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Stralsund Zeitgenössisches zur Tanzzeit
Vorpommern Stralsund Zeitgenössisches zur Tanzzeit
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00:00 10.05.2017
Szene aus der Choreografie „I don’t know what the body is“ von Vera Sander. Quelle: Foto: Vincent Leifer

Die Tanzzeit gehört für das Ballett Vorpommern zu den spannendsten, sicherlich aber auch zu den anstrengendsten Projekten im Jahr. Spannend, weil Gastchoreografen mit den klassisch ausgebildeten Tänzern zeitgenössische Stücke entwickeln, die ihr Bewegungsvokabular – so nennt man es am Theater – erweitern oder ihnen gar ein ganz neues beibringen. Anstrengend ist es, weil die neuen Aufführungen von Grund auf erarbeitet werden müssen - und zwar zusätzlich zu den alltäglichen Aufgaben: Im selben Zeitraum stehen noch drei weitere Produktionen auf dem Spielplan, die an drei Standorten gezeigt werden. Keine leichte Aufgabe.

Aber das schmälert offenbar die Motivation der Tänzer keinesfalls. „Die Kompanie ist absolut motiviert“, sagt Musiker Michio. „Sie brennen dafür“, fügt Choreografin Maura Morales an. Die beiden Künstler, die sonst in Düsseldorf tätig sind, studieren mit den Tänzern ein Stück namens „Blinzeln, Zwinkern und Drehen“ ein.

„Das Paradoxon einer Theatervorstellung, in der der Künstler sein Innenleben nach außen kehrt, während die Blicke des Publikums auf ihm ruhen, das ist der Ausgangspunkt einer Reise, die weniger nach außen gerichtet ist, sondern vielmehr das Publikum zum tiefsten Inneren der Tänzerinnen und Tänzer führt“, umschreibt es Franziska Lüdtke, die am Theater als Dramaturgin und in der Öffentlichkeitsarbeit tätig ist.

„Es geht für die Tänzer um die Frage: Wie bringe ich Persönliches auf die Bühne, das nicht Privates ist“, sagt Michio, der für seine Musik allerlei digitale Technik, aber auch mitunter seltsam anmutende analoge Klangkörper nutzt, etwa Schläuche, Dichtungsringe oder eine Höhensonne.

Ähnlich experimentell geht auch Dirk Specht ans Werk, der die Musik – oder Klangwelten? – zum Stück „I don't know what the body is“ von Choreografin Vera Sander beisteuert. Die verwendeten Sounds habe er teilweise in Greifswald aufgenommen, erzählt Sander, die sonst in Köln arbeitet. Mit ihrer Aufführung geht sie zunächst den Fragen nach, was der Körper eigentlich ist und ob es den Körper überhaupt gibt.

„Das Stück arbeitet sehr stark mit Gesten“, sagt Sander. „Wann mache ich Dinge automatisch, wann sind es bewusste Bewegungen?“ lautet eine weitere Frage. Zudem steht neben dem üblichen Anspruch der Tänzer, zur Perfektion zu streben, auch der offensive Umgang mit Fehlern im Fokus. In Zeiten, in denen Komplexität vermieden oder brachial vereinfacht wird, in denen Schwarz-Weiß-Denken befördert und vielschichtige Fragestellungen auf ein „Ja oder Nein“ reduziert werden, will Vera Sander einen bewussten Gegenpol setzen – pro Differenzierung und pro Komplexität. „Da ist Tanz einfach eine Kommunikationsform, die das feiert.“

Termine der Tanzzeit Stralsund: Morgen, 19.30 Uhr, Hinterbühne (Premiere), 18. Mai, 19.30 Uhr, Hinterbühne, 3. Juni, 19.30 Uhr, Hinterbühne. Tickets gibt es an der Theaterkasse oder auf www.theater-vorpommern.de

Kai Lachmann

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