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Stralsund Wo Rentner noch gebraucht werden
Vorpommern Stralsund Wo Rentner noch gebraucht werden
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00:00 01.04.2014
Jutta und Joachim Schneidewind sind jede Woche für eine Stunde mit Christine Bock aus Neubrandenburg via Skype zum Englischlernen verabredet. Quelle: Fotos: Wenke Büssow-Krämer
Stralsund

Knapp 70 Rentner hat Birgit Wacks mittlerweile um sich gescharrt. Sie bieten als „Alte Profis“ in fast allen Lebenslagen ihre Hilfe an. Der Lohn spielt dabei meist keine entscheidende Rolle. „Vielen geht es ums Gefühl, gebraucht zu werden“, sagt Birgit Wacks.

Das kann Ruth Friese nur bestätigen. Sie freut sich bereits auf die Urlaubssaison, wenn sie wieder die Hunde von Urlaubsreisenden hütet. „Man sieht, dass sich jemand freut. Das zählt“, sagt die Rentnerin. Sie ist seit 2011 dabei und hat auch schon öfter selbst die Hilfe eines „Alten Profis“ in Anspruch genommen, beispielsweise zum Schneeschieben. Zur Hochzeit ihrer Enkelin bat sie kurzerhand Jörn Böttcher, der mit selbstgedichteten Versen die passende Beilage zum Geschenk lieferte. Er selbst ist damals von Birgit Wacks angesprochen und zum Mitmachen überredet worden.

„Bei anderen Leuten den Garten umgraben wollte ich nicht. Ich habe selbst ein großes Grundstück“, erzählt er. Er hilft lieber auf seine Weise bei der Vorbereitung von Familienfeiern, erklärt der 70-Jährige. „Man lernt ja auf diese Weise auch immer wieder neue Leute kennen. Und Kontakte aufrecht zu erhalten ist in diesem Alter ja nicht unwichtig", meint der Stralsunder.

„Einige bieten auch Hilfe bei Schularbeiten an, geben Englisch-Nachhilfe via Skype oder sind beim Zusammenbau des neuen Schrankes dabei“, zählt Birgit Wacks auf. Gerade die ambitionierten Gärtner waren in Voraussicht auf den nahenden Frühling für den April lange vorher ausgebucht.

Es fand sich aber auch schon die fehlende Hilfe zum Aufbau einer Modelleisenbahn oder die dritte Person zum Skatspielen, berichtet die Initiatorin.

Jutta und Joachim Schneidewind wollten für ihre Urlaubsreisen ihr Englisch auffrischen und verbessern. Dabei stießen sie auf Christine Bock, die aus Neubrandenburg via Skype Nachhilfe anbietet.

„Da wir uns die ganze Zeit auf Englisch unterhalten, ist man wirklich gefordert“, sagt der 68-Jährige. Jeden Montag haben sie ihren festen Termin, wo sie zunächst von ihrem Wochenende erzählen, bevor die nächsten Lektionen des Lehrbuches bearbeitet werden. Außerdem bringt diese Variante den Vorteil mit sich, dass man keine Lektion verpasst, wenn mal ein Termin nicht wahrgenommen werden kann. Und die Lehrerin kann sich individuell aufs Niveau ihrer Schüler einlassen. Die Unterrichtslektionen, die ursprünglich nur ihrer Studienfreundin Birgit Wacks vorbehalten waren, nehmen inzwischen vier Frauen und Männer bei Christine Bock in Anspruch. Auch die Hausaufgaben kommen per Mail. Irene Bohm hat sich für die anfallenden Arbeiten in Haus und Garten schon öfter Unterstützung bei den „Alten Profis“ gesucht. „Viele Sachen mache ich noch selber, aber alles geht nicht mehr“, sagt die 71-Jährige. „Man hat ja eigentlich Scheu, sich das Haus putzen zu lassen, aber Fenster und Gardinen waren fällig“, erzählt die Rentnerin, die durch ihre kaputten Knie in der Bewegung eingeschränkt ist. Und nachdem sie bei den „Alten Profis“ schon Hilfe fürs Zaunmalern gefunden hat, fanden sich auch hierfür fleißige und willige Hände.

Den Gewerbetreibenden die Arbeit wegnehmen, wollen die hilfsbereiten Senioren dabei aber nicht. „Hier geht es nur darum, sich nützlich zu machen und keine dauerhafte Beschäftigung zu finden“, erklärt Birgit Wacks. „Wir übernehmen kleine Aufgaben, wenn Mitmenschen Hilfe brauchen. Mal hier, mal da.“

„Alte Profis“
Sie sollen Nischen besetzen, die für Gewerbetreibende einen nicht lohnenden Aufwand darstellen.


Sie helfen bei jedweden Handwerkstätigkeiten, Gartenarbeit, Babysitting, Vermitteln von PC-Kenntnissen, Handy programmieren usw. .


Vergütungen werden individuell festgelegt. Für länger andauernde oder auch Wiederholungsleistungen kann ein Honorar ausgehandelt werden.


Weitere Informationen über die „Alten Profis“ gibt es im Internet unter: www.alteprofis.de



Wenke Büssow-Krämer

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