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„Zeitsplitter“ beginnen mit Blick in Arrestzelle

Prora „Zeitsplitter“ beginnen mit Blick in Arrestzelle

In Prora wird mit einer neuen Ausstellung an die Geschichte des Militärstandortes erinnern.

Prora. Um an die Vergangenheit des Militärstandortes Prora auf Rügen zu DDR-Zeiten zu erinnern, werden an diesem Sonntag im Umfeld der Jugendherberge in Block V die ersten „Zeitsplitter“ der neuen Außenausstellung enthüllt. Das Prora-Zentrum und der Förderkreis Bausoldaten Prora wollen damit die Authentizität des Ortes unterstreichen und die DDR-Geschichte Proras stärker verankern. Mit den beiden ersten „Zeitsplittern“ wird auf die sogenannten Bausoldaten aufmerksam gemacht.

In Prora waren von 1982 bis 1989 mehrere Hundert sogenannte Spatensoldaten kaserniert — am größten Bausoldaten-Standort der DDR in diesen Jahren. Sie wurden beim Bau von militärischen und nichtmilitärischen Objekten eingesetzt. Die Verweigerer des Dienstes an der Waffe waren ein wichtiger Teil der Friedens- und Oppositionsbewegung der DDR und haben Impulse für die „friedliche Revolution“ 1989 gegeben.

Am 7. September 1964 — also vor 50 Jahren — gab es die Anordnung zur Aufstellung von Baueinheiten in der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR.

Besucher können in eine der letzten noch vorhandenen Arrestzellen im ehemaligen Wachhäuschen und heutigen Rezeptionsgebäude der Jugendherberge blicken. Der zweite „Zeitsplitter“ befindet sich an der ehemaligen NVA-Turnhalle, die heute als Mehrzweckraum genutzt wird.

Hier hatten die Bausoldaten nach dem Ende der Grundausbildung ein Gelöbnis auf den sozialistischen Staat abzulegen. Für viele eine harte Gewissensprüfung, der sie sich durch Schweigen zu widersetzen suchten. „Wir sollten alle nachsprechen . . . alle 240 Mann schwiegen“, schrieb Spatensoldat Stefan Wolter 1986 seine Eltern.

Seit 2010 stehen diese Zeilen an einer Gedenktafel vor Ort, die an die Waffenverweigerer in Prora erinnert. Für die hatte der heutige Historiker Wolter lange gekämpft. Sie wird durch eine Informationstafel ergänzt. Stefan Wolter, der mit mehreren Büchern gegen das „kollektive Verdrängen“ der DDR-Geschichte in Prora angeschrieben und den einseitigen Blick auf das KdF-Seebad für eine touristische Vermarktung kritisiert hat, kann es noch nicht ganz glauben.

„Es ist schon verrückt, dass gerade wir Bausoldaten den Anstoß gegeben haben, dass die Militärgeschichte hier nicht in Vergessenheit gerät und sichtbar bleibt“, sagt der 47-Jährige. Kaum einer wisse (noch), dass es auch in den Kellern der Selliner Jugendherberge Arrestzellen gegeben habe (Kaserne der 2. Grenzkompanie).

Wolters Initiative DenkMAL Prora hatte auch erreicht, dass das Eingangsensemble mit Kontrolldurchlass, Begrenzungsmauer, Fahnenstange und Gedenkstein für Otto Winzer an der gleichnamigen Offiziershochschule in Block IV unter Denkmalschutz gestellt wurde.Eröffnung: 11 Uhr Schranke Jugendherberge Prora. Um 13.30 Uhr ein Vortrag in der Jugendherberge statt.

Waffenverweigerer
3300 Bausoldaten waren bis 1989/90 in Prora kaserniert. Ab 1982 entwickelte sich Prora zum größten Bausoldatenstandort der DDR. Dem Thema „Opposition und Widerstand — Bausoldaten in Prora 1964 bis 1989/90“ widmet sich eine Ausstellung, die noch bis zum 28. August im Prora-Zentrum täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen ist.
50 Jahre ist es her, dass für die Nationale Volksarmee der DDR eine Anordnung erlassen wurde, dass Einheiten von Bausoldaten aufzustellen seien. Bausoldaten waren Waffendienstverweigerer.

 



Gerit Herold

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