Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Wenn der Apfel weit vom Stamm fällt

„Unternehmer-Jazz“ in Stralsund Wenn der Apfel weit vom Stamm fällt

Chef von ScanHaus Marlow spricht über Unternehmensnachfolge. Auch Rügener Reederei Jasmund Shipping bereitet Nachfolge vor.

Voriger Artikel
Neue Gleisanlage zum Frankenhafen
Nächster Artikel
Stralsunder Bettensteuer gilt auch für private Vermieter

„Unternehmer Jazz“ im Stralsunder Rathaus.

Quelle: Christian Rödel

Stralsund. „Nein Papa, nieeemals!“ Das waren die Worte seiner beiden Kinder, als Christoph Hempel mit ihnen über die Unternehmensnachfolge seiner Reederei Jasmund Shipping sprechen wollte. Tochter und Sohn, beide in den Zwanzigern, graut es davor, auch an den Wochenenden immer parat zu stehen und ihre Zeit voll und ganz der Rügener Firma zu widmen. Christoph Hempel stand also vor einem großen Problem, denn der 62-Jährige wird älter und will die Verantwortung für seine 110 Mitarbeiter in gute Hände abgeben.

Neuer Nachfolgepreis

Am Donnerstag wird ab 18.30 zum ersten Mal der Nachfolgepreise der IHK im Rostocker OZ-Medienhaus verliehen.

Mit derartigen Sorgen ist der Insel-Reeder aus Lietzow nicht alleine. In rund 10 000 Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern steht in den nächsten acht Jahren ein Führungswechsel an – aus Altersgründen. Das schätzen die Industrie- und Handelskammern (IHK). Ein Drittel aller Führungskräfte im Land, die über 60 Jahre alt sind, haben noch keine klare Übergangsperspektive.

„Unternehmer-Jazz“ im Stralsunder Rathhaus

Diese Zahlen geben Anlass zur Sorge. Denn ein Unternehmen steht nicht nur für sich, sondern hat auch eine gesamtwirtschaftliche Bedeutung für die Region. Gute Übergaben sollten frühzeitig geplant werden. Daher riefen OZ und IHK die Veranstaltungsreihe „Unternehmer-Jazz“ ins Leben, in dessen Rahmen nun am Mittoch ein zweites Zusammentreffen stattfand. Im Löwenschen Saal im Stralsunder Rathhaus berichtete Scanhaus-Chef Friedemann Kunz von seinen Erfahrungen. Der Unternehmer plant seine Nachfolge bereits seit zehn Jahren. Zu Beginn seiner Karriere, damals fertigte der inzwischen 62-Jährige noch Möbelgestelle, hatte der gebürtige Schwede den Gerichtsvollzieher öfter zu Besuch. Inzwischen hat sein Unternehmen 700 Mitarbeiter, die gemeinsam einen Umsatz von 100 Millionen Euro jährlich erwirtschaften. „Unternehmer zu sein bedeutet eine sehr große Verantwortung“, sagt Kunz. Er möchte sein Unternehmen in Hände abgeben, denen er blind vertrauen kann.

So gestaltet der Fertighausbauer die Unternehmensnachfolge

Der Fertighausbauer hat drei Söhne im Alter von 33, 30 und 6 Jahren. Vor vier Jahren hat sich der 30-Jährige bereit erklärt, in die Firma des Vaters einzusteigen. Zu diesem Zwecke und auch, um Erbstreitigkeiten auszuschließen, hat Kunz im letzten Jahr eine Familienstiftung gegründet. In den Papieren sind alle Regularien genau festgelegt. Ist sein Sohn dann 50 Jahre alt, muss er sich seinerseits für einen Nachfolger aus der Familie entscheiden. Mit 60 ist er verpflichtet, dass Unternehmen zu verlassen. Kunz selbst will noch mindestens zehn bis fünfzehn Jahre weiterarbeiten. „Der einzige alte Sack in der Firma darf ich sein“, sagt er schmunzelnd. Der Geschäftsmann aus Marlow hat klare Vorstellungen und weiß genau, was er will. Sein ältester Sohn hat lange in China gearbeitet und ist nun in einem Versandhandel in München tätig. Friedemann Kunz hat 50 Prozent eines Unternehmens für ihn erworben. Dass sein anderer Sohn bereit ist, sich um das Familienerbe zu kümmern, freut Friedemann Kunz. So ein Unternehmer hat natürlich auch einen emotionalen Aspekt.

Auch Jasmund Shipping bereitet Nachfolge vor

Der Rüganer Reeder Christoph Hempel hat nicht so viel Glück. Auch er steckt aber mitten im Übergabeprozess – der ist auf vier Jahre angesetzt. Er legt die Verantwortung für sein Unternehmen in die Hände eines langjährigen Mitarbeiters. Am Ende des ersten Jahres übergibt Hempel 25 Prozent der Firma an seinen Nachfolger, nach dem zweiten ebenfalls. Im dritten Jahr wird pausiert und nach Ablauf des vierten Jahres gehören dem Nachfolger 100 Prozent des Unternehmens. Alle Gewinne dieser Zeit gehen an Christoph Hempel. So ist garantiert, dass er sich in seinen letzten Jahren als Chef noch voll engagiert und seinem Nachfolger schließlich eine gesunde Firma übergeben kann.

Dana Frohbös

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Autonomie-Bestrebungen
Demonstranten tragen eine riesige katalanische Flagge durch Barcelona. Im wirtschaftsstarken Katalonien machen viele deutsche Unternehmen Geschäfte.

In der spanischen Region sind hiesige Mittelständler ebenso tätig wie Dax-Konzerne. Doch die Unabhängigkeitsbestrebungen verunsichern viele Firmen. Nun überdenken einige ihre Pläne, erklärt eine Beratungsgesellschaft.

mehr
Mehr aus Wirtschaft
Verlagshaus Stralsund

Apollonienmarkt 16
18439 Stralsund

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
10.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Benjamin Fischer
Telefon: 0 38 31 / 20 67 40
E-Mail:  stralsund@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.