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„Wir müssen Geld verdienen“

„Wir müssen Geld verdienen“

Torge Koop (44), neuer Helios-Chef am Hanseklinikum, über das schwierige Verhältnis zwischen nackten Zahlen und der richtigen medizinischen Behandlung

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Torge Koop ist seit dem 1. Juli neuer Geschäftsführer des Stralsunder Hanseklinikums, das zum Helios-Konzern gehört.

Quelle: Foto: Alexander Müller

Herr Koop, als Ihr Vorgänger Robert Möller im Sommer nach drei Jahren Stralsund verließ, um Regionalgeschäftsführer beim Klinikbetreiber Ameos zu werden, waren wir überrascht. Wir hatten den Eindruck, dass er noch viel vorhat. Sind Sie gekommen, um zu bleiben?

Torge Koop: Ich will ehrlich antworten. Die eine Ebene ist meine persönliche. Da kann ich zum jetzigen Zeitpunkt sagen: Ja, ich kann mir gut vorstellen, langfristig zu bleiben. Die andere Ebene sind die Konzernstrukturen, in denen ich mich bewege. Da muss ich sagen, dass ich nicht weiß, was passieren wird. Ich würde lügen, wenn ich etwas anderes behaupte.

Sind Sie nach Stralsund gezogen?

Ich habe eine Wohnung hier. Doch wie bei meinem Vorgänger ist mein Erstwohnsitz in Hamburg, und das schon seit 15 Jahren. Dort befindet sich mein gesamtes persönliches Umfeld. Was ich auf jeden Fall sagen kann, ist, dass es mir hier in Stralsund sehr gut gefällt. Die Stadt ist einfach schön und passt auch gut zu mir. Ich bin Hansestädter, gebürtiger Bremer, habe in Lübeck studiert, wohne in Hamburg und nun auch in Stralsund.

Ihr Vorgänger hat hier viel geschafft. Eine Notaufnahme wurde gebaut, die somatische Medizin im Krankenhaus am Sund konzentriert und mit der Patientenakademie ein ganzes Stück mehr Transparenz geschaffen. Sind das große Fußstapfen für Sie?

Ja, sind es. Aber das muss ja kein Problem sein. Wenn ich das Gefühl hätte, diese Fußstapfen nicht ausfüllen zu können, dann wäre ich nicht hierher gekommen. Ich habe mir das vorher gut überlegt und es ist auch kein Geheimnis, dass Herr Möller und ich persönlich ein gutes Verhältnis haben. Wir kennen uns bereits seit zwölf Jahren. Da haben wir uns natürlich ausgetauscht.

Haben Sie Visionen für das Klinikum?

Natürlich habe ich es so wie Sie auch empfunden, dass hier viel passiert ist in den letzten Jahren. Es ist deswegen erstmal wichtig, das eine oder andere Thema zu konsolidieren und nicht gleich weiterzusprinten. Das heißt nicht, dass jetzt gar nichts mehr passiert – Stillstand wäre sicherlich auch falsch. Aber solche ruhigeren Phasen sind wichtig, damit alle mal Luft holen können. Das Klinikum funktioniert sehr gut. Deutlich besser, als es manchmal von außen wahrgenommen wird. Es ist ein Stück weit erstaunlich, dass ein so breit aufgestelltes Klinikum hier existiert. Das ist keine Selbstverständlichkeit. In anderen vergleichbaren Regionen müsste man dafür deutlich weiter fahren. Das heißt aber natürlich nicht, dass alles perfekt ist.

Wie unterscheidet sich das Hanseklinikum von dem Haus in Nordenham in Niedersachsen, das sie vorher geleitet haben?

Es gibt Parallelen, aber auch deutliche Unterschiede. Die Städte sind vergleichbar, liegen an der Küste und sind touristisch geprägt. Das spielt ja auch für ein Krankenhaus eine Rolle. Beide Städte liegen nicht im Zentrum der Republik. Wenn man sich die Häuser selbst anguckt, gibt es aber deutliche Unterschiede. Nordenham war, als Helios es übernommen hat, in einem sehr schwierigen Fahrwasser.

