Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Stralsund Zupacken für einen aussterbenden Beruf
Vorpommern Stralsund Zupacken für einen aussterbenden Beruf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 24.08.2016

Früh um vier machten gestern Marc Richter und sein Chef die Leinen los. Vorsichtig tuckerte der Kutter „Condor“ aus dem Barhöfter Hafen. „Wir wollten Schollen fangen“, sagt Marc. Doch dazu kam es nicht. „Auf der Ostsee hatten wir Windstärken bis sieben. Da schaukelt der Zehn-Meter-Kutter doch zu sehr, um einigermaßen sicher ein Netz einzuholen“, so Richter.

Fischfang ist eben immer auch von äußeren Bedingungen abhängig. Doch den 23-Jährigen stört das nicht. Er habe sich in verschiedenen Gewerken ausprobieren können, damals in der Produktionsschule in Barth. „Als wir das erste Mal mit einem Fischkutter raus sind, da wusste ich, was ich künftig machen wollte. Damals hat er auch Jan Wienholz kennengelernt, der sich mit einem Kutter selbstständig machen wollte. Als der ihn fragte, ob er als Gehilfe mit an Bord will, war Marc Richter sofort mit dabei.

Inzwischen büffelt der junge Mann für den Facharbeiter. „Fischwirt das ist ein sehr vielseitiger Beruf. Da gehört alles dazu: Nautik, Maschinenkunde, Fischen.“ Im November, so hofft er, hat er seinen Facharbeiter in der Tasche. Dann ist es auch nicht mehr weit bis zum Patent für die kleine Küstenfischerei. Damit darf er bis drei Seemeilen vor der Küste auf Fischfang gehen.

Während überall an Mecklenburg-Vorpommerns Gestaden immer mehr Küstenfischer aufgeben – alleine 15 im letzten Jahr von 270 verbliebenen – bleibt der angehende Fischwirt optimistisch: „Wir können davon leben“, meint er seinen Chef und sich. Auf der Ostsee werden Schollen, Flundern, Dorsch und Lachs aus dem Wasser gezogen, aus dem Bodden Hecht, Zander und Aal. Letzterer wird immer weniger. Was mitunter auch daran liegt, dass Wilderer die Reusen der Fischer leeren oder gleich ganz mitnehmen. „Doch dagegen lässt sich kaum etwas machen“, weiß Richter. „Anzeigen gegen Unbekannt verlaufen schnell im Sande.“

Jeden zweiten Tag fährt Marc Richter mit seinem Chef raus – bei jedem Wetter, außer bei Eisgang oder Sturm. In den Tagen dazwischen fahren sie ihren Fang zu den Kunden. Zu den Abnehmern zählen in Stralsund etwa die Fischhalle im Stadthafen oder die Fischverarbeitung am Carl-Heydemann-Ring. Wienholz und Richter fahren ihre Fänge sogar bis nach Sassnitz oder zu einem Fischrestaurant in Gristow.

Wichtig sind auch die Kunden, die vormittags in den Barhöfter Hafen kommen. Gegen 10.30 Uhr ist der Kutter „Condor“ meist von den Fangplätzen wieder zurück. Dann wird der Fang auch gleich von der Kaikante aus verkauft – geputzt und ausgenommen. „Frischer als von Bord kann man Fisch nicht bekommen“, sagt Marc Richter stolz.

Für den jungen Fischer macht vor allem Vielseitigkeit die Schönheit des Berufs aus. Er muss nicht nur die Stellen kennen, wo es sich lohnt die Netze zu stellen. Er muss da auch erst einmal hinfinden, unterwegs auf das Tuckern des 95-PS-Diesels lauschen, bei Unregelmäßigkeiten wissen, was zu tun ist. Und wenn die Netze voll sind, heißt es zupacken. Marc Richter will vom Fischen leben. Er hat seine Zukunft darauf ausgerichtet, ist nach Barhöft gezogen, freut sich gemeinsam mit seiner Freundin – einer Verkäuferin – auf das gemeinsame Baby. „Es wird ein Mädchen.“

Jörg Mattern

Von Raritäten, Kuriositäten und Riesigem aus den Gärten in Grimmen und Umland berichten wir heute

24.08.2016

Am 18. August herrschte Hochbetrieb im Kreißsaal / Wir gratulieren allen jungen Eltern

24.08.2016

BiZ informiert über das Nachholen von Abschlüssen

24.08.2016
Anzeige