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Stralsund Wo das Handy zum „Ackerschnacker“ wird
Vorpommern Stralsund Wo das Handy zum „Ackerschnacker“ wird
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00:00 03.02.2018
Plattdeutsche Worte zu schreiben, ist gar nicht so leicht. Emma aus der Nationalpark-Grundschule „Ostseeblick“ in Sassnitz versucht es an der Tafel mit einem „Moin, Moin!“ Quelle: Foto: Maik Trettin

Ist das ein Tippfehler auf der Urkunde? „Wettstriet“ steht auf dem Blatt, auf dem rechts oben das Logo des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern prangt. Das Wort ist ganz richtig geschrieben, wissen die Jungen und Mädchen der Nationalparkschule „Ostseeblick“. Es ist plattdeutsch für „Wettstreit“. Einen solchen haben die jungen Sassnitzer gewonnen: Sie sind die besten Plattschnacker ihrer Altersklasse in ganz Vorpommern. Das hat ihnen Birgit Hesse nach der Regionalveranstaltung im Schulamtsbereich Greifswald attestiert. „De Ministerin för Billung, Wätenschap un Kultur vun dat Land Mäkelborg-Vörpommern teikent de Nationalparkschaul ,Ostseeblick’ Sassnitz mit denn 1. Platz för de Kinner vun de Grundschaul ut“, steht auf dem Papier.

Auf das sind die kleinen Jasmunder mächtig stolz – zu recht. Einen Aufsatz könnten sie „up Platt“ sicher nicht schreiben. Aber das „Schnacken“ fällt ihnen leicht und macht ihnen Spaß. Einmal pro Woche werden sie von Martina Klein unterrichtet. „Die Plattdeutsch- Stunde ist eines der Angebote aus dem Programm unserer Vollen Halbtagsschule“, sagt sie. Die Schüler können sich je nach Neigung für ein Fach entscheiden. Für Plattdeutsch fanden sich schnell interessierte Schüler. „Die Kinder machen das wirklich gern“, hat Martina Klein erfahren. Dass Platt Spaß macht, hat sich an der Schule mittlerweile herumgesprochen. „Auch aus anderen Klassen wurde schon gefragt, ob wir dort Plattdeutsch unterrichten würden.“

Enola und Emma haben schon im Kindergartenalter begonnen, Platt zu sprechen. „Der frühere Bürgermeister Dieter Holtz hatte gefragt, ob wir das nicht mal bei einem Auftritt machen könnten“, erinnert sich die mittlerweile achtjährige Enola. Den Tanz und das plattdeutsche Lied kann sie heute noch. Für sie war es gar keine Frage, sich für Plattdeutsch in der Schule zu entscheiden. Auch die gleichaltrige Paula brauchte niemand zu überreden. Als sie ihren Eltern den Wunsch vortrug, erzählten sie ihr, dass sie mit ihr als Kleinkind schon ein paar plattdeutsche Worte geübt hätten. „Aber daran kann ich mich nicht mehr erinnern“, bedauert sie. „Ganz in Ordnung“ findet Dean die niederdeutsche Sprache. Für ihn war es mehr das kleinere Übel – immer noch besser als Computerkurs oder Töpfern, sagt der Neunjährige.

Was sie gelernt haben und wie sie Plattdeutsch präsentieren, das hat sowohl die Jury als auch die anderen Teilnehmer des Regionalwettbewerbs überzeugt. Heute werden sie ihr Programm zur Zeugnisausgabe auch ihren Sassnitzer Mitschülern präsentieren. Da ist das Lied von den „tein lütten Gössels“ oder der Sketch von der „groten Fotballspälerin Clara“, die alle Tore selbst geschossen hat – auch die der gegnerischen Mannschaft. „Die Kinder haben laut und klar gesprochen“, lobt Martina Klein. „Die Pointen saßen und wurden von allen verstanden.“

Das liegt vielleicht auch daran, dass die Sassnitzer Kinder eine Mischform verschiedener plattdeutscher Dialekte lernen. Martina Klein stammt aus der Nähe von Greifswald und hat Plattdeutsch bei ihren Großeltern gelernt, die nach wie vor dort leben. Viele Texte, die sie im Unterricht verwendet und die aus anderen „plattdeutschen Ecken“ stammen, schreibt sie eigens für ihre Schüler um – immer in Rücksprache mit dem Opa. „Den rufe ich in Zweifelsfällen an.“ Er findet dann die richtige plattdeutsche Entsprechung für einen hochdeutschen Begriff.

Das fällt gerade bei neuen Wortschöpfungen schwer. Wie zum Beispiel beim Mobiltelefon. Beim Regionalwettbewerb hat Enola eine tolle Übersetzung dafür gehört: „Ackerschnacker“. „Das ist mein Lieblingswort“, sagt sie fröhlich.

Auch außerhalb des Unterrichts finden die Kinder an Plattdeutsch offenbar großen Spaß. Der zehnjährige Finn zum Beispiel unterhält sich mit seinem Freund aus der Hansestadt Rostock ab und an auf Platt. Martina Klein freut sich, dass der Unterricht über die Schule hinaus wirkt: „Man merkt, dass einige Kinder auch zu Hause plattdeutsch reden.“

Maik Trettin

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