Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Zum Jubiläum: Eine Krone für Königin Seebrücke

Sellin Zum Jubiläum: Eine Krone für Königin Seebrücke

Selliner Meister hat den Schmuck angefertigt / „150 Jahre Badeleben“ werden gefeiert

Sellin. Hoch oben auf dem Selliner Hochufer weht ein laues Lüftchen. Weit unten auf der strahlend blauen Ostsee glänzen zwei weiße Segel in der Sonne. Jürgen Kintzel liebt diese Aussicht. Er nennt sie Möwenperspektive, einzigartig in Sellin. Genauso wie die Seebrücke als stolzes Wahrzeichen.

„Die Seebrücke gehört einfach zu Sellin, wir feiern mit ihr, und wir leiden mit ihr und das schon immer“, sagt Kintzel. Der Selliner Goldschmiedemeister hat der weißen Dame zu Ehren eine Krone aus Bernstein und Silber angefertigt. An dem wertvollen Stück hat der 76-Jährige mit etlichen Pausen schon seit Jahren gearbeitet. Das in der nächsten Woche anstehende Ortsjubiläum „150 Jahre Badeleben“

sei ein guter Anlass gewesen, den Kopfschmuck zu vollenden.

Die Krone wird in einer Vitrine auf der Seebrücke präsentiert. Bürgermeister Reinhard Liedtke ist begeistert. „Eine tolle Sache. Wir überlegen, wie die Krone zu Repräsentationszwecken getragen werden könnte.“ Vielleicht von einer Seebrückenkönigin zur Eröffnung des jährlichen Seebrückenfestes?

„Ich beschäftige mich schon seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Kronen und ihrer Geschichte“, erzählt Jürgen Kintzel. Angefangen hatte alles 1997, als der damalige Kurdirektor von Göhren auf ihn zukam. Als saisonverlängernde Maßnahme sollte in dem Ostseebad die erste Bernsteinkönigin gekürt werden. Und die brauchte eine Krone. Als Erstes ging er zu einem Friseur, um herauszufinden, welchen Umfang ein Frauenkopf hat. Eine Antwort bekam er dort nicht, dafür einen Holzkopf für Perücken. „Ich hatte überhaupt keine Ahnung von Kronen und nur zwei Monate Zeit mitten in der Saison. Und nichts kosten sollte sie“, schmunzelt der Goldschmied, der seit 1962 selbstständiger Meister ist und an der Fachhochschule für Angewandte Kunst in Heiligendamm studiert hat. Sein Erstlingswerk: Die 1. deutsche Bernsteinkrone, deren Begriff patentiert ist.

Drei Kronen hat er damals angefertigt, eine für die Gemeinde Göhren, eine für einen Hotelier aus dem Ort und eine dritte steht in einer Vitrine im Bernsteinmuseum Sellin, das Jürgen Kintzel neben seinem Bernsteinfachgeschäft in der Granitzer Straße betreibt.

Auch eine Selliner Krone zu kreieren, war ihm danach ein Bedürfnis. Die Idee: Zum Saisonbeginn wird eine Seebrückenkönigin gekürt, die bei allen wichtigen Anlässen die Krone trägt. Doch der Gedanke verlief im Sande. „Also habe ich aus freien Stücken angefangen, ohne Auftrag“, sagt Kintzel. Ausgangspunkt war ein Nachtfoto von der beleuchteten Brücke. Die Elemente Strand, Wasser und Brücke sollten in Silber und Bernstein miteinander verbunden werden. Er fertigte eine Skizze an, dann ein Modell aus Papier, danach welche aus Holz, mit denen er bei einem Bernsteindrechsler die Steine in die Form schleifen ließ. „Solche Bernsteine bekommt man heute nicht mehr, so gleichmäßig in der Farbgebung“, weiß Kintzel, der im Arbeitskreis Bernstein der Universität Hamburg mit Mitgliedern aus aller Welt zusammenarbeitet. Die Herstellung der Krone sei auch handwerklich eine große Herausforderung gewesen. „Das ist die Schwierigkeit im Handwerk: Alles kann schief gehen. Egal, ob man 50

Jahre Meister ist“, sagt Kintzel.

So lange Jürgen Kintzel zurückdenken kann, ist er vom „Gold des Meeres“ verzaubert. Seine Mutter hatte bereits 1928 einen Andenkenladen auf der Seebrücke und verkaufte an die Touristen Schmuck aus Bernstein, Korallen und Elfenbein. Den Laden betrieb sie neben dem Hauptgeschäft in Oberwiesenthal nur in den Sommermonaten. 1964 wurde das Geschäft im Erzgebirge schließlich geschlossen, Mutter und Sohn zogen ganz nach Sellin. „Bernstein war in meinem täglichen Leben, wir hatten zu Hauses viele Gebrauchsgegenstände wie Barometer, Thermometer, Schreibtisch- und Rauchgarnituren“, erinnert sich Kintzel.

Viele Stücke und noch mehr Geschichten über das fossile Baumharz hält Jürgen Kintzel in seinem kleinen privat betriebenen Museum bereit, das er 1999 eröffnete und das 150000 Gäste besucht haben.

Es ist das einzige seiner Art auf Rügen. „Ich fand damals, dass es überfällig war“, meint Kintzel.

Gerit Herold

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Frankfurt/Main

Ein etwas kleineres Team als erwartet soll dem deutschen Sport bei den Olympischen Spielen am Zuckerhut mindestens genauso viele Medaillen bescheren wie vor vier Jahren in London.

mehr
Mehr aus Stralsund
Verlagshaus Stralsund

Apollonienmarkt 16
18439 Stralsund

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
10.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Benjamin Fischer
Telefon: 0 38 31 / 20 67 40
E-Mail:  stralsund@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.