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Zu gutes Ackerland: Luxus-Wohngebiet droht das Aus

Stralsund Zu gutes Ackerland: Luxus-Wohngebiet droht das Aus

Landesverordnung verbietet, wertvolle Agrarflächen in Bauland umzuwandeln / Initiative will Projekt an der Stralsunder Hochschulallee nun stoppen / Stadt setzt auf Ausnahmeregelung

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Das geplanteWohngebiet befindet sich an der Hochschulallee. Unter diesem Namen kämpft eine Initiative gegen das Projekt.

Quelle: Fotos: Alexander Müller

Stralsund. Das umstrittene Wohngebiet in bester Lage an der Stralsunder Hochschulallee droht zu scheitern, weil das Ackerland dort zu wertvoll ist. Eine neue Verordnung der Landesregierung schreibt vor, dass besonders ertragreiche Böden nicht mehr in Bauland umgewandelt werden dürfen. So steht es im Landesraumentwicklungsprogramm, das seit dem 9. Juni gültig ist. Nun ist das Feld, auf dem die Stadtverwaltung neue Häuser mit Sundblick bauen lassen will, genau so ein wertvoller Boden.

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Landesverordnung verbietet, wertvolle Agrarflächen in Bauland umzuwandeln / Initiative will Projekt an der Stralsunder Hochschulallee nun stoppen / Stadt setzt auf Ausnahmeregelung

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Maßgebend dafür ist die sogenannte Bodenwertzahl eines Feldes. Ab einem Wert von 50 muss laut Verordnung ein Acker ein Acker bleiben. Große Teile des geplanten Wohngebiets nördlich von Holzhausen erreichen nach Angaben des Katasteramtes des Landkreises diesen Wert oder überschreiten ihn sogar (siehe Karte).

Für die Bürgerinitiative „Hochschulallee“, die seit Jahren gegen das Wohngebiet kämpft, ist damit klar, dass die Stadtverwaltung ihre Pläne für Häuser an dieser Stelle begraben muss. „Wir sind bereit, auch den rechtlichen Weg zu gehen“, sagt der Vorsitzende Stefan Siebert. Er und seine Mitstreiter haben die Stadtverwaltung und das Verkehrsministerium angeschrieben und zu einer Stellungnahme aufgefordert.

Laut Initiative soll das Wohngebiet auf dem letzten Hochuferstreifen der Stadt entstehen. „Das ist eine einmalige Landschaft, die nicht zerstört werden sollte. Sie zu bebauen, wäre eine Verschandelung der Natur“, sagt Siebert. Zudem würden der Blick von der Wasserseite und der urtümliche Charakter der Hochschulallee beeinträchtigt.

Die Stadtverwaltung plant eigentlich zwei einzelne Wohngebiete, die aber direkt nebeneinander liegen. Am weitesten fortgeschritten ist die Planung für die südliche Fläche. Vorgesehen sind dort 23 Grundstücke für Eigenheime und vier für Stadtvillen. Die Vorbereitungen sollen laut Stadtverwaltung Ende des Jahres abgeschlossen werden. Für das nördliche Gebiet ist 2017 vorgesehen.

Die Bürgerschaft hat die Umwandlung von Agrar- in Bauland allerdings noch nicht beschlossen – und das könnte jetzt zum Problem werden. Die Regierung will mit der neuen Verordnung MV für die Folgen des Klimawandels wappnen. Böden hoher Qualität seien den Belastungen stärker gewachsen. „Sie sind Voraussetzung für eine verbrauchernahe und krisensichere Versorgung der Bevölkerung“, sagte Steffen Wehner, Sprecher des zuständigen Ministeriums für Energie und Landesentwicklung. Hochwertige Flächen mit einer Bodenwertzahl von 50 und mehr seien in MV sehr selten. Der Durchschnitt liege bei 40.

Die Stralsunder Stadtverwaltung betont auf Anfrage, dass die Landesverordnung Ausnahmen in dieser Frage vorsieht. Zu genauen Auswirkungen lasse sich jedoch aufgrund des laufenden Planverfahrens zur Zeit keine Aussage treffen. Aus dem Schweriner Ministerium heißt es dazu: „Die Regelung gilt grundsätzlich seit dem Inkrafttreten und wird jeweils im Einzelfall hinsichtlich der Auswirkungen und des Planungsstandes überprüft.“

Wertvoller Boden

40 ist der Landesdurchschnitt der Wertzahl für Acker- und Grünland in Mecklenburg-Vorpommern. Bodenwerte von 50 und mehr kommen nur selten vor.

Die Bodenwertzahl ist der Vergleichswert zur Bewertung der Qualität und Ertragsfähigkeit landwirtschaftlicher Böden. Die Werte reichen von 0 (sehr niedrig) bis 100 (sehr hoch). Die Wertzahlen für Ackerland und Grünland können bei den zuständigen Katasterämtern abgefragt werden. Hochwertige Böden genießen nun einen besonderen Schutz, da sie widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel sind.

Alexander Müller

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