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Stralsund Zum Nachdenken fehlt die Zeit
Vorpommern Stralsund Zum Nachdenken fehlt die Zeit
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00:40 27.08.2014
Der Abend ist die beste Zeit des Tages, um Freunde zu treffen oder einfach nur mit ihnen zu quatschen.“Maria Schwarzkopf (21), Erzieherin
Stralsund

Sie hetzt zur Bahn, checkt dabei ihr Smartphone, hetzt zur Arbeit, zum Hobby und zurück zur Familie.

Ein Alltagsbild. Wir sind immer mehr in Eile. Wir werden überschüttet mit Reizen. Fernseher, MP3-Player, Whats App oder Facebook sind ständige Begleiter. Wir können nur schwer innehalten, geschweige denn nachdenken — denn dafür fehlt uns die Zeit.

Im Alltagsstress gehen oft die angenehmen Sachen unter, ein guter Film, eine entspannte Platte oder ein bereicherndes Gespräch. Wie gehen junge Stralsunder mit den Thema „Zeit“ um? OZelot lokal hörte sich um.

Nam Luu Duc (21) möchte sich nicht der Hektik des Alltags ergeben. Der 21-jährige ehemalige Stralsunder studiert in Magdeburg Wirtschaftsingenieurwesen und sagt: „Pufferzeiten sind mir wichtig. Ich brauche die Zeit alleine, um zu entspannen oder gute Musik zu hören. In dieser Auszeit denke ich dann auch viel nach.“

Solche Pausen wiederum muss er gut planen. Neben dem Studium an der Universität geht er zum Handballtraining, spielt Klavier oder trifft seine Freunde.

Doch um gute Gespräche zu führen, muss die Zeit da sein, um sich Gedanken zu machen. Genau das scheint aber nicht so einfach zu sein: Der Psychologe Timothy Wilson und sein Team von der University of Virginia haben ein Experiment durchgeführt, mit dem sie herausfinden wollten, wie leicht, beziehungsweise schwer, es den Menschen fällt, sich mit ihren eigenen Gedanken zu befassen.

Die Probanden hatten die Aufgabe, sich sechs bis fünfzehn Minuten lang auf einen Stuhl zu setzen und sich zu einem Thema ihrer Wahl Gedanken zu machen. Die meisten von ihnen empfanden die Zeit zum Nachdenken als belastend. Sie konnten sich nicht so lange auf ein Thema konzentrieren und schweiften in Gedanken ab. Eine Studie aus dem Jahr 2012 unterstützt das Ergebnis zusätzlich. 83 Prozent der Befragten gaben an, dass sie in den letzten 24 Stunden zu keiner Zeit betätigungslos nachdachten.

In Deutschland sieht es nicht viel anders aus. Die wenigsten befassen sich mit sich selbst, lenken sich mit den Medien ab. Laut dem Statistischen Bundesamt schauen die Deutschen im Schnitt drei Stunden und vierzig Minuten fern, hören drei Stunden Radio, surfen eine Stunde und dreiundzwanzig Minuten im Internet und lesen dreiundzwanzig Minuten lang Zeitung — pro Tag.

Patrick Donges (45), Professor der Kommunikationswissenschaft an der Universität Greifswald, weiß von der steigenden Tendenz der Mediennutzung. „Auch wenn die jungen Leute immer häufiger im sozialen Netzwerken unterwegs sind, heißt es nicht, dass sie sich von der Gesellschaft isolieren. Schließlich betreiben sie ja auch eine Art von Kommunikation.“ Laut Donges liegt die Fernsehnutzung in Mecklenburg-Vorpommern über dem Bundesdurchschnitt. Sie liegt im Durchschnitt bei fünf Stunden am Tag.

Für Maria Schwarzkopf (21) würde das nicht in Frage kommen. Durch ihre Ausbildung zur Erzieherin ist sie zeitlich sehr eingespannt. „Der Abend ist die beste Zeit am Tag. Da kann ich meine Freunde treffen, mit denen ein Gesellschaftsspiel spielen oder einfach nur quatschen.“

Außerdem genießt die ehemalige Stralsunderin die Zeit der Ausbildung, weil sie selbstständig ist, aber noch nicht so stark gebunden. Doch auch in Greifswald hat sie Stress. Der entsteht vor allen Dingen dann, wenn sie von vielen Leuten zur selben Zeit gefragt wird, ob sie mit ihnen was machen möchte. „Das ist dann aber positiver Stress“, sagt Maria und lacht.

Lennart Zech (21) ist ehemaliger Stralsunder und studiert Journalistik in Eichstätt.

Drei Stunden vor dem Fernseher
Im Durchschnitt schauen die Deutschen drei Stunden und vierzig Minuten am Tag fern.
Drei Stunden pro Tag läuft das Radio und etwa eine Stunde und 23 Minuten wird im Internet gesurft.
Über fünf Stunden schaut der Durchschnittsbürger in MV fern.



Lennart Zech

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