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Windpark Tribsees wächst: Nachbarn in Techlin stinksauer

Tribsees/Techlin Windpark Tribsees wächst: Nachbarn in Techlin stinksauer

Einwohner des kleinen Dorfes beklagen, dass aus zehn alten nun sechs neue, viel größere Windräder werden / Tribseeser Bürgermeister verteidigt Projekt als gute Pachteinnahme

Tribsees/Techlin. Ein kleines Dorf bei Tribsees probt den Aufstand: Die Techliner sind sauer, dass genau vor ihrer Tür neue, noch größere Windräder aufgebaut werden. „Die Stadt Tribsees ist Eigentümer der Fläche und hat diesen Windpark errichtet. Was für die Tribseeser die äußerste Stadtgrenze ist, heißt für uns, dass wir die Dinger hautnah erleben dürfen“, schimpft Siegmund Danzer, der die Rotorblätter direkt über seinen Gartenstühlen spürt. „Das fühlt sich an wie Schläge auf die Brust. Sie müssen sich das wie tiefe Bässe bei lauter Musik vorstellen. Dieser Lärm ist unerträglich, der macht einen krank.“

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Einwohner des kleinen Dorfes beklagen, dass aus zehn alten nun sechs neue, viel größere Windräder werden / Tribseeser Bürgermeister verteidigt Projekt als gute Pachteinnahme

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Familie Danzer musste bereits das Schlafzimmer verlegen. „Das rote Licht blinkert die ganze Nacht. Außerdem spürt man die Erschütterung durch den Infraschall. Da dreht man irgendwann durch. Kein Wunder, die Durchblutung des Gehirns wird negativ beeinflusst. Seitdem die Windräder hier stehen, gab es Leute mit Schlaganfällen, zwei Menschen um die 50 und 60 sind tot. Und da besteht für mich ein eindeutiger Zusammenhang“, findet Siegmund Danzer.

2009 hat die Trebelstadt zehn Windräder gebaut, die jeweils 123 Meter hoch waren (die OZ berichtete). Diese werden ersetzt – sprich repowered. Es wurden bereits sechs Windmühlen aufgestellt, die 187 Meter hoch sind. Nun sollen noch drei neue gebaut werden. „Die sind 200 Meter hoch, das wird ja immer verrückter“, so der Techliner. Er hat mit anderen Einwohnern eine Unterschriftenaktion gestartet. „75 Prozent des Dorfes haben unterschrieben. Tribsees muss unseren Widerstand merken. Wir können uns doch nicht gefallen lassen, dass die uns hier solche Riesen vor die Nase setzen. Von guter Nachbarschaft keine Spur“, sagt der 76-Jährige.

„Man entscheidet über unsere Köpfe hinweg, wir werden behandelt wie eine tote Sache. Und wenn wir uns wehren, werden wir als Störfaktor hingestellt. Warum bestimmt ein anderer über unser Wohl? Da wird der Demokratie voll in die Fresse gehau’n“, findet Siegmund Danzer, der einst sein Geld als Stahlschiffbauer, bei der Post und als Programmierer verdiente. 1990 zog er mit seiner Frau aus Stralsund nach Techlin in der Gemeinde Deyelsdorf, hat aus einer Ruine ein Schmuckstück gemacht. „Makler sprechen jetzt hier von 30 Prozent Werteverlust bei unseren Grundstücken. Das bestreitet Minister Pegel in seinen vorgelegten Gutachten. Mal abgesehen davon, dass unser Haus so nahe an den Anlagen quasi unverkäuflich ist, weil keiner hierher will, zahlt uns ja auch keiner eine Entschädigung für diesen Grundstücksverfall“, sprudelt es aus dem Rentner nur so heraus.

Bürgerinitiative unterstützt Techliner Einwohner

Unterstützung finden die Techliner bei der Bürgerinitiative Blinde Trebel. „Wir begleiten ja das Raumordnungsverfahren, in dem es um die Windeignungsflächen geht. Fakt ist, dass für alle möglichen Tiere Bestimmungen eingehalten werden müssen, aber was ist mit uns. Der Mensch kommt in dieser ganzen Windenergie-Debatte in Mecklenburg-Vorpommern nach dem Tier. Und das kann ja wohl nicht sein“, sagt Thomas Seibert, der sich auch in der Partei „Freier Horizont“ engagiert. Er betont, dass die Gesetze und zum Beispiel die Lärmschutzbestimmungen 20 Jahre alt sind. Außerdem macht jedes Bundesland seine eigenen Abstandsregelungen.“ Es könne doch nicht sein, dass in Bayern der Abstand zur Wohnbebauung der zehnmaligen Höhe des kompletten Windrades mit Flügel entsprechen muss – also Quasi 10 mal knapp 200 Meter, das sind zwei Kilometer, und in MV heißt es: 800 Meter zu einer Splittersiedlung, 1000 Meter zur Wohnbebauung. Aber richtig festgeschrieben sei nicht mal das...

Die Techliner haben nicht nur im Kreis Protest angemeldet, sondern auch in der Stadt Tribsees. „Wir sind zur Stadtvertretersitzung gekommen, da hat man das Thema Windkraft einfach in den nicht öffentlichen Teil geschoben. Wir durften uns auch nicht dazu äußern. Da fühlt man sich so machtlos...“, schüttelt Siegmund Danzer enttäuscht den Kopf.

Stadt hofft mit Windpark auf Geld für Investitionen

Thomas Molkentin kann den Ärger der Techliner durchaus nachvollziehen. Der Tribseeser Bürgermeister (CDU) erklärt zur Sitzung: „Da ist im Aushang ein Fehler passiert. Da Rechte Dritter betroffen sind, darf dieses Projekt nicht öffentlich behandelt werden. Außerdem handelte es sich um ein Verfahren des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt, wir sind nur Beteiligte, sollten uns zu den drei neuen Anlagen äußern.“ Das sei alles sehr ungünstig gelaufen. Und die Entscheidung zu den drei neuen Windrädern habe sich die Stadtvertretung nicht leicht gemacht, betont der Bürgermeister.

„Das wurde heiß diskutiert, und die Entscheidung ist nicht einstimmig gefallen.“ Doch letztendlich winkten der Stadt hohe Pachteinnahmen, die man dringend für Investitionen brauche. „Wir wollen die Kita sanieren, dafür brauchen wir trotz aller Fördermittel eine Stange Geld. Nur alleine vom Tourismus können wir das natürlich nicht leisten.“ Mehrere Zehntausend Euro pro Jahr – das seien die zu erwartenden Einnahmen durch die Pacht der Windbauern.

Bei der Investition handelt es sich um ein Millionen-Projekt mit 25 Jahren Laufzeit plus fünf Jahre als Option. Zudem wird eine bedarfsgerechte Befeuerung angeboten, das heißt, nachts blinkert nichts mehr. Thomas Molkentin, der den Windpark auch vor seinem Balkon hat, betont: Weitere Anlagen will Tribsees nicht bauen. „Wie gesagt, ich verstehe den Unmut der Techliner, aber wären sie an unserer Stelle, würden sie bestimmt genauso handeln. Andererseits muss man auch sagen: Wenn es Tribsees gut geht, haben auch die umliegenden Gemeinden etwas davon, denn wir halten Dienstleistung, Verwaltung, Arzt, Apotheke, Einkaufsmöglichkeiten, Kita und Schule für alle in der Region vor.“

Ines Sommer

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