten, damals mussten sie noch aufs Brett“, erzählt Adelheid Schult.

Und die Kolleginnen haben ganz besondere Erinnerungen. „Täglich kam Frau Schult mit dem Fahrrad aus Altenhagen, und wenn es geschneit hatte eben zu Fuß“, berichtet Susann Lohmann. Erst 2008 – mit immerhin 55 Jahren – machte Adelheid Schult den Führerschein. Unvergessen ist auch die gemeinsame Kreuzfahrt auf der Aida. „Dazu hatte die Chefin alle Kolleginnen zum 20-jährigen Firmenjubiläum eingeladen. Der Seegang am ersten Tag machte Frau Schult da ganz schön zu schaffen“, erinnert sich Yvonne Berner.

Der Ansturm der langjährigen Kundinnen, die Adelheid Schult offiziell verabschieden wollten, war lang. „Einerseits tut es einem leid, andererseits gönnt man ihr natürlich den Ruhestand“, sagt Sigrid Kankel. Ilse Blumenthal ist auch eine Kundin seit der ersten Stunde. „Über diese Zeit baut man auch Vertrauen auf. Da weiß man schon, wem man was erzählen kann. Ich komme jedenfalls gerne her, es ist eine schöne Atmosphäre. Man kennt sich und weiß wie man seinen Kaffee trinkt“, erklärt die 83-Jährige augenzwinkernd.

Auch deshalb fällt der Abschied aus dem Berufsleben so schwer. „Gerade die älteren Velgaster kennt man ja alle und weiß auch um die Familiengeschichten“, so Adelheid Schult. „Und ich habe schon ein wenig Angst davor, nur zu Hause zu sitzen.“ Doch die Chefin weiß zu trösten. „Natürlich ist es für uns ein riesiger Verlust, solch eine treue, liebe und zuverlässige Kollegin gehen zu lassen. Aber wir freuen uns auch für sie. Und außerdem bleibt sie uns ja trotzdem ein wenig erhalten“, sagt Anka Kriese.

Denn für Urlaubs- oder Krankheitsvertretung möchte die Rentnerin gerne ihren Ruhestand unterbrechen. „Somit ist es vorerst nur ein sechswöchiger Urlaub und dann steht sie im Juli und August schon wieder hier“, so die Chefin. Um weiter am Ball zu bleiben, ging es am Abend nach dem Kaffeekränzchen deshalb auch noch ganz selbstverständlich zur Weiterbildung. Und auch die nächsten arbeitsfreien Wochen weiß die Neurentnerin rumzukriegen. Haus, Hof und Garten warten und auch für Besuche bei den Kindern ist nun mehr Zeit.

Wenke Büssow-Krämer

Elsbeth Ruhnow feiert ihren 100. Geburtstag / Viele Jahre hat sie als Sekretärin im Krankenhaus am Sund gearbeitet / Die Rentnerin liest jeden Tag die OZ

07.06.2017

Geplant ist unter anderem ein Malwettbewerb

07.06.2017

Torsten Hentschel will die Identität der Standorte bewahren

07.06.2017