Und zwar in allen Teilaspekten: wirtschaftlich, baulich, medizinisch. So gesehen war meine Aufgabe eine deutlich andere. Da wurde komplett neugebaut und das medizinische Angebot neustrukturiert. In Stralsund geht es eher um Evolution statt Revolution.

Sie sind seit 2015 bei Helios, vorher waren Sie zehn Jahre bei Asklepios – immer im Management. Das sind Konzerne, die für ihr hartes Wirtschaften bekannt sind. Wie ist Ihre Haltung zum Thema Geldverdienen in der Medizin?

Wir müssen Geld verdienen, wenn wir es nicht tun, verlieren wir unsere Investitionsfähigkeit und damit die Zukunft des Hauses. Da kann man sagen, das gefällt mir nicht, aber es ist die Realität. Wenn wir nicht nach ökonomischen Gesichtspunkten arbeiten würden, dann geraten Arbeitsplätze in Gefahr und die medizinische Versorgung der Region. 

Es gibt immer wieder den Vorwurf, private Klinikkonzerne würden Patienten bevorzugen, deren Behandlung ihnen mehr Geld einbringt.

Das kann man machen und es gibt auch Häuser und Anbieter, die das tun. Wir, damit meine ich das Haus hier sowie Helios in Gänze, machen das nicht. Das sieht man auch an unserem Leistungsspektrum.

Wenn ich es machen würde, müsste ich Abteilungen schließen, die keinen Gewinn oder sogar dauerhaft einen Verlust einfahren. Wir tun das aber trotzdem nicht, weil wir einen Versorgungsauftrag haben, den wir wahrnehmen wollen. Das ist medizinisch sinnvoll und langfristig auch ökonomisch. Wenn wir Abteilungen schließen, würde unser Ruf deutlich leiden und dann verlieren wir Patienten. Und das kann ja nicht das Ziel sein.

Sie haben ursprünglich Humanmedizin studiert. Warum finden Sie Zahlen spannender als echte, lebendige Menschen?

Ich finde beides spannend. Das hat mal ein Kollege von mir mit dem Baum und dem Wald verglichen. Man kann den einzelnen Baum behandeln oder versuchen, sich gleich den ganzen Wald vorzunehmen.

Da verliert man vielleicht den Blick für den einzelnen Baum, hat aber größere Einflussmöglichkeiten. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die schon mit fünf Jahren mit dem Arztkoffer rumgerannt sind und gesagt haben, ich werde Arzt und sonst nichts. Ich bin zur Medizin gekommen, als ich zwei Jahre während des Zivildienstes auf Station gearbeitet habe. Das hat mir großen Spaß gemacht. Ich habe sogar überlegt, Krankenpfleger zu werden. Es ist dann doch das Medizinstudium geworden, obwohl ich auch über BWL nachgedacht habe. Ich habe dann überlegt, wie ich beides zusammenbringen kann und bin auf die Medizin-Controlling-Schiene gekommen.

Wir haben einen Leserbrief bekommen, in dem ein Patient uns schildert, dass er und seine Partnerin zuletzt während Aufenthalten in Ihrem Haus mehrere Male von Station zu Station umziehen mussten und sie das als sehr belastend empfanden. Was war da bei Ihnen los?

Wir hatten vor zwei Wochen viele krankheitsbedingte Ausfälle in der Belegschaft, so dass wir Stationen zusammenlegen mussten, damit die Wege kürzer werden. Das kann wie überall sonst auch passieren und ist nicht planbar. 

Sind Sie personell zu sehr auf Kante genäht?

Wie jedes wirtschaftende Unternehmen versuchen wir, den Personaleinsatz so zu optimieren, dass wir weder zu viel noch zu wenig Personal haben. Das kriegen wir im Großen und Ganzen auch gut hin.

Interview von Alexander Müller

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