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Zehn biblische Regeln und die Schwierigkeiten, danach zu leben

Stralsund Zehn biblische Regeln und die Schwierigkeiten, danach zu leben

Premiere für „Die 10 Gebote“ in St. Jakobi / Es spielen Geflüchtete und Einheimische

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Menschliche Schicksale im Licht der zehn Gebote. Auf der Bühne in der Kulturkirche gespielt von Geflüchteten und Einheimischen.

Quelle: Juliane Voigt

Stralsund. Es ist eine zentrale Episode im alten Testament der Bibel: Nach der Ankunft des aus Ägypten geretteten von Gott auserwählten Volkes am Berg Sinai, steigt Mose hinauf zum Gipfel und empfängt zwei Steintafeln mit den zehn Geboten direkt von Gott. Die im kategorischen Imperativ formulierten Handlungsanweisungen für das israelitische Volk galten später auch für das Christentum. Sie prägen bis heute unsere Kulturgeschichte.

Auf der Bühne des Gustav-Adolf-Saals in der Stralsunder Kulturkirche ist jetzt ein Theaterstück zu sehen, das die Haltbarkeit der zehn Gebote unter Härtebedingungen testet. Premiere am Freitag war ausverkauft. Auf der Bühne standen Stralsunder und Flüchtlinge, die seit kurzem in unserer Stadt leben. Neben Vitali aus der Ukraine und Rebekka aus Ghana sind es vor allem Syrer, die unter schrecklichen Bedingungen vor dem Krieg geflohen sind.

Regisseur Triebenecker hat für jedes Gebot kleine Minidramen entwickelt. Ein dramatischer Moment, der den Glauben versuchen wird. Der Text läuft zum besseren Verständnis auf deutsch und arabisch mit.

Die Bühnensprache ist zwar deutsch, aber es sind alles Laien, die da auf der Bühne stehen, die in einer gerade erlernten Sprache spielen – mitunter schwer verständlich.

Die sonntägliche Mittagsruhe einer griechischen Ferienanlage wird durchbrochen von Hilferufen eines Flüchtlings. Ja soll man denn jetzt den Feiertag heiligen, also nicht aktiv werden, oder das Gebot brechen? In der Episode zum ersten Gebot, keinen anderen Gott zu haben als nur den einen abendländischen Gott der Bibel, haben Vermummte ein Dorf überfallen und wollen die jesidischen Bewohner für die ISIS rekrutieren. Wir kennen das alles aus den Medien, auf der Bühne wird es in einfache Worte gekleidet. Und die Angst, die Not, die Flucht gespielt.

Soma sagt: „Wir konnten das gut spielen, weil wir wissen, wie es war, wir haben die Geschichten erlebt.“ Dania ist 13 Jahre alt, seit zehn Monaten ist sie in Deutschland, geht in die Schule, ein hübsches Mädchen mit langen offenen Haaren. Sie singt ein trauriges Lied, als wäre sie alleine auf der Welt. Und verpfändet ihre Träume von Glück und Liebe, um sich zu retten. Das sind starke Sequenzen neben den Kurzdramen. Dania hat auch ihre Mutter in die Theatergruppe mitgebracht. Im Alltag steht sie noch unter dem schrecklichen Eindruck ihrer Flucht. Ganz alleine, sagt sie, sei sie der Familie gefolgt. Mahmud erzählt stockend seine furchtbaren Erlebnisse. Sobald sie sich in deutsch mitteilen können, strömen diese traumatischen Erlebnisse aus ihnen heraus, als könnten sie diese stammelnd, schluchzend loswerden.

Oder eben mit dem Theaterspielen. Man spürt ihre Hingabe. Denn sie sagen, die zehn Gebote gäbe es genauso auch im Koran.

Triebenecker forscht mit diesem Stück nach, ob die zehn Gebote überhaupt einhaltbar sind beziehungsweise was passieren würde, wenn alle sich daran halten würden. Schwierige Entscheidungen, die da getroffen werden müssen. Entstanden sei die Idee dafür im Sommer des vergangenen Jahres, als die Migrationswelle auf dem Höhepunkt stand und der humanistische Imperativ immer wieder in Frage gestellt worden ist. Die einen hätten mit übergroßer Abwehr reagiert, andere mit übergroßer Euphorie. Schon damals sei abzusehen gewesen, dass es zu Konflikten kommen wird. „Theater aber ist ein Ort, wo man solche Fragen stellen kann und solche Begegnungen stattfinden können."

Reformation heute

„Die zehn Gebote“ sind ein Beitrag des Kreisdiakonischen Werkes Stralsund zum 500. Jahr der Reformation, das nächstes Jahr beginnt.

Die Idee dafür entstand vorm Hintergrund der Flüchtlingsdebatten. Im Zentrum steht die Frage nach Neuinterpretation des Glaubens in unserer Zeit. Welche Reformation wäre unter heutigen Bedingungen nötig? Im Hinblick auf unsere säkularisierte Wirtschaftswelt und der Konfrontation mit orthodoxen religiösen Tendenzen wie dem Islam in der Mitte der Gesellschaft.

„Vor 500 Jahren hat sich in der Religion und damit im gesamten kulturellen Haushalt viel verändert und diesen Fragen gehen wir für uns heute in unserer konkreten Situation nach“, sagt Regisseur Gerd Franz Triebenecker.

Das Projekt ist eine Zusammenarbeit des Kreisdiakonischen Werkes Stralsund mit dem Theater Vorpommern mit Unterstützung der Aktion Mensch.

Juliane Voigt

